Heft 229 Oktober 2009
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Wahnsinn

Sagen Sie mal…


wahnsinn

… sind Sie auch so froh, dass die Bundestagswahl nun endlich gelaufen ist? Damit meine ich nicht etwa so etwas, wie: ‚Juhu, das Macht-Vakuum der großen Koalition ist vorbei, jetzt wird wieder regiert‘ (wer weiß, ob es überhaupt soweit kommt). Nein, ich freu mir deshalb ein Loch in den Bauch, weil ich nun endlich wieder meine Ruhe habe. Welche Ruhe, wollen Sie wissen? Nun, zum Beispiel kann ich in aller Ruhe wieder über die Straße gehen, ohne Angst haben zu müssen, platt gefahren zu werden, weil mich der nette Autofahrer von nebenan durch eines der unzähligen, press an der Bordsteinkante postierten Wahlplakate übersehen hat. Ich kann in Ruhe wieder in die Röhre (oder neu: den Flachbildschirm) schauen, ohne dass mir einer unserer Volksvertreter aus Berlin die Hucke volllügt, nur um an meine Stimme zu kommen (und deren Absender ihn bereits Minuten nach Wahlschluss keinen Pfifferling mehr interessiert). Und ich kann in Ruhe wieder Zeitung lesen, ohne die x-te Prognose vor die Nase gehalten zu bekommen, welche Partei nun mit weniger Prozentpunkten rechnen muss, nur weil in Berlin einer einen hat fahren lassen. Wie, ich klinge wie ein Nicht-Wähler? Also bitte schön!!! Wenn schon, dann klinge ich wie ein frustrierter Demokrat. Bei einer Wahl möchte ich mir das aussuchen können, was mir gefällt und nicht das, was das kleinste Übel ist. Ich möchte das Gefühl haben, von ‚meiner‘ Partei und ‚meinen‘ Politikern ernst genommen zu werden und mich nicht nur als Stimmen- (und später Steuergelder-)lieferant fühlen. Und ich möchte Koalitionsverhandlungen auf der Basis demokratischer Diskussionen und keine Kleinkinder-Kaspereien bereits im Vorfeld, frei nach dem Motto: ‚Mit dem spiel´ ich nicht, der ist blöd‘ (und wenn überhaupt, dann nur im Länder- Sandkasten, aber nicht in dem auf Bundesebene). Ja ja, ich weiß, das klingt alles furchtbar naiv. Ist es wohl auch, denn es gibt zwar genügend meiner Art (oder sogar noch schlimmer: die braunen Protestwähler), aber das Einzige, was ich als Berliner Antwort auf sinkende Wahlbeteiligungen gehört habe, ist die Wahlpflicht. DDR ick hör dir trapsen. Aber wie hat Comic-Anarcho Werner (Sie wissen schon, der gezeichnete Altrocker mit den vier Haaren) bereits vor knapp 20 Jahren zum Thema Wahlen philosophiert: ‚Wenn Du vier Haufen Sch… hast: welchen isst Du?‘ Traurig, aber wahr.


In diesem Sinne – Bis zum nächsten Mal.

Ihr Rasta Mobi