Heft 230 November 2009
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Denkmal

Denkmal

Der doppelte Martin


Sankt Martin mit Blick auf den Mainzer Dom

November ist der Monat des Heiligen Sankt Martin. In allen Ecken der Stadt ziehen demnächst Kinder mit Laternen um die Häuser. Martinspuppen werden gegessen, Martinslieder gesungen und die Martinsgeschichte erzählt, wie er als Soldat selbstlos seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. An mehreren Stellen in der Stadt stehen auch Skulpturen von dem Heiligen und mit einer hat es eine ganz besondere Bewandtnis: sie gibt es nämlich doppelt! Und das kam so: St. Martin ist der Schutzpatron des Mainzer Doms. Seit 1769 thronte deshalb auf dem Dom eine Martinsfigur. Anlass für ihre Aufstellung war einer der zahlreichen Brände, die den Mainzer Dom im Laufe der Jahrhunderte heimsuchten. 1767 hatte ein Blitzschlag den Dom getroffen. Im Zuge der Wiederaufbauarbeiten entstand damals der Westturm und darauf quasi als Schutzengel wurde die Martinsfigur errichtet. Genauer gesagt eine Figurengruppe, auch der Bettler war dabei. Anfang des 20. Jahrhunderts zeigte sich dann bei einer neuerlichen großen Domrestaurierung, dass der Zustand der Figuren gelitten hatte. Deshalb wurden sie 1928 durch originalgetreue Kopien ersetzt, etwas über lebensgroß und aus Sandstein. Die Originale blieben im Dom. Der Bettler kam ins Dommuseum, wo er heute noch steht. St. Martin samt Pferd stand viele Jahre im Kreuzgang. Später zog die Reiterfigur für einige Jahre in die Oberstadt um und wurde dort vor dem Katholischen Jugendwerk am Fort Stahlberg aufgestellt. Als die Kirche das Gelände später verkaufte, stellte sich erneut die Frage: wohin mit St. Martin? Schließlich fanden Stadt, Kirche und Landesdenkmalpflege einen Standort, wie er besser kaum sein könnte. Seit November 2001 thront der Heilige St. Martin auf dem Kästrich und blickt quer über die Innenstadt auf den Dom und damit auch direkt auf sein Ebenbild, das nach wie vor auf dem Westturm steht.


Ilona Hartmann