Heft 228 September 2009
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Fussball

DIE FINANZIELLE LEIDENSFÄHIGKEIT DER ANHÄNGER SCHEINT GRENZENLOS

UNSUMMEN REGIEREN DIE FUSSBALLWELT


Fuzssballer vor der Kamera

Der FSV Mainz 05 ist zurück in der ersten Fußballbundesliga. »Zum Glück«, werden die meisten Anhänger der Bruchwegkicker nun wohl sagen. »Zwei Jahre Ingolstadt, Paderborn oder Aue waren genug, jetzt geht´s endlich wieder gegen die großen Klubs«. Es gibt aber auch andere Stimmen, kritischere Stimmen. Stimmen, die den Profifußball generell in Frage stellen – nicht nur hier in der Domstadt. Meistens geht es dabei – klar – ums liebe Geld, werden Fragen gestellt wie etwa: »Müssen die Polizeieinsätze an Spieltagen wirklich von der Allgemeinheit bezahlt werden?« Oder bezogen auf Mainz: »Ist ein neues Stadion wirklich nötig?« Ein Grundsatzproblem, mit Sicherheit. Aber ein hausgemachtes, denn dafür hat König Fußball in der Vergangenheit allzu oft selbst Hand an die Neidschraube gelegt.

VON ABLÖSESUMMEN, SPIELER GEHÄLTERN UND FERNSEHGELDERN


Wirtschaftskrise hin oder her, die Summen, die mittlerweile bewegt werden, um einen Spieler aus dem Vertrag herauszukaufen und ihn zu bezahlen, nehmen fast schon perverse Formen an. Allein Real Madrid hat innerhalb weniger Wochen mehr als 200 Millionen Euro bewegt, um sich »sportlich zu verstärken«. Gut die Hälfte davon kostete der Portugiese Christiano Ronaldo, der für seine Unterschrift nun mit angeblich 13 Millionen Euro pro Jahr entlohnt wird – netto versteht sich. Aber auch die Bundesliga nagt nicht am Hungertuch. So hat selbst das letztjährige Kellerkind Borussia Mönchengladbach in der Sommerpause gleich mehrere Millionentransfers getätigt, für Spieler, deren Namen vorher wohl nicht einmal eingefleischten Fohlenfans bekannt gewesen waren. Und ein Ende dieser Unsummen-Spirale ist nicht in Sicht.

BAUEN UM JEDEN PREIS


Bleibt die Frage der Refinanzierungsmöglichkeiten. Und auch wenn der Vorschlag von Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß, die Rundfunkgebühren um einen Fußball-Soli zu erhöhen, zumindest jetzt noch nicht umsetzbar scheint – Die Zeche zahlt am Ende der Anhänger. Egal ob Pay-TVAbo, Fanartikel oder Ticketpreise: Jahr für Jahr wird die Preisschraube nach oben gedreht. Und all das um – wie es so schön heißt – konkurrenzfähig zu bleiben. Ein Argument, dass viele Fußballvereine auch gerne im Zusammenhang mit dem Ruf nach einem neuen Stadion verbinden. Im Fall von Mainz 05 ist das sicher nicht ungerechtfertigt. Aber es gibt es andere Beispiele, bei denen die Bauvorhaben eher einem aus Steuergeldern finanzierten Groschengrab ähneln. In Kaiserslautern zum Beispiel droht die Stadt auf den Baukosten sitzen zu bleiben, da der FCK nicht einmal in der Lage ist die Miete zu zahlen. Und in Essen entsteht in den kommenden Jahren eine 31-Millionen- Euro-Arena für einen Klub, der momentan nur in Liga vier kickt. Übrigens zusammen mit den Mainzer Amateuren.

GELD STATT ZUKUNFT


Dass die Profiklubs versuchen, das Bestmögliche für sich herauszuholen, kann man dabei ja sogar fast noch verstehen. Und dass die (finanzielle) Leidensfähigkeit der Anhängerschar keine Grenzen zu kennen scheint, ist wahrlich deren Problem. Dass aber auch der Deutsche Fußballbund offenbar vor lauter Geldzeichen vor Augen den Durchblick verloren hat, ist gelinde gesagt, ein Trauerspiel. Als die Deutsche Fußballliga und Premiere / Sky aus »Gründen der verbesserten Einnahme- und Vermarktungsmöglichkeiten « beschlossen, nun auch noch den Sonntag mit Profispielen zuzupflastern, kam aus der Frankfurter DFB-Zentrale nicht etwa ein Veto à la »Dieser Tag gehört den Amateuren und der Jugend«. Im Gegenteil. Um – man kann es wohl erahnen – international konkurrenzfähig zu bleiben, sei dieser Schritt unvermeidbar, hieß es da lapidar. Durchaus verständliche Gegenargumente des Unterbaus, der Spielbetrieb sei in Gefahr und es drohe ein Nachwuchsproblem, da aus aktiven Kickern nun passive Fans werden könnten, wurden einfach ignoriert. Geld regiert eben auch oder erst recht die (Fußball-) Welt.

QUO VADIS KICKERZUNFT


Diese Liste der Arroganz ließe sich mit Leichtigkeit noch um einige Punkte verlängern. Das Ergebnis aber bliebe das Gleiche. Nämlich die Frage: »Wo führt er hin, der Weg des Fußballs?« Die Einnahme-Preis-Spirale nähert sich dem Ende. So konnte Premiere / Sky die TV-Rechte bislang noch nicht refinanzieren. Der jüngte Rechtedeal kam sogar nur danke einer Bankbürgschaft zustande. Und auch der Melkkuh »Fan« wird irgendwann die Milch, sprich das Geld ausgehen. Bedenkt man, dass ein Trikot mittlerweile über 60 Euro kostet. Und für einen Spielbesuch inklusive Bratwurst und Bier berappt man auch nicht viel weniger. Wollen sich die deutschen Klubs aber weiterhin mit der, meist von milliardenschweren Mäzenen unterstützten, internationalen Konkurrenz messen, braucht es diese Gelder. Heißt: Entweder setzt man auch hierzulande auf die Superreichen, sowohl auf den Rängen, als auch an den Schalthebeln. Oder aber man rudert zurück, backt im prestigeträchtigen Europapokalgeschäft künftig kleinere Brötchen. Wie auch immer: Am Ende trifft es den Fan. So oder so.


Mario Bast