Heft 230 November 2009
Willkommen in Mainz


Der Kinderschutzbund Mainz startet in Kooperation mit der Landeshauptstadt Mainz und den Katholischen Kliniken in Mainz ein neues Angebot, das jungen Familien mit neugeborenen Kindern praktische Unterstützung bietet.

Ziel von »Willkommen in Mainz« ist es, junge Familien in dieser besonderen Situation nach der Geburt eines Kindes von Beginn an zu unterstützen und ihnen eine unkomplizierte, unbürokratische und praxisorientierte Hilfe anzubieten.
Weitere Informationen:
Kinderschutzbund Mainz,
Tel.: 06131 61 41 91
E-Mail:
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Jubiläum

20 Jahre UN-Kinderrechtskonvention:

Eine Wohltat für Kinder?


Kleinkind in einer Hand
Foto: Frauke Leupold

Kinder, die verhungern; Kinder, die gequält werden, oder sexuell missbraucht: die unmenschlich-perversen Fälle der letzten Jahre haben die Öffentlichkeit sensibilisiert. Reagiert hat auch der Gesetzgeber: In Rheinland-Pfalz ist seit 2008 ein »Kinderschutzgesetz« in Kraft. In ganz Deutschland entstanden Netzwerke »zum Wohle der Kinder«. Der Ausbau des Betreuungsangebots in Kitas und Ganztagsschulen, das Elterngeld, um auch die Väter stärker in die Betreuung einzubinden Kinder und Familie avancierten zu den Top-Themen in der politischen Profilierung und gesellschaftlichen Debatte. Gute Voraussetzungen, um den zwanzigsten Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November zu feiern? Defizite und Anstrengungen kennzeichnen die Gewährleistung von Kinderrechten, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Gefährdet Fachkräftemangel die Versorgung kranker Kinder?

Logo Kinderrechte sind Menschenrechte

Von den 54 Artikeln der UN-Kinderrechtskonvention liegt Christa Wollstädter insbesondere Artikel 24 am Herzen: »Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit an sowie auf Inanspruchnahme von Einrichtungen zur Behandlung von Krankheiten und zur Wiederherstellung der Gesundheit. ()«

Die Mainzerin arbeitet im Koordinierungsausschuss der »National Coalition«, jenem Gremium, das in Deutschland die Umsetzung der Kinderrechtskonvention vorantreibt, mit. Aus ihrer Sicht sind die Kinderrechte in Deutschland nicht umfassend gewährleistet: »Statt dem Fachkräftemangel konsequent entgegen zu wirken, sind die Politiker beispielsweise auf dem besten Wege, die Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin abzuschaffen. Das bedeutet, dass die fachgerechte Versorgung von kranken und behinderten Kindern nicht mehr gesichert werden kann.« Wollstädter berät und betreut im Kinderneurologischen Zentrum und für die Arque (Arbeitsgemeinschaft Querschnittsgelähmter mit Spina bifida Rhein-Main-Nahe e.V) Spina bifida-Patienten und deren Bezugspersonen, in der Koblenzer Klinik Kemperhof arbeitet sie außerdem in der Überleitung von stationärer zu ambulanter Pflege kindlicher Patienten. Die Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin streitet immer wieder mit Kassen und Behörden, die sich weigern, gesetzlich garantierte Behandlungskosten zu übernehmen. Sie hilft ihren Patienten, den Dschungel an Vorschriften zu durchforsten, damit medizinische Hilfsmittel bezahlt, fachgerechte ambulante Pflege zu Hause sichergestellt wird.

Zurzeit setzt sie sich dafür ein, dass die Pflegestützpunkte in Rheinland-Pfalz ihr Beratungsangebot auf Familien ausdehnen: »Wir wollen, dass dort Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen arbeiten, die umfassend Familien helfen, Krisen zu meistern, die sie begleiten, auch zu Hause.« Wer die Fachkräfte bezahlen soll ist offen. Wie so oft.

Früherkennungs- untersuchungen zum Wohl des Kindes?

Logo Kinderrechte RLP

Ein grundsätzliches Anliegen des seit März 2008 gültigen rheinland-pfälzischen Kinderschutzgesetzes ist die »Früherkennung von Gefährdungen des Kindeswohls und Sicherstellung erforderlicher Hilfen«. Dazu ist die kontinuierliche Zusammenarbeit verschiedener Behörden und Ämter erforderlich: Meldebehörden, Gesundheitsämter, Ämter der Sozial- und Jugendhilfe. Als ein »Instrument«, um Kindeswohlgefährdungen frühzeitig zu erkennen, ist die verbindliche Teilnahme an den »Früherkennungsuntersuchungen« festgeschrieben. Folgen die Eltern den Aufforderungen, an diesen Untersuchungen teilzunehmen, nicht, treten zuerst die Gesundheitsämter in Aktion. Wirken auch deren »Ansprachen« nicht, sind die Jugendämter gefragt: die haben unverzüglich zu prüfen, ob Hilfebedarf vorliegt und welche Maßnahmen zu ergreifen sind.

Hiltrud Göbel, Sachgebietsleiterin Allgemeiner Sozialer Dienst, Hilfen zur Erziehung im Mainzer Amt für Jugend und Familie, erläutert erste Anwendungserfahrungen. Grundsätzlich könnten Eltern nicht gezwungenen werden, dass ihre Kinder an den U1-U9-Untersuchungen teilnehmen, es gebe keine Wahrnehmungs-Pflicht, die Verantwortung bleibe bei den Eltern, stellt Göbel klar. Aber die Anschreiben und die Hilfeangebote bis hin zum Hausbesuch wirkten sicher motivierend, glaubt Göbel.

In den neun Monaten, in denen das Verfahren angewendet werde, sei im Zuständigkeitsbereich des Mainzer Jugendamts noch kein Fall von einer möglichen Kindeswohlgefährdung im Zusammenhang mit diesem Verfahren bekannt geworden. Die häufigste Ursache, wenn Eltern auf behördliche Nachfragen nicht reagierten, seien nicht mehr aktuelle Anschriften. Der gesamte Ablauf wird bis Juli 2010 wissenschaftlich begleitet, auch um Aufwand und Nutzen des Verfahrens abzuwägen. Göbel sieht den großen Gewinn des Gesetzes in der Netzwerkbildung: Einrichtungen der Jugendhilfe, Schulen, Polizei, Agentur für Arbeit, Krankenhäuser und Beratungsstellen müssen kooperieren. Finanziell unterstützt wird diese Netzwerkarbeit durch Landesgelder. Der Informationsaustausch und die verstärkte Zusammenarbeit schärfen, aus Sicht von Göbel, die Verantwortlichkeiten für das Kindeswohl, die Kenntnis von Anlaufstationen und Hilfemöglichkeiten erleichtere die Unterstützung für Kinder und Familien.


SoS

Infos:
Umfassende Infos zu Kinderrechten : www.kinderrechte.rlp.de
Landesgesetz zum Schutz von Kindeswohl und Kindergesundheit:
www.masfg.rlp.de Kinderschutzgesetz in »Suchanfrage« eingeben
Infos zur UN-Kinderrechtskonvention und zum Jubiläum www.national-coalition.de