Heft 228 September 2009
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Landesmuseum Mainz

LANDESMUSEUM MAINZ

DIE BESUCHER STEHEN IM MITTELPUNKT


LANDESMUSEUM MAINZ

Museen haben in der Regel gerade bei jungen Leuten einen eher langweiligen und verstaubten Ruf. Oft wurden während der Schulzeit mehr negative Eindrücke durch viel zu lange Vorträge und schwer zu verarbeitende Informationsfluten gesammelt. Doch in den letzten Jahren hat sich vieles im Museumswesen verändert. Es steht nicht mehr nur die Ausstellung der Kunstobjekte im Vordergrund, sondern vor allem eine an den Besucher angepasste Informationsvermittlung. Neue Wege werden eingeschlagen, um ein größeres Publikum in die Museen zu locken. Möglich wird diese neue Attraktivität vor allem durch engagierte Mitarbeiter. Zu diesen gehört auch Dr. Isabella Fehle (Foto l.) vom Mainzer Landesmuseum. Zusammen mit ihren Kollegen versucht die Direktorin dieses Ziel durch den 2004 begonnen Umbau zu erreichen. Die Neugestaltung richtete sich nach den Bedürfnissen unterschiedlicher Zielgruppen. Im gesamten Gebäude wurde auf ausnahmslose Barrierefreiheit geachtet. Für Sehbehinderte und Gehörlose werden spezielle Audio- und Videoguides sowie Führungen angeboten. Einen geschichtlichen Überblick der Kunst und des Kunsthandwerks bietet die Dauerausstellung des Museums. Während sich die Abteilungen von der Frühgeschichte bis zum Frühen Mittelalter noch bis 2010 im Umbau befinden, können seit 2007 die Kunstwerke vom Hohen Mittelalter (ab Mitte des 11. Jahrhunderts) bis zur Moderne bewundert werden.

AN DIE KUNST HERANFÜHREN


Dr. Isabella
Fehle
Dr. Isabella Fehle

Für die verschiedenen Epochen stehen farblich abgesetzte Räume, die einen chronologisch geordneten Rundgang ermöglichen. Ein Ziel ist es, dem Besucher die Kunst als Ganzes zu vermitteln. So findet man zum Beispiel neben den Gemälden die thematisch passenden Kunst- und Gebrauchsgegenstände. Wem die Bildbeschriftungen innerhalb der Dauerausstellung nicht ausreichen, der kann sich im Museumsshop einen Audioguide leihen. Für Touristen sind auch Versionen auf Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch zu erhalten. Dieser geht noch etwas genauer auf die Highlights ein und kann auf eine kindgerechte Führung eingestellt werden. Auf spielerische Art wird das junge Publikum an die Kunst herangeführt. Kaum ein Kind begeistert sich nicht für die höhenverstellbaren Touchscreens, die in jedem »Epochenraum« zu finden sind. Neben den Spielen können dort Hintergrundinformationen zu einzelnen Ausstellungsobjekten abgerufen werden. Das Erleben der Kunst rückt in den Vordergrund. Bei den so genannten »Hands-on« darf der Besucher »handgreiflich« werden. Hier wird das Anfassen nicht nur geduldet, sondern ist ausdrücklich erwünscht. An diesen Stationen können verschiedene Aktionen durchgeführt werden. In jedem Epochenraum findet sich ein anderes »Hands-on«. Verschiedene Materialien, die als Untergrund für Gemälde genutzt wurden, sind zu betasten. Schubladen, in denen sich Handwerksgegenstände, wie die eines Architekten, befinden können geöffnet werden. Eine Station zu dem Bild »Blumenstrauß« (um 1620) von Peter Binoit klärt über die Symbolik kleinerer Details auf, die viele Betrachter ohne das »Hands-on« vermutlich übersehen hätten.

SPANNEND FÜR ALLE ALTERSGRUPPEN


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Fotos: © Landesmuseum Mainz (Ursula Rudischer)

Ein besonderer Raum, der für Schulklassen wie für andere Gruppen eingerichtet wurde, ist der »zeitRAUM«. Dort kann man sich auf die Ausstellung vorbereiten oder durch spielerische Art noch einmal das zuvor Gesehene vertiefen. Zu jeder Epoche wird eine Aktion angeboten: vom Nachstellen eines Stilllebens bis zum Nachbau der Stadt Mainz mit eigens angefertigten Bauklötzen. Mit Hilfe der sehr engagierten Museumspädagogen kann man hier aus einem lehrreichen auch einen spannenden Tag für alle Altersgruppen machen. Um das Museum gezielt für Familien als Ausflugsziel interessant zu machen, wurde jeder erste Sonntag im Monat zum Familientag erklärt. An diesem Sonntag kann das Museum zu einem günstigeren Preis besucht und an familiengerechten Workshops teilgenommen werden. Bei der Planung von Führungen und Workshops wurde nicht nur an Familien und Kinder gedacht. Jeden Dienstag und Donnerstag bietet das Landesmuseum die Aktion »Kunst in der Mittagspause « an. Diese besondere Art der Führung ist auf eine halbe Stunde begrenzt und konzentriert sich jedes Mal auf einen anderen kleinen Ausschnitt der Ausstellung. »Man muss nicht studiert oder im Vorfeld etwas gelesen haben um das Museum zu erfahren«, so erklärt die Direktorin einen der Gedanken hinter der Dauerausstellung. Der Besucher wird dazu aufgefordert, sich mit den Kunstwerken und den unterschiedlichen Epochen zu beschäftigen. Er wird zum Denken und zur Entwicklung eines eigenen Kunstverständnisses angeregt. Vorab Informationen sind über die Internetseite möglich. Ein Besuch im Landesmuseum ist für jeden empfehlenswert, für Kunstliebhaber und Laien, für Jung und Alt.


Lena Limbach