Heft 230 November 2009
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Allerheiligen

Allerheiligen und Allerseelen

Tage der Besinnung


Auf dem Friedhof
foto:djd/KarstadtQuelle Versicherungen

»Am 1. November gedenken die Katholiken den Toten« eine Aussage, die in mehrfacher Beziehung falsch bzw. ungenau ist, obwohl man doch an diesem Tag zahlreiche Gläubige auf den Friedhöfen an den geschmückten Gräber ihrer Verstorbenen sieht und vielerorts die Gräbersegnung vorgenommen wird. Am ersten Tag im November feiert die katholische Kirche eigentlich Allerheiligen das Fest aller Heiligen und »nicht heilig gesprochener Heiligen« Personen, »um deren Heiligkeit niemand weiß als Gott«. Da Allerheiligen in einigen Bundesländern (so auch in Rheinland-Pfalz) ein gesetzlicher Feiertag ist, werden gerade in diesen Gegenden die Besuche von Gottesdiensten und Begräbnisstätten, die eigentlich zur Liturgie des nächsten Tages zählen, auf den freien Tag vorverlegt.

Der Termin von Allerheiligen wurde bereits von Papst Gregor IV im Jahre 835 verbindlich festgelegt. Auch das Fest am Vorabend, Halloween, weist auf die Heiligenverehrung am nächsten Tag hin, da es sich primär von »All Hallows Eve« (Vorabend von Allerheiligen) ableitet. Bei der heutigen Verkitschung und Vermarktung des Festes kaum zu glauben. Volkskundler gehen davon aus, dass auch nicht-christliche Feste wie das keltische Samhain unser heutiges Halloween beeinflusst. haben.

Die Wurzeln des Allerseelen Festes (2. November) gehen wohl auf den Abte Odo von Cluny zurück, der das Fest für alle seiner Abtei angeschlossen Klöster zur Pflicht machte. An diesem Tag wird allerdings nicht aller Toten gedacht, sondern nur den sogenannten »Armen Seelen«: Nach der katholischen Dogmatik also jenen Seelen, die sich für einen gewissen Zeitraum im Fegefeuer aufhalten müssen. Ihre Leidenszeit kann durch die Gebete und Gedenken Lebender, z.B. während der Allerseelen-Liturgie, verkürzt werden.

Die meisten evangelischen Gläubigen gedenken ihrer Toten dagegen am »Ewigkeitssonntag« bzw. Totensonntag dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, also eine Woche vor dem 1. Advent. Offiziell wurde der Totensonntag von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen durch Kabinettsorder und Verordnung im Jahre 1816 für die evangelischen Christen seines Lan­des eingeführt. Andere deutsche Staaten schlossen sich später an.

Eine Woche vorher, also 14 Ta­ge vor dem 1. Advent, wird seit 1952 der Volkstrauertag begangen. Durch ihn wird »an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen« erinnert.

Besonders das Allerseelenfest ist mit zahlreichen Volksbräuchen verbunden. So kennt man in Süddeutschland den Hefezopf, ein Gericht, das man (ähnlich dem Fronleichnamseintopf) vor dem Kirchgang in den Herd schob und dann bei der Heimkehr sofort verzehren konnte. Nur in Mainz kennt man den sogenannten Newweling, eine kegelförmige »Kerze« die nur aus mit buntem Wachs überzogenen Dochten besteht und auf die Gräber gestellt wird. Er wird bereits 1347 urkundlich erwähnt. 1424 legte, so Schramm, der Patrizier Hamann zum Widder fest, »dass man vier nebelinge uff sine Grab legen soll uff aller seelen tag, und die bornen die meß us.« Ob der Name »Kind des Nebels« bedeutet oder sich auf einen unheimlichen Nibelung bezieht, der der Sage nach Mainz immer im November unsicher gemacht haben soll, bis er mit einem Newweling gebannt wurde, ist umstritten. Auch die Nibelungen werden hier ins Spiel gebracht und die Form der Kerze mit der sagenhaften Tarnkappe dieses Geschlechtes in Zusammenhang gebracht.

Das von unserer Warte aus gesehen skurrilste Totenfest wird in Mexiko gefeiert: Am Día de Muertos (Tag der Toten) seit 2003 von der UNESCO in die Liste der »Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit« aufgenommen und leider in letzter Zeit durch das amerikanische Halloween immer mehr beeinflusst.

Nach einem auf die Azteken zurückgehenden Glauben kommen die Toten einmal im Jahr zurück um mit ihren Verwandten zu feiern. Für diesen Tag werden die Straßen und Geschäfte mit Skeletten (Calaveras) in allen denkbaren Lebenslagen geschmückt, Konditoren fertigen Totenköpfe aus Zucker oder Schokolade als besondere Leckerei an und auf den Gräbern werden Gabentische aufgestellt an denen man gemeinsam mit den Toten (für die ein eigener Teller aufgestellt wird) isst und trinkt, Musik macht und tanzt. Eine laute und sehr lustige Szenerie die im krassen Gegensatz zur Allerseelenfeier in unseren Breiten darstellt. (mdl)


SoS