Heft 229 Oktober 2009
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Museum

Naturhistorisches Museum

Weite Ausflüge in die Urzeit


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Das Naturhistorische Museumhat besonders für Kinder eine gro - ße Anziehungskraft. Die bereits im »Garten der Zeit« vor dem Muse - um wirkt, denn dort lässt es sich wunderbar im Gesteinsgarten klettern. Vor der riesigen Sanduhr, die zu den Größten ihrer Art gehört, warten Groß und Klein minutenlang darauf, dass sie sich wieder dreht. Im Innern des Museums entdecken und erfahren Kinder während der beliebten Vorlesestunden noch vieles mehr auch Erwachsene erkunden gerne die Natur- und Tierwelt aus Rheinland Pfalz und der Umgebung. Neben den Lebewesen unserer Zeit sind auch Präparate von Tieren aus den vorhergehenden Erdzeitaltern zu finden. Eine umfangreiche Gesteins- und Mineraliensammlung nimmt einen wichtigen Teil der Dauerausstellung ein. Dazu gehört auch eine bedeutende Sammlung von Hunsrückschiefer. Ruanda, das Partnerland von Rheinland- Pfalz, ist ebenfalls mit Exponaten aus seiner Tierwelt vertreten. Doch der Glanz, den das Museum als größtes und bedeutendstes Naturkundemuseum in Rheinland Pfalz einmal hatte, verblasst allmählich. Aufgrund ungünstiger klimatischer Bedingungen in den Räumen des ehemaligen Klarissenklosters St. Klara verschlechtert sich der Zustand der Präparate immer mehr. Die meisten Vitrinen strahlen zudem ein nicht mehr zeitgemäßes Flair aus. Ausgestellte Tiere zum Beispiel sind zwar nach Gattungen oder Lebensräumen geordnet, doch die Präsentation wirkt wenig ansprechend. Seit einigen Jahren wurde insbesondere das museumspädagogische Angebot verbessert. Jetzt ist zum Beispiel direkt am Eingang eine Art Sandkasten zu finden, in dem man mit Pinseln versuchen kann Knochen freizulegen. Und in einem der Obergeschosse kann man verschiedene Fellarten von in Deutschland heimischen Tieren nicht nur anschauen, sondern auch befühlen.

NATURWISSENSCHAFTEN ZUM ANFASSEN


Dr. Michael Schmitz
Dr. Michael Schmitz

Bei diesen kleinen Ansätzen soll es nicht bleiben. Dr. Michael Schmitz, seit Anfang des Jahres Direktor des Naturhistorischen Museums, arbeitet an der Neukonzipierung der Sammlung. Er sieht Museen als »Schaufenster der Wissenschaft « und als eine besondere Art von Bildungsinstitutionen. Es wird viel Wert auf eine engere Zusammenarbeit mit Schulen und der Universität gelegt. Innerhalb des Projektes Ganztagsschule am Schlossgymnasium werden zum Beispiel Themennachmittage für die Schüler angeboten. Schmitz möchte Kinder, aber auch interessierte Erwachsene ohne Leis - tungs druck und mit viel Spaß an die Naturwissenschaften heranführen. Um dies richtig umzusetzen, hält er es für unumgänglich, den gesamten Kontext des Museums zu verändern und innovative Wege zu gehen. In Zukunft soll das »entdeckende und forschende Lernen« weiter in den Vordergrund gerückt werden. Der Besucher soll eigene Antworten finden, bei denen es kein »richtig oder falsch« sondern nur ein »wahrscheinlich oder weniger wahrscheinlich« gibt. Bei dieser Neukonzipierung ist ein Anliegen des Direktors, auf die aktuellen Fragen der Besucher zum Thema Umwelt einzugehen. Er möchte Themen wie Energieversorgung, Abfallentsorgung oder Folgen des Klimawandels am Beispiel von Rheinland Pfalz aufgreifen. »Doch dies sind alles erst Ideen, die es noch umzusetzen gilt«, so der Museumsdirektor. Bis 2015 sollen sämtliche Umbaumaßnahmen abgeschlossen sein. Insgesamt soll das Museum barrierefrei und wesentlich besucherfreundlicher gestaltet werden. Der normale Museumsalltag wird vermutlich durch die Bauarbeiten gestört und laut Dr. Schmitz wird sich eine zeitlich begrenzte Vollschließung des Museums nicht vermeiden lassen. Solange es möglich ist, soll jedoch die fast lückenlose Reihe von Sonderausstellungen im Naturhistorischen Museum fortgeführt werden. Bis 6. Dezember kann man »Spinnen (live) im Museum« erleben. Im Rahmen dieser Sonderausstellung findet jeden Dienstag und Donnerstag im Oktober die Vorlesestunde »Pfui Spinne« für Kinder statt. Spinnenfütterungen können bei Sonderführungen beobachtet werden. Wer mehr auf Vierbeiner steht, dürfte bei den »Quaggas« gut aufgehoben sein: die südafrikanischen Steppenzebras sind längst ausgestorben und weltweit existieren nur noch 23 präparierte Exemplare drei davon, darunter ein Fohlen stehen im Mainzer Naturhistorischen Museum.


Lena Limbach

INFO
Naturhistorisches Museum
Mainz, Reichklarastraße 10/Mitternacht,
Preise: Kinder 0,5 Euro, Erwachsene
1,50 Euro, Ermäßigt 1 Euro,
Öffnungszeiten: Di 10-20 Uhr,
Mi 10-14 Uhr, Do- So 10-17 Uhr,
www.naturhistorisches-museum.mainz.de

Im Landesmuseum sorgt derzeit
auch ein Fohlen für Furore: Es ist golden,
soll Kinder und Jugendliche
durchs Museum geleiten hat aber
noch keinen Namen. Bis 10. Oktober
sollen insbesondere Kinder bei der
Namensgebung helfen und ihre Vorschläge
mittels Postkarte an das Landesmuseum
zu schicken: Landesmuseum
Mainz, Große Bleiche 49-51,
55116 Mainz
www.landesmuseum-mainz.de