Heft 227 August 2009
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Denkmal

Expressive »Flug«-Geste

Abheben vom Theaterdach


Der Flug von Bildhauer und Maler Rainer Fetting

Wie die Figur da oben ganz allein auf dem Theaterdach steht und die Arme ausbreitet, sieht es aus, als wolle sie vorbeiziehenden Vögeln zurufen »Nehmt mich mit! Weg von dem ganzen Trubel hier unten!« Tausende von Menschen eilen täglich vorbei am Mainzer Theater, auf dem Weg zu Vorstellungen, zum Shoppen, zum Parkhaus. So beschäftigt wie sie sind, richten die wenigsten ihren Blick nach oben. Bei seinen Versuchen abzuheben dürfte »der Flug« deshalb meist unbeobachtet bleiben. Dabei steht die Skulptur eigentlich unübersehbar auf dem Bühnendach des Theaters, nur: wer schaut dort schon hin auf der Suche nach dem Parkschein oder in Eile, nicht zu spät in die Oper zu kommen. Wenn man den »Flug« allerdings einmal bewusst wahrgenommen hat, kann man später kaum mehr über den Tritonplatz gehen, ohne unwillkürlich zu ihm empor zu schauen. Der Bronzeguss wurde 1988 von dem gelernten Bühnenbildner, Bildhauer und Maler Rainer Fetting (*31. Dezember 1949) geschaffen. Als Künstler trat Fetting anfangs vor allem als Maler in Erscheinung, gründete zusammen mit anderen 1977 die Galerie am Moritzplatz in Berlin, aus der die so genannten »Neuen Wilden« hervorgingen. In den Folgejahren schuf Fetting ein reiches Werk an leuchtenden, farbenfrohen Gemälden bis er sich ab den späten 80ger Jahren vor allem seinen Bronzearbeiten widmete. Eine seiner bekanntesten dürfte wohl die Statue von Willy Brandt im Foyer des Willy- Brandt-Hauses in Berlin sein. Zu seinem »Flug« heißt es auf den Info-Seiten des Theaters zur Kunst am Bau, die Skulptur verfolge die gleiche Zielsetzung wie die beiden Glaskegel auf dem Tritonplatz: »Mit ihrer expressiven Geste verstärkt die Figur die Vertikale, die Transparenz und die Öffnung in den Himmel«. Und wer weiß, vielleicht macht sie sich ja wirklich eines Tages mit einem vorbeiziehenden Vogelschwarm auf und davon...