Heft 230 November 2009
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Fastnacht

Allen wohl und niemand weh

111 Jahr’ MCC


Mainzer Carneval Club,
Komitee von 1910
Mainzer Carneval Club, Komitee von 1910

Einen Fastnachtsverein mit dem Namen »Birnbaum Club« kann man sich heute nur noch schwer vorstellen. Doch einem Club mit diesem Namen entspringt der Mainzer Carneval Club, der heute zu den Traditions – Fastnachtsvereinen in Mainz gehört und 2010 seinen 111. Geburtstag feiern kann.

Im »Brauhaus zum Birnbaum« hielten – wie in vielen anderen Kneipen der Stadt auch – Stammtischbrüder Ende des 19. Jhdts. ihre Sitzungen ab. Mit solch großem Erfolg, dass die Räumlichkeiten bald zu eng wurden und die »Birnbäume« in das geräumigere »Brauhaus zum Schöfferhof« übersiedelten und sich dort mit einer anderen Stammtischrunde zusammenschlossen. So wurde der MCC am 5. Dezember 1898, gerade noch rechtzeitig zur Kampagne 1899, geboren.

Diese sog. »Wirtshaus-Fastnacht« war für alle Beteiligten eine tolle Sache. Für die Gäste war der Eintritt frei, das Programm war lustig, größtenteils improvisiert und spontan. Die Akteure waren glücklich, dass der Wirt die meisten Unkosten übernahm, weil er ja auch mehr Umsatz machte.

Bis zum Ausbruch des I. Weltkrieges hatten die Mainzer viel Freude an ihrem neuen Fastnachtsclub. Dann war es mit der Narretei erst einmal vorbei und auch nach Kriegsende kam der Club nicht mehr richtig auf die Beine. Tragende Säulen und engagierte Clubmitglieder waren gefallen, die Verbliebenen schon älter, es fehlte an Nachwuchs und als Folge von Inflation, Wirtschaftskrise und allgemeiner Not waren die Kassen leer. 1928 beschlossen Vorstand und Komitee deshalb, keine Veranstaltungen mehr durchzuführen, sich aber nicht aufzulösen. Der Club war quasi eingeschlafen.

Otto Dürr und Georg Berresheim
Otto Dürr und Georg Berresheim als »Frau Babbich und Frau Struwwelich«

Damit hätte die Geschichte des Mainzer Carneval Clubs beendet sein können. Doch dann wurden die noch lebenden Offiziellen des alten MCC auf die Sitzungen der städtischen Umformer- und KRAft­werke aufmerksam, die unter Leitung von Jakob Wucher unter dem Namen »UKRA« im »Schöfferhof« vielbeachtete Veranstaltungen durchführten. Es entstanden intensive Kontakte und Freundschaften, und am 21. Januar 1933 überreichte der letzte MCC - Präsident Martin Mundo die Insignien des alten MCC dem UKRA – Präsidenten Jakob Wucher. Fortan nahm der Mainzer Carneval Club wieder am öffentlichen närrischen Treiben teil. Man überstand die »brau­ne« Zensur und blieb auch nach dem II. Weltkrieg eine feste Größe in der Mainzer Fastnachtsszene.

MCV und MCC erkoren sich das »Brauhaus zum Rad«, den einzigen noch halbwegs intakt gebliebenen Saal in Mainz, als Tagungslokal. In diesen Jahren fehlte es an allem, Speisen und Getränke gab es nur auf Bezugsschein, und wenn der Veranstalter kein Heizmaterial stellen konnte oder die Besucher keine Briketts mitbrachten, saßen alle im kalten Saal.

1950 war das Kurfürstliche Schloß wieder bezugsfertig und wurde zur neuen Narrhalla, wo dann auch seit 1955 die Fernsehsendungen stattfinden. Die Gemeinschaftssitzung war in den ersten Jahren ein wahrer Straßenfeger. Heute wechseln sich ARD und ZDF jährlich ab und im Jahr 2010 wird es die 55. Fernsehsitzung sein, ein für Unterhaltungssendungen in der deutschen Medienlandschaft noch nie gefeiertes Jubiläum.

1999 durfte der MCC seinen 100. Geburtstag feiern.

Den 111. Geburtstag wird der Club am 10. Januar mit einer besonderen Jubiläums-Matinee im neuen Gutenberg – Saal der Rheingoldhalle angemessen begehen. Zuvor macht der Club seiner Vaterstadt am 2. Januar ein Geschenk. Er widmet ihr an exponierter Stelle der Innenstadt eine von dem bekannten Bildhauer Professor Eberhard Linke geschaffene Till – Skulptur. Am 11. 11. 2009 öffnet eine besondere Ausstellung zur MCC – Geschichte im Mainzer Fastnachtsmuseum ihre Pforten.


Bernd Mühl