Heft 230 November 2009
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Krise/Wirtschaft/Unternehmen

Mainzer Unternehmen und

Die Folgen der Konjunkturkrise


Kistenpfennig

Im zweiten Teil der Serie über die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf rheinhessische mittelständische Firmen hat DER MAINZER beim technischen Großhandel Kistenpfennig nachgefragt. In Mainz 1963 von Fritz Kistenpfennig gegründet, führen die Söhne Sven und Patrick Kistenpfennig den Familienbetrieb seit über 14 Jahren. Vorstandsmitglied und Vertriebsleiter Patrick Kistenpfennig äußert sich zur Konjunk­turkrise und deren wirtschaftlichen Folgen für seinen Familienbetrieb.

Herr Kistenpfennig, ein Jahr nach dem großen Zusammenbruch der Finanz- und Wirtschaftsmärkte mehren sich die Stimmen, die Konjunkturkrise sei fast überstanden. Wie sieht die Situation in Ihrem Unternehmen aus?

Da wir einen großen Teil unserer Produkte an das verarbeitende Gewerbe und die Industrie liefern und diese Branchen Ende letzten Jahres deutliche Wirtschaftseinbrüche erfahren mussten, war unser Unternehmen ebenfalls direkt im Oktober 2008 von der Krise betroffen. Seit diesem Zeitpunkt bis heute sind unsere Umsätze gravierend zurückgegangen und eine Trendwende ist nicht erkennbar. Aus diesem Grund machen wir in diesem Jahr 20 Prozent weniger Umsatz im Vergleich zum Vorjahr. Wir gehen davon aus, dass dieses niedrige Umsatzniveau nur langsam steigen wird, denn die Marktsituation verspricht in diesem Sinne momentan nicht viel.

Ihr Untenehmen hat bundesweit 240 Beschäftigte. Sie haben an vielen Standorten Entlassungen vornehmen und Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. Galt das auch für Ihren Hauptsitz in Mainz?

Die Krise hat uns stark getroffen, so dass wir von Dezember 2008 bis Januar dieses Jahres bereits Entlassungen vornehmen mussten. Es ist uns sicherlich nicht leicht gefal­len, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen, die übrigens zum ersten Mal seit der Gründung unserer Firma durchgeführt wurden. Sie betrafen bundesweit weniger als zehn Prozent unserer Angestell­ten. Wir haben versucht alle Stand­orte gleich zu behandeln, deshalb mussten wir auch hier an unserem Hauptsitz, an dem 75 Angestellte in Verwaltung, Verkauf und im Logistikcenter arbeiten, sieben Mitarbeiter entlassen. Seit April bis heute sind zudem Teile des Unternehmens auf Kurzarbeit umgestellt worden, um unsere Kostenstruktur an die niedrigen Umsätze anzupassen und um weiteren Stellenabbau zu vermeiden. Im Gegenzug haben wir unsere Mitarbeiter, die von der Kurzarbeit betroffen sind, über das Jahr intensiv geschult.

Sie liefern technische Produkte zur Instandhaltung von Maschinen an Kunden unterschiedlicher Branchen. Waren Sie von den Schwierigkeiten eines bestimmten Industriebereichs besonders betroffen?

Jede Branche, mit der wir zusammenarbeiten, spürt die Folgen der Krise, wenn auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Als erstes haben uns im November 2008 die Wirtschaftseinbrüche in der Automobilbranche und deren Zulieferer getroffen. Die Konjunkturprobleme im Maschinenbaubereich erreichten uns hingegen erst Mitte des Jahres, und erst seit ein paar Wochen nimmt die Lebensmittelindustrie, die bisher als von der Krise verschont galt, Einsparungen und interne Kürzungen vor. Hinzu kommt, dass Betriebe unterschiedlicher Industriezweige kurzerhand ihre Aufträge stornieren, so dass wir teilweise Rückgänge bis zu 80 Prozent zu verbuchen haben, und auch langjährige Kunden meldeten Insolvenz an. Aufgrund dieser Situation sind wir seit einem Jahr immer wieder in Intervallen von der Krise betroffen, auch wenn sich inzwischen einige Gewerbebereiche wieder erholen. Zwar gehören Auftragsschwankungen je nach Branche zum Konjunkturzyk­lus dazu, und das kalkulieren wir auch ein. In diesem Jahr jedoch ereilten die Branchen die wirtschaftlichen und finanziellen Einbrüche so schnell und vehement, so dass wir davon ebenfalls voll betroffen waren. So eine Krise hatten wir nicht eingeplant.

Wie sieht Ihre Unternehmens­prog­nose für 2010 aus?

Wir gehen davon aus, dass sich unsere Firma nur ganz langsam in zwei Prozent-Schritten von der Konjunkturkrise erholen wird, denn wir rechnen im ersten und zweiten Quartal 2010 mit einer weiteren Insolvenzwelle bei unseren Kunden beziehungsweise in Deutschland. Darauf bereiten wir uns vor. Trotz der Krise sehen wir uns finanziell gut aufgestellt, auch um die zu erwartenden Kundenverluste ausgleichen zu können. Über die zukünftigen Vorgehensweisen, ob die derzeitige Kurzarbeit beendet oder verlängert wird oder ob es zu neuen Entlassungen kommt, kann der Unternehmensvorstand nur kurz­fristig entscheiden, denn die­se Maßnahmen sind stark von der Marktentwicklung im neuen Jahr abhängig. Grundsätzlich wird das Wichtigste für unser Unternehmen in Zukunft sein, unsere gut geschulten Mitarbeiter zu behalten und unsere Kunden prompt und serviceorientiert zu beliefern und dafür sind wir weiterhin gut positioniert.


Kerstin Halm