Heft 228 September 2009
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Mädchen

SPASS AN TECHNISCHEN BERUFEN

WISSEN, WO DER HAMMER HÄNGT


Mädchen in technischen Berufen

Tischler, Fachinformatiker, Chemielaborant oder Informationstechniker alles Männerberufe? »Von wegen«, lautet die Antwort des Ada-Lovelace-Projekts der Universität Mainz, denn hier ist das Motto klar definiert: »Mädchen können das genauso gut.« Das rheinlandpfalzweite Programm, das an vielen Universitäten und Fachhochschulen des Landes angesiedelt ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mädchen für technische Berufe zu begeistern. Grund für das Engagement: In den meisten handwerklich-technischen Berufen sei die Frauenquote verschwindend gering, so Projektkoordinatorin Esther Lind und fügt hinzu: »Viele Mädchen trauen es sich oft nicht zu, einen noch stark männerdominierten Beruf zu ergreifen.« Ein Vermittler ist also gefragt, der den Mädchen die Schwellenangst vor dem Einstieg in technische Berufe nimmt. Ein Vermittler wie etwa das Ada-Lovelace-Projekt. »Wir haben ein recht großes Kooperationsnetz mit Unternehmen aus der Region aufgebaut«, berichtet Lind und erklärt weiter: »In jedem Unternehmen sitzt eine Mentorin des Ada-Lovelace-Projekts. Das ist meist eine Auszubildende, die als Bindeglied zwischen den Mädchen und den Unternehmen fungiert. «

THEORIE UND PRAXIS KENNENLERNEN


Praktisch sieht das so aus, dass die Mentorin den Mädchen an bestimmten Projekttagen ihre Arbeit in dem jeweiligen Unternehmen zeigt, erklärt wie sie dazu gekommen ist und sie mit ihrem Arbeitsalltag vertraut macht. Sei es nun Tischler, Mechatroniker oder Industriemechaniker. Für Lind liegen die Vorteile eines solchen Mentorinnenprogramms klar auf der Hand: »Gerade bei Schülerinnen der Abschlussklassen ist der Altersunterschied zu der Mentorin ziemlich gering. Die Schülerinnen können sich daher gut mit der Mentorin und ihrer Arbeit identifizieren. Und so sehen sie oft: Hey das ist eine Frau wie ich, die ihren technischen Job wirklich gut macht und auch noch Spaß daran hat.« Wie viel Spaß in Technik und Handwerk steckt, soll den Schülerinnen keineswegs vorenthalten werden. Der zweite Schritt heißt folglich: Selbst ist die Frau. Je nach Projekttag und vorgestelltem Beruf geht es an die Werkbank, den Lötkolben oder den Computer. Ziel ist dabei: »Die Mädchen sollen am Ende des Tages etwas in Händen halten können, das sie selbst hergestellt haben«, erläutert Lind. Das können Kleiderhaken aus Holz sein, zusammengelötete Schlüsselanhänger oder Lichterketten fürs Fenster. Ein absoluter Erfolg des Ada-Lovelace-Projekts liegt aber in der Computertechnik: »Wir haben ein Projekt, bei dem die Mädchen einen kompletten Rechner auseinanderschrauben können. Währenddessen erklärt die Mentorin die einzelnen Bestandteile und ihre Funktion«, so Lind. Nachdem Grafikkarte, Soundkarte, Festplatte und diverse andere Teile des technischen Innenlebens unter die Lupe genommen wurden, beginnt der spannende Teil: Die Mädchen dürfen den Computer wieder zusammenbauen. »Diese Kurse sind besonders gut besucht und die Mädchen nehmen immer mit großer Begeisterung teil. Wahrscheinlich, weil der Computer viel von seinem oft unverständlichen und unvorstellbarem Charakter verliert«, spekuliert Lind. Doch auch die Schnuppertage im Bereich Tischler, Schlosser und Feinmechanik kommen sehr gut an. Vor allem die Tatsache, sich selbst ausprobieren zu können, werde von vielen Mädchen positiv bewertet.

REIN IN DIE TECHNIK ABER WIE?


Doch das Ada-Lovelace-Projekt ist nicht nur in punkto Werkbank praktisch orientiert. »Wir bieten auch zweigeteilte Projekttage an: Am ersten Tag gehen die Mädchen wie beschrieben in die Unternehmen und lernen einen bestimmten Beruf kennen. Am zweiten Tag kommen sie dann zu uns an die Uni und wir führen mit ihnen eine Art Bewerbungstraining durch. Hier können sie üben, wie es ist, wenn man zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird.« In ungezwungener Atmosphäre den Ernstfall proben - ein Unterfangen, das Früchte trägt: »Wir haben einige Mädchen, die schon bei mehreren Projekttagen dabei waren und daher auch schon das ein oder andere Bewerbungstraining hinter sich haben. Da merkt man richtig wie sie sicherer und souveräner werden«, erzählt Lind. Bei so viel geballter Frauenpower dürfte der Frauenanteil in den technischhandwerklichen Berufen eigentlich in den nächsten Jahren merklich nach oben schnellen.


Katrin Henrich

Infos: Im neuen Schuljahr ist das Ada Lovelace-Projekt ab Anfang September in Mainzer Schulen mit einem abwechslungsreichen AGProgramm vertreten: z.B. haben Schülerinnen der Anne-Frank-Realschule bis Ende des Jahres die Möglichkeit, nachmittags unterschiedliche Ausbildungsberufe aktiv auszuprobieren. In den Workshops werden die Achtklässlerinnen von Mentorinnen angeleitet, die technische oder naturwissenschaftliche Berufe erlernen. Außerdem findet am 23.10. der MINT-Aktionstag statt: MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, Schülerinnen sollen Studienfächer und Berufe aus diesen Bereichen kennenlernen.

www.ada-lovelace.com/mainz