Heft 231 Dezember 2009
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Strasse

Gaustraße und Gautor

Von der Stadt ins Hinterland


Das Mainzer Gautor

Steil und kurvenreich erstreckt sich die Gaustraße vom Schillerplatz bis zum Gautor, geht von dort in die Pariser Straße über und ist damit eine der Hauptverbindungen zwischen Mainz und dem rheinhessischen Hinterland bis hin ins Pfälzer Land. Genau aus dieser Verbindung stammt auch ihr Name. »Gau« stand im Mittelalter für »Gegend« oder »Landschaft«, also den ländlichen Bereich aus Sicht von Mainz, der sich klar vom Stadtgebiet unterschied und sich über die Gaustraße erreichen ließ. Seit dem 13. Jahrhundert erblickten Reisende, die aus diesem Hinterland nach Mainz kamen, als erstes die Gaupforte als Zugang zur Stadt. Dabei war der damalige Anblick mit dem heutigen nicht vergleichbar. Wo heute ein schlich­tes steinernes Tor steht, thronte ab dem 14./15. Jahrhundert eine Festungsanlage mit insgesamt drei Toren und Türmen.

Diese Pforte, das spätere Gautor, hat über die Jahrhunderte jede Menge Unruhe erlebt. Mehrmals in der Mainzer Stadtgeschichte gelangten fremde Heere durch dieses Tor in die Stadt. 1462 die Truppen Adolphs II. von Nassau. Fast 200 Jahre später, 1631, zogen die schwedischen Truppen unter König Gustav Adolf ein. Im 18. Jahrhundert folgte das französische Revolutionsheer. 1896 wurde das Gautor zusammen mit dem Festungswall abgebaut. Heftigen Protesten aus der Mainzer Bevölkerung ist es zu verdanken, dass es nicht komplett zerstört wurde. Bis es endlich in Ruhe an seinen alten Standort zurückkehren konnte, gingen noch ein paar Jahre ins Land. Eine Zeitlang stand das Gautor im Hof des heutigen Frauenlob-Gymnasiums. Ab 1962 wurde es Teil der Grünanlage am Fichteplatz. Erst 1998, kam das Gautor schließlich wieder dort an, wo es einst Geschichte gemacht hatte: am Übergang der Pariser Straße in die Gaustraße, also am Eingang zur Mainzer Innenstadt. Und auch dabei haben wieder Mainzer Bürger und Unternehmen maßgeblich mitgewirkt. Mit Spenden ermöglichten sie erst die Restaurierung und dann den Umzug des Tores ganz in die Nähe seines ursprünglichen Standortes.


Ilona Hartmann