Heft 227 August 2009
Werbung




Wahnsinn

Sagen sie mal...>


Wahnsinn



… wissen Sie eigentlich, was man unter einer „Neiddebatte“ versteht? Nein? Sollten Sie aber, denn wohl in keinem anderen Land diskutiert man sich so die Köpfe darüber heiß, warum der Eine etwas hat, was man selbst nicht besitzt, obwohl man es doch verdient hätte. Aktuelles Beispiel ist das Gezacker um die Rentengarantie, also das politische Versprechen (gibt´s so was eigentlich in glaub­würdig?), dass unsere Altersansprüche nie mehr wieder sinken dürfen. Ein Thema mit Dynamit, angefeuert von unserem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Der tönte via FAZ: »Der jetzigen Rentnergeneration geht es so gut wie nie«. Daher sei diese Garantie (die er selbst übrigens mit unterzeichnet hat) schlichtweg unfair. Klar, dass da die Zeitung mit den vier großen Buchstaben nicht lange fackelt und unter anderem Judy, 19, Verkäuferin zu Wort kommen lässt: Die beschwert sich auch prompt, sie fühle sich benachteiligt. Schließlich müsse sie in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen und auch noch privat vorsorgen. Böse (Renten-)Welt, oder? Schauen wir uns das Ganze jetzt mal genauer an.

Da ist der Brandstifter: Ein Mann, der zuletzt als DSDS (Deutschlands Super Dollster Schuldenmacher) und Nachbar-Basher (fragen Sie mal die Schweizer) aufgefallen ist. Und der dafür ein Altersruhegeld kassiert, für das Unsereins gefühlte zwei Millionen Jahre malochen müsste (und für das der gute Herr Steinbrück nicht einen müden Euro in die Rentenkasse eingezahlt hat).

Und Judy? Gehört sie nicht DER Überflussgeneration schlechthin an? Deren größtes Problem ist, wo der neue Klingelton für das Handy bleibt? Das war jetzt aber gemein, sagen Sie? Dann fragen Sie mal Ihre Großeltern, die mitgeholfen haben, dieses Land groß zu machen, die jahrzehntelang in die Rentenkasse einbezahlt haben und die jetzt als Schmarotzer Nummer eins hingestellt werden, wie die das finden. Toll bestimmt nicht. Aber lieber Rentner prügeln, als die Augen aufzumachen. Denn dann könnte man erkennen, dass die Einkommensschere immer weiter auseinandergeht. Dass einige wenige zweistellige Millionenbeträge dafür kassieren, dass sie uns das Ersparte aus der Tasche ziehen oder im Zuge der Unternehmenssicherheit den Job wegrationalisieren. Und dabei für den Allgemeinkonsum keinerlei Mehrwert haben, da sie auch nicht häufiger aufs Klo rennen (und Toilettenpapier verbrauchen) oder mehr als ein Auto fahren. Oder dass Berlin im Zuge der Krise natürlich nach Steuererhöhungen schreien wird (spätestens nach der Wahl), die Staatsausgaben aber weiter erhöht. Aber wen interessiert´s? Hauptsache den Rentnern mal ordentlich eine verpasst. Wobei Sie eines nicht vergessen sollten: Auch Sie wollen einmal ihren Ruhestand genießen.


In diesem Sinne –
Bis zum nächsten Mal.
Ihr Rasta Mobi