Heft 227 August 2009
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Mainzer Köpfe

Andreas Blum engagiert sich für »gute Mucke«

Ehrenamtlich und solidarisch


Andreas Blum

Eins fügt sich ins andere, alles passt zusammen: Andreas Blum ist Leiter des Katzenberg-Treffs in Finthen, Musiker und Pressemann der Kulturfabrik Airfield. Mit der Orga und der PR für das Rockfield Open-Air hat er zurzeit alle Hände voll zu tun. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist für viele Initiativen und Vereine einerseits unbedingtes Muss. Andererseits fällt sie meistens hinten runter. Keine Zeit. Keine Erfahrung. Keine Kontakte. Andreas Blum ist seit 2002 Mitglied bei der KfA, seit 2003 im Vorstand und macht alles, was die freie Kulturinitiative bekannt macht. Akribisch. Punktgenau. Ehrenamtlich. Sieben bis acht Stunden pro Woche – wenn nicht gerade das KfA-Großereignis Rockfield Open-Air auf dem Programm steht. Dann dürfen es für ihn (wie für andere KfA’ler) einige Stunden mehr sein. Es macht ihm Spaß, er tüftelt gerne: mit Worten und Sätzen. Ist zufrieden, wenn seine Pressemeldungen über die M8-Konzerte (ab September wieder im Haus der Jugend) und zum Nikolaus-Rock von den Medien verbreitet werden. Steht gerne Reporterinnen Rede und Antwort. Auch wenn es um den Layenhof geht, der KfA-Heimat. Sorgt für dauerhafte Aktualität auf der KfA-Website. Freut sich, dass er das Rockfield Open-Air in allen relevanten Festivalkalendern unterbekommen hat. Dass, Dank der erheblichen Anstrengungen von allen Bands und KfA’lern, mittlerweile um die 2000 Menschen in die Reduit kommen. Ist nicht bereit, das dreitägige Rockspektakel zu kommerzialisieren. Das würde dem Grundgedanken der KfA widersprechen: Ehrenamtlich und solidarisch. Die 29 Bands treten beim Rockfield ohne Gage auf, müssen beim Auf- und Abbau helfen und noch Thekendienst machen. Nur so (und mit Hilfe von einigen Sponsoren) lassen sich drei Tage Live-Musik ohne Eintritt finanzieren. Wird zu wenig gegessen und getrunken (es gibt KEINE harten Alkoholika!) weil es beispiels­weise Dauerregnet, fängt das Minus die KfA-Vereinskasse auf – damit also die Mitglieder, die sowie­so schon alles stemmen.

cycocircus
Melodischer Rock gefällig? Cycocircus hören! (v.l.n.r. Frank Busch, Marcus Voggeneder, Markus Gogolka, Michael »Lemmi« Lehnert, Andreas Blum) (Foto: Sabine Imhof)

Melodischer Rock – und deutsche Schlager?


»Cycocircus« heißt die Band, in der Andreas Blum seit 2002 die Keyboards bespielt und seine Stim­me im »background« erklingen lässt. Melodischer Rock (selbst komponiert? logisch!) steht auf dem Programm der fünf »Jungs«. Bei der 40er Geburtstagsfeier von Andreas erlaubten sie sich einen Gag: als »Mainzer Mutantenstadl« spielten sie Schlager aus den 70ern: »Griechischer Wein« von Udo Jürgens! Als sie noch – richtig – jung waren, mochten sie das nicht hören. Selber singen schon gar nicht. Leicht zum rockigen hin »mutiert«, macht es jetzt doch Laune und könnte so was wie ein zweites musikalisches Standbein der Band werden. Das ist nicht nur eine Willens- sondern auch eine Zeitfrage. Andreas Blum verdient sein Geld nicht im Vorbeigehen. Der Diplom-Pädagoge ist Leiter des interkulturellen Bürgerzentrums, dem Katzenberg-Treff in Finthen. Auch eine Arbeit, die dargestellt und bekannt gemacht werden muss. So wie zuvor die Arbeit beim Kinderschutzbund, beim Regenbogentreff auf dem Lerchenberg, beim Christlichen Jugenddorf … Nein, er gehört nicht zur »Generation Praktikum«, eher zur »Generation Projektarbeit« – die hat auch noch die Förderanträge für ihre eigenen, befristeten Arbeitsplätze selbst geschrieben. Zwölf Jahre ging das so, seit letztem Jahr endlich die unbefristete Stelle beim Diakonischen Werk Mainz-Bingen.

Rockfield-Open-Air

www.kulturfabrik-airfield.de
Informationen zur Reduit: www.sir.kujakk.de
Der Name kommt nicht von ungefähr: Anfangs spielte sich das KfA-Rockfestival auf, na ja fast auf der Landebahn des ehemaligen Militärflughafens ab, bis 2004 der »Flug« über den Rhein ins ehemalige Mainz-Territorium angetreten wurde: die Reduit ist in vielerlei Hinsicht ideal für das KOSTENLOSE Open Air-Spektakel: gute ÖPNV-Anbindung, bis zum Maaraue-Campingplatz ist es nicht zu weit und Dank der »Selbstversorgungs-Orga« sind die Preise für Flüssiges wie Festes sehr moderat. Am wichtigsten ist aber die breite Palette von Rock in seinen vielseitigsten melodischen Verästelungen, die es zu hören gibt.

So greift ein Rädchen ins andere: die soziale und die ehrenamtliche Arbeit. Beides um die Schnittstelle »Bekanntmachung« kreisend. Die Kontakte der einen mit denen der anderen vernetzen. Zur Darstellung von beiden nutzen. Ein soziales Netzwerk, das beruflich und privat funktioniert.

Kulturfabrik Airfield

www.kulturfabrik-airfield.de
Als die Amerikaner abzogen, zogen die Musiker ein: Anfang der 90er wurde die Konversionsfläche auf dem Militärflughafen Finthen-Airfield frei, der Stadtteil Layenhof begann sein Eigenleben und bot (nicht nur) Musikgruppen das, was sie in Mainz und Umgebung nicht finden konnten: Platz, sprich Räumlichkeiten. 1996 wurde aus dem Anfangs losen Verbund der Verein »Kulturfabrik Airfield e.V.«, mittlerweile sind über 80 Musikgruppen und 127 Künstlerinnen und Künstler in dieser freien Kulturszene in Mainz organisiert. Regelmäßige Veranstaltungen wie die M8-Konzertreihen im (frisch renovierten) Haus der Jugend und im Gerbes Café in Gustavsburg, dem Nikolausrock und jetzt im August, dem dreitägigen Rockfield-Open-Air in der Kasteler Reduit, bieten den Bands Auftrittsmöglichkeiten, Publikumserfahrungen und Kontakte zu anderen Veranstaltern. Die gesamte Vereinsarbeit wird ehrenamtlich geleistet – auch die Jurorentätigkeit beim Nachwuchswettbewerb Rock-n-Pop-Youngster und die Mitarbeit im FORUM Layenhof – und der Verein ist längst zum kompetenten Ansprechpartner auch für die Vermittlung von Bands, Musiker/innen und Künstler/innen avanciert


SoS