Heft 230 November 2009
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Abfall

Dank Mülltrennung

Stabile Gebühren seit 2001


Hermann Winkel, Leiter des Entsorgungsbetriebs der Stadt Mainz
Hermann Winkel leitet den Entsorgungsbetrieb der Stadt Mainz. Seit zehn Jahren ist er dort tätig. Er feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Dienstjubiläum, zuvor hat er sich um den Müll in Darmstadt und Bad Kreuznach gekümmert.

Bis zu vier Mülltonnen vor der Haustür und dazu noch ein gelber Sack die Trennung des Hausmülls erfordert Platz und eine gewisse Mühe. Lohnt sich das für den Mainzer Bürger? Macht es sich für ihn in Form niedriger Müllgebühren bezahlt?

Ja, sagt der Werkleiter des Entsorgungsbetriebs der Stadt Mainz (EB), Hermann Winkel, es lohnt sich. Und zwar wegen der Nutzung der verschiedenen im Hausmüll enthaltenen Rohstoffe. Zunächst sei der Aufwand durch mehrere Tonnen zwar höher, je besser aber die Müllsorten getrennt würden, desto leichter könnten sie in die Wiederverwertung gebracht werden. Ein Vier-Personen-Haushalt könne bei konsequenter Trennung mit der kleinsten Restmülltonne (60 Liter) und damit bei 14-tägiger Leerung mit 98 Euro Müllgebühren im Jahr auskommen. Kostenpflichtig ist in Mainz nur die schwarze Restmülltonne, die Hinzunahme der anderen drei Gefäße Papier, Glas, Biomüll ist freiwillig und gratis.

Die Statistik scheint dem Chef des Eigenbetriebs der Stadt mit seinen 430 Mitarbeitern Recht zu geben. In der vom rheinland-pfälzischen Umweltministerium erstellten »Landesabfallbilanz« von 2007 liegt Mainz in punkto Gebühren auf Rang 5 von 35 Städten und Kreisen. Dabei sei zu berücksichtigen, dass die besser platzierten Kommunen keinen Vollservice wie in Mainz, sprich Abholung der Tonnen vom Grundstück, anbieten würden, gibt Winkel zu Bedenken.

40.000 Tonnen Restmüll fallen jährlich in Mainz an, berichtet der diplomierte Wirtschaftsgeograph. Dazu kämen 20.000 Tonnen Biomüll/Grünabfälle, 16.500 Tonnen Papier, 5.800 Tonnen Glas und zusätzlich 7.000 Tonnen Sperrmüll pro Jahr. Was passiert nun mit dem Müll aus den vielen Tonnen bzw. gelben Säcken?

Restmüll/Hausmüll:

Wird ins Müllheizkraftwerk auf der Ingelheimer Aue gebracht. Bei der Verbrennung wird laut Winkel eine nahezu 100-prozentige energetische Verwertung erreicht: Die Wärme wird in elektrische Energie umgewandelt. Der Müll habe einen ähnlichen Verbrennungswert wie Braunkohle.

Biotonne:

Deren Inhalt wird ins Humuswerk nach Essenheim gefahren. Dies wird vom französischen Versorger Veolia betrieben, der es von der Firma Altvater bzw. Sulo übernommen hat. Aus dem Biomüll wird Kompost gemacht, der vor allem an Landwirtschaft und Gartenbau geht, aber auch von Privatleuten geholt werden kann. Der Entsorgungsbetrieb zahlt dem Humuswerk 120 Euro je Tonne »Behandlungsentgelt«.

Glas:

Wird seit zwei Jahren auf dem neuen EB-Betriebsgelände in Weisenau (ehemals Heidelberger Zement) in die Fahrzeuge der abnehmenden Glasindustrie umgeladen.

Papier:

Wird an einer Umladestation auf Großlaster gepackt und von dort in die verarbeitenden Papierfabriken gefahren.

Gelber Sack:

Celine Tambour
Vier Tonnen und den gelben Sack braucht die engagierte Mülltrennerin Celine Tambour in ihrem Vorgarten, um alle Abfälle korrekt zu entsorgen.

Die darin gesammelten Verpackungsmaterialien müssen theoretisch von Industrie und Handel zurückgenommen werden, die diese Arbeit aber an Recyclingpartner wie das Duale System Deutschland (Grüner Punkt) oder die Mainzer Landbell delegieren. Die gelben Säcke aus Mainz werden zur endgültigen Verwertung zur Firma Meinhardt in Ginsheim-Gustavsburg gebracht. Für das Sammeln und Weiterleiten der gelben Säcke erhält der Entsorgungsbetrieb eine Aufwandsentschädigung von den Systemen, die nur der Kostendeckung dienen. Für das Einsammeln muss sich der EB regelmäßig in einer Ausschreibung bewerben. Die letzte ging jedoch verloren: »Im nächsten Jahr sammelt der Entsorgungsbetrieb die Säcke nicht mehr ein«, bedauert Winkel. Die Ausschreibung für die nächsten zwei Jahre habe das Wiesbadener Unternehmen Knettenbrech + Gurdulic gewonnen. Richtig Geld hat die Stadt in der Vergangenheit mit dem Papier verdient: Bis zu 100 Euro betrug der Preis in Spitzenzeiten für eine Tonne Altpapier; bei den eingangs genannten 16.000 Tonnen brachte das 1,6 Millionen Euro in die EB-Kasse. Doch im Zuge der Wirtschaftskrise ging auch der Kurs des Altpapiers in den Keller: Null Euro im Dezember, zu Jahresbeginn 10 bis 20 Euro je Tonne, aktuell immerhin wieder 60 Euro, berichtet Winkel. Auf das Gesamtjahr gesehen werden dem Eigenbetrieb damit 1,2 Millionen Euro fehlen. Die Müllgebühren sind seit 2001 stabil und sollen, nach dem Willen des EB-Chefs, auch im kommenden Jahr nicht teurer werden: »Wir haben noch Rücklagen«. Ob diese Absicht auch dem Plan der neuen Bundesregierung, die Mehrwertsteuerbefreiung für kommunale Unternehmen abzuschaffen, standhält, bleibt abzuwarten. Soweit so gut also mit dem Vier (Tonnen) plus Eins- (gelber Sack) System? In Städten wie Trier und Kassel laufen mit Erfolg Versuche, auf den gelben Sack zu verzichten. In Kassel beispielsweise gibt es bei weiterhin vorhandenen Glas- und Papierbehältern nur noch eine »trockene« und eine »nasse« Tonne. »Trocken« nimmt alles auf, was wiederverwertbar ist und wird mit modernsten Maschinen getrennt. Also Verpackungen, die normalerweise in den gelben Sack müssten, aber auch Kleinelektrogeräte, die hierzulande zum Recyclinghof gefahren werden müssen. »Nass« heißt Küchen- und Gartenabfall genauso wie Windeln. Aktuell sei dies wegen bestehender Vertragsverhältnisse und -laufzeiten in Mainz nicht machbar, sagt Winkler. Aber man beobachte den Versuch in Kassel sehr genau: »Wenn sich dabei Vorteile zeigen, wäre dies auch hier möglich.«


Christoph Barkewitz