Heft 230 November 2009
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Mainzer Gedächtnis

Tag des Offenen Stadtarchivs

Quellen zum Sprechen bringen


Stadtarchiv

Wie haben die Mainzer vor Jahrhunderten gelebt? Wie haben sie gefeiert? Was haben sie getrunken und gegessen?

Im Mainzer Stadtarchiv kann man Antworten auf diese Fragen finden, denn hier wird die Geschichte der Stadt Mainz verwaltet. Bis ins 12. Jahrhundert reichen die Schriftstücke zurück, die im Mainzer Stadtarchiv aufbewahrt werden.

Nicht nur Akten werden gesammelt und archiviert. Ungefähr 150.000 Fotos, die ältesten vom Beginn des 19. Jahrhunderts, gehören ebenso zum Inventar des Stadtarchivs wie 20.000 Pläne und Ansichten der Stadt, 800 Briefe bedeutender Persönlichkeiten und eine zeitgeschichtliche Sammlung. Die Mainzer Geschichte kann aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden.

Doch eine entscheidende Lücke klafft in der Vollständigkeit der Akten. Die Unterlagen aus der Zeit des Dritten Reiches konnten nie das Stadtarchiv komplettieren, denn bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg verbrannten sie vollständig. Mit Hilfe von Pressemeldungen aus dieser Zeit wird versucht das Geschehene wieder aufzuarbeiten.

Im Jahr 2000 wurde die Erforschung der Mainzer Straßennamen, beziehungsweise die Geschichte Mainzer Persönlichkeiten, nach denen Straßen benannt wurden, gestartet. Auf der Internetseite des Mainzer Stadtarchivs www.stadtarchiv.mainz.de kann man mit Hilfe eines interaktiven Stadtplans Informationen über die einzelnen Straßen erhalten.

Eine entscheidende Rolle hatte das Stadtarchiv auch bei den Forschungen zu den Mainzer »Stolpersteinen«. Aufgrund der Informationen über die Deportation und Ermordung von Mainzer Juden wurden die »Stolpersteine« in Mainz gelegt. Dieses Projekt des Künstlers Gunter Demnig soll an die Opfer der Nazis erinnern.

Der Alltag unserer Vorfahren


Das »Gedächtnis unserer Stadt« verwahrt wichtige Informationen über die Stadtgeschichte und über die Geschichte der Mainzer Bürgerinnen und Bürger. Durch die Aufnahme von neuen Unterlagen wird das städtische Archiv ständig erweitert und aktualisiert.

Akten der Stadtverwaltung werden, sobald man sie nicht mehr benötigt, dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt. Die Mitarbeiter müssen dann entscheiden, welche Informationen wichtig und bedeutend genug für eine Aufnahme sind. Dies trifft allerdings nur auf 5 bis10 Prozent der Unterlagen zu. Insgesamt lagern hier um die 8,5 Kilometer Archivalien.

Dr. Wolfgang Dobras
Dr. Wolfgang Dobras

In den Archiven kann man viele interessante Informationen für die Geschichte der Stadt Mainz oder für die persönliche Geschichte finden. Aus diesem Grund nutzen vor allem Familienforscher, Schüler, Studenten, Professoren oder historisch interessierte Mainzer die Möglichkeit hier zu forschen. Wenn Probleme bei der Suche nach bestimmten Akten auftauchen oder die grundsätzliche Arbeitsweise mit den Archivalien Schwierigkeiten bereitet, kann jederzeit auf die Hilfe der Angestellten zurückgegriffen werden. Aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes kann man bestimmte Akten allerdings erst nach Ablauf einer festgelegten Frist nutzen.

Am 21. November, dem »Tag des offenen Stadtarchivs«, sind Besucher von 10.30 Uhr bis 16 Uhr besonders willkommen. Mit mehreren Führungen »im historischen Gewand« wollen der Leiter des Stadtarchivs Dr. Wolfgang Dobras und seine Mitarbeiter zeigen, wie man aus dem Archiv Erkenntnisse über das Leben im 17. Jahrhundert gewinnen kann. Wie in Mainz geheiratet wurde, oder was die Mainzer der damaligen Zeit aßen, kann mithilfe alter Rechnungs- und Kochbücher nachvollzogen werden.

Dr. Dobras möchte »die Quellen zum Sprechen bringen« und damit eine Identifikation der Mainzer Bürger mit ihrer Stadt bewirken. Das Stadtarchiv, als Gedächtnis der Stadt, sei »untrennbar mit dem Geschichtsbewusstsein der Stadt verbunden.«



Lena Limbach

Infos und Programm:
www.stadtarchiv.mainz.de