Heft 229 Oktober 2009
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Krise/Wirtschaft/Unternehmen

Mainzer Unternehmen und...

Die Folgen der Konjunkturkrise


Peter Karrié
Peter Karrié, Geschäftsführer der Karrié Bau GmbH & Co. KG

Über ein Jahr ist es her, dass der Finanzkollaps die Wirtschaft erschütterte. Der Konjunktureinbruch hinterlässt Spuren und auch wenn sich inzwischen die Stimmen vom Wirtschaftsaufschwung mehren, kämpfen noch immer zahlreiche Firmen mit Umsatzeinbußen oder müssen Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. DER MAINZER hat nachgefragt bei Leitern rheinhessischer mittelständischer Firmen, welche Auswirkungen die Krise auf ihr Unternehmen hat und wie ihre Zukunftsperspektiven aussehen. In einem Gespräch mit unserer Stadtillustrierten äußert sich Peter Karrié, Geschäftsführer der Karrié Bau GmbH & Co. KG, über die Konjunkturkrise und die Situation in seinem Betrieb.

Herr Karrié, wie laufen Ihre Geschäfte?

Peter Karrié: Der Geschäftsverlauf sieht sehr durchwachsen aus. Wir hatten das Glück, dass wir einen großen Auftragsbestand aus 2008 in dieses schwierige Jahr mitnehmen konnten. Dieser ist jetzt zwar abgearbeitet, aber es kommen kontinuierlich neue Aufträge rein, wenn auch nicht in großem Maße. Ich denke, wir können froh sein, dass wir bisher so gut durch das Jahr gekommen sind.

Ist Ihr Unternehmen überhaupt nicht von der Wirtschaftskrise betroffen?

Peter Karrié: Das laufende Jahr war nicht einfach und natürlich haben wir die Folgen der Wirtschaftskrise gespürt, und das bereits Ende letzten Jahres. Wir arbeiten für viele Industrieunternehmen, die sehr früh die Auswirkungen der Wirtschaftskrise gemerkt haben und somit waren davon auch wir unmittelbar betroffen. Dennoch haben wir keine schwerwiegenden Wirtschaftsprobleme gehabt. Aufgrund unserer verschiedenen Unternehmensbereiche sind wir sehr flexibel, denn damit lassen sich Auftragsdefizite und Umsatzrückgänge ausgleichen. Außerdem konnten wir in den letzten Jahren Rücklagen bilden, die uns jetzt über diese Krise hinweghelfen. Allerdings muss man sagen, dass wir solche schwierigen Situationen fast schon gewohnt sind. Innerhalb der letzten zehn Jahre sank die Baunachfrage kontinuierlich nachdem die Baubranche einen enormen Bauboom nach der Wiedervereinigung erlebt hatte. Unsere Firma ist von der Krise daher nicht völlig überrascht worden.

Zu den Geschäftsfeldern, die Sie ansprechen, gehören Hoch- und Tiefbau, Bauwerkserhaltung sowie private Bauprojekte. Gab es einen Bereich, der während der Krise deutlich einbrach?

Peter Karrié: Insbesondere im Hochbau, zu dem unter anderem Gewerbeimmobilien gehören, haben wir gravierende Auftragseinbrüche und dementsprechend den größten Umsatzrückgang zu verzeichnen, da dieser Bereich unmittelbar dem Industriebau zugeordnet ist. Auch der private Hausbau ist deutlich zurückgegangen. Bereits jetzt zeigt sich in unserer Bilanz, dass sich der Jahresumsatz im Vergleich zum September 2008 um zehn Prozent reduziert hat.

Sie haben 105 Beschäftigte, alle in Festanstellung. Mussten Sie aufgrund der geringen Auftragslage in Kurzarbeit gehen oder Mitarbeiter entlassen?

Peter Karrié: Nein, mussten wir nicht, alle Mitarbeiter behielten ihre Anstellungen. Momentan bewegen wir uns noch in einer Beschäftigungsbandbreite, die wir kompensieren können, ohne drastische Maßnahmen ergreifen zu müssen. Der Grund dafür ist, dass wir für bestimmte größere Baustellen nicht mehr wie bisher Leistungen von anderen Unternehmen einkaufen, sondern diese Arbeiten derzeit von unseren Mitarbeitern ausführen lassen. Sobald sich die Auftragslage verbessert, vergeben wir diese Arbeiten wieder an Fremdbetriebe. Das ist auch ein Teil unserer Unternehmensflexibilität, mit der wir unser Auftragswachstum und -schrumpfen ausgleichen können.

Das Konjunkturpaket II wird langsam von den Kommunen umgesetzt. Gelder fließen in Erneuerungen und Sanierungen städtischer Bauten. Profitieren Sie bereits von dem Konjunkturpaket?

Peter Karrié: Erst allmählich werden von den Kommunen verschiedene Maßnahmen ausgeschrieben, die auch für ein Hochbauunternehmen wie unseres interessant sind. Denn unsere Leistungen kommen erst dann zum Einsatz, wenn neu gebaut wird oder große Umbauten sowie Bauerweiterungen anstehen. Die allererste Maßnahme der Stadt Mainz, an der wir inzwischen beteiligt sind und von der wir profitieren, sind Umbauten in Museen. Generell begrüßen wir das Konjunkturpaket sehr, denn wir brauchen diese Bauprojekte. Aus diesem Grund bewerben wir uns im gesamten Rhein-Main-Gebiet auf die Ausschreibungen der Kommunen.

Wie sieht Ihre Unternehmensprognose für 2010 aus? Werden Sie mehr Aufträge erhalten, weil sich die Konjunktur bald erholt hat?

Peter Karrié: Wir rechnen damit, dass wir Mitte spätestens Ende 2010 wieder einen Anziehen der Konjunktur verspüren werden. Bis dahin hilft uns das Konjunkturpaket II, insbesondere für den öffentlichen Bau. Zusätzlich haben wir jetzt schon Aufträge von verschiedenen Institutionen und Einrichtungen erhalten, die bis ins neue Jahr hineinreichen. Mit diesen Voraussetzungen sind wir optimistisch, dass wir das erste Halbjahr 2010 gut meistern werden. Dennoch gehen wir davon aus, dass der Gewerbe-, Wohnungs- und Hausbau auch im nächsten Jahr weiterhin auf schwachem Niveau verharrt.


Kerstin Halm