Heft 229 Oktober 2009
Werbung




Wein in der Bibel

Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Zwickel

Wein in der Bibel


Zwickel
Prof. Dr. Wolfgang Zwickel
Seminar für Altes Testament und Biblische Archäologie Johannes Gutenberg-Universität
zwickel@uni-mainz.de

Er sei ein demütiger, einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn: so charakterisierte sich Kardinal Ratzinger beim Amtsantritt als Papst.

Ist Wein in der Bibel von Bedeutung?


Die erste Geschichte, in der Wein in der Bibel eine Rolle spielt, findet sich unmittelbar nach der Sintflut. Der erste Mensch nach der Sintflut Noah wurde Winzer und pflanzt Reben an. Der Wein spielt in der Bibel eine zentrale Rolle. Wein ist in der Tat ein wichtiges Wort in der Bibel, denn die Menschen tranken jeden Tag Wein. Und es gibt viele Geschichten um den Wein, vor allem Geschichten, die mit Betrunkenheit zu tun haben. Das scheint nicht selten damals gewesen zu sein und es wurde auch gewarnt (Prophet Hosea: »Wein und Most rauben den Verstand«). Aber es gibt auch gute Ratschläge in der Bibel zum Wein. Mäßig, aber regelmäßig getrunken ist er gut und erfreut das Herz. Zu viel Wein ist aber schlecht, vor allem bei »Politikern« (bzw. damals den politisch Verantwortlichen). Wein kann Kummer wegwischen, ist gut für den Magen. Man merkt, die Welt hat sich da nicht sehr geändert.

Hat Wein eine symbolische Bedeutung in der Bibel? Ist dies auch noch heute richtig?


Der Weinstock kann in Israel als Symbol für das Volk verwendet werden. Das kommt aber in den Texten nur selten vor, häufiger dann im Neuen Testament als im Alten. Der Wein war einfach ein charakteristisches Anbauprodukt, und daher hat man gerne diese Pflanze für das ganze Volk verwendet. Heute spielt Wein in Israel keine so große Rolle mehr, auch wenn dort in den letzten Jahren wieder vermehrt hochwertige Weine hergestellt werden, aber leider auch sehr hochpreisige.

Warum gibt es in der Regel Weiß und nicht Rotwein (Blut) beim Abendmahl?


Das wird heute sehr unterschiedlich gehandhabt. In manchen reformierten Kirchen, aber auch in orthodoxen Kirchen wird Rotwein verwendet. Das ist historisch auch richtig, denn damals hat man nur Rotwein hergestellt. Weißwein kam wohl auf, weil er in unseren Gegenden verbreiteter war. Auch waren die Tücher, mit denen man den Kelch reinigte, so leichter zu waschen. Und sicherlich wollte man so auch in manchen Gegenden vermeiden, dass der Wein als Blut Christi mißverstanden werden kann. Im Wesentlichen scheinen das aber pragmatische Gründe gewesen zu sein und nicht theologische.

Liefert die Bibel einen Clue hinsichtlich der Weinbereitung etc., wovon unsere heutigen Winzer noch lernen könnten?


Das sicherlich nicht, denn die Weinbereitung in der Bibel ist weitgehend die selbe, wie sie auch in Europa über Jahrhunderte verwendet wurde. Leidglich der Weinanbau ist anders. Da in Israel im Sommer kein einziger Tropfen Regen fällt, konnte man die Reben auf dem Boden wuchern lassen. So war die Arbeit für die Weinbauer einfacher. Auch damals wurde der Most gewonnen wie wir es aus unseren Bereichen kennen. Die Familienmitglieder pressten mit nackten Füßen den Saft aus den Reben durch stetes Stampfen heraus. Der Most kann sehr glitschig sein. Daher wurde über diesen Kelteranlagen gerne ein Holzgerüst errichtet, von dem Stricke herabhingen, an denen man sich festhalten konnte.

Waren denn die klimatischen Bedin­gungen so dass im Heiligen Land damals Wein angebaut werden konnte, oder wo kam der Wein her?


Das heutige Israel und Jordanien waren die zentralen Weinländer der Antike. Auf den Höhen konnte man hervorragend Wein anbauen, der dann sogar gehandelt wurde - zumindest nach Ägypten, vielleicht auch in andere Länder. Der durchgehend warme Sommer ermöglicht gute Weinqualitäten. Und man kannte damals schon alten und neuen Wein, aber man sehr schätzte den alten, schweren Wein. Es war damals auch profitabel Wein anzubauen, Wein brachte schon nach drei Jahren Erträge, während z.B. Olivenanbau sich erst nach sieben Jahren auszahlte.

Welche Forschungsansätze werden heute zum Thema Wein in der Bibel verfolgt?


Wein war ein wichtiger Punkt des Alltags. Wir in Mainz beschäftigen uns in meinem Institut sehr stark mit der Lebenswelt in biblischer Zeit. Und da spielt der Wein natürlich eine zentrale Rolle.



(Heinz Decker, HAD)