Heft 227 August 2009
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Baustelle

Radeln mit Hindernissen

Auf zwei Rädern vor dem Bauzaun


Sperrung der Eisenbahnbrücke

Der beliebte Radweg über die Eisenbahnbrücke nach Ginsheim- Gustavsburg endet derzeit recht abrupt: Erst ein rot-weißes Flatterband, einige Meter weiter ein metallener Bauzaun machen der Radtour ein Ende. Oder aber für Gustavsburger mit Ziel Mainzer Innenstadt auch den Weg zur Schu - le, zur Arbeit oder zum Einkaufen. »Eisenbahnbrücke voraussichtlich bis 14.12.09 gesperrt«, signalisiert ein Schild am Anfang der Brücke. Der Grund:Der Weg wird von derzeit 1,50 Metern auf 2 Meter verbreitert. Fußgänger und Rad fahrer kamen sich egelmäßig in die Quere: Wer stehen blieb, um das Panaroma zu genießen, behinderte die Weiterziehenden, Radfahrer und Fußgänger drängten sich aneinander vorbei, war noch ein Kinderwagen im Spiel wurde es vollends chaotisch. Diesen unhaltbaren Zustand wollen die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen nun bis zum Jahresende beheben. Gut 3,5 Millionen Euro lassen sie sich die Verbreiterung kosten, wobei auf die hessische Seite 1,9 Millionen Euro entfallen, Rheinland- Pfalz ist mit 1,6 Millionen Euro beteiligt. Der Anteil der Stadt Mainz daran beträgt rund 600.000 Euro. Doch was tut der Radfahrer, wenn er vom Metallzaun ausgebremst wird? Oben genanntes Schild bietet einen Hinweis: »Radverkehr Richtung Mainz über Kostheim und R3«. Kann man bei ortsansässigen Nutzern davon ausgehen, dass sie die Umleitungsstrecken Theodor-Heuss-Brücke im Norden oder Autobahnbrücke Weisenau im Süden kennen, ist dies für ortsfremde Radtouristen schwieriger. Von diesen gibt es reichlich am Nadelöhr Mainzer Eisenbahnbrücke, weswegen sowohl das hessische wie auch das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium die Bedeutung des Brückenwegs für überregionale Radfernwege wie die »Veloroute Rhein« betonen. Wer dabei auf eine Baustelle trifft, hat nach Erkenntnissen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs oft schlechte Karten. »Standard ist, dass gar nichts oder etwas Unbrauchbares ausgeschildert wird«, hat Erhardt Vortanz festgestellt. »Es ist mehr als dringend nötig, dass mehr gemacht wird, als ein Gesperrt-Schild«, fordert der stellvertretende Vorsitzende des rheinland- pfälzischen ADFC-Landesverbands.

Ausweg Navi?


Seine Organisation geht deshalb auf öffentliche Stellen zu und fordert Umleitungsbeschilderungen ein. Bevorzugter Ansprechpartner ist hierzulande der Landesbetrieb Mobilität in Koblenz. Der dortige Referatsleiter Radwegeplanung, Ludger Schulz, weiß um das Problem. Es gebe kein offizielles, einheitliches Schild für Radfahrer wie das bekannte gelbe Umleitungszeichen für Autofahrer. Jede Kommune müsse sich in eigener Zuständigkeit selbst eine Lösung ausdenken. Für die Mainzer Eisenbahnbrücke war dies laut Stadtverwaltung der Wirtschaftsbetrieb als Bauträger. Von den Kommunen könne man eine Beschilderung erst nach einer landeseinheitlichen Regelung einfordern. Daran arbeite der Landesbetrieb Mobilität in seiner Rolle als obere Verkehrsbehörde im Moment, berichtet Schulz. Der Autofahrer kann sich Hoffnung machen, von seinem Navigationsgerät sofern vorhanden - um Baustellen herumgelenkt zu werden. Auch für Radfahrer sind solche Apparate, die sich auf Daten des satellitengestützten Global Positioning Systems, kurz GPS, stützen erhältlich. Verschiedene Anbieter (siehe Infos) bieten Routen zum Runterladen aus dem Internet und Überspielen auf das Navi an. Doch taugen die was? Grundsätzlich wohl schon, wenngleich das Ganze ein teurer Spaß ist. Die Stiftung Warentest hat kürzlich Navis für Radler und Wanderer getestet (Heft 4/2009) und dem Testsieger für Radfahrer (Garmin Edge 705 HR/Preis etwa 450 Euro) »sehr gute Eignung fürs Fahrradfahren« attestiert. Doch diese Wertung bezieht sich nur auf die grundsätzliche Streckenführung. Baustellen/Umleitungen auf den Radwegen sind dort in aller Regel nicht berücksichtigt. Aktuell eingespielte Informationen wie beim Auto-Navi sind bei den Radler-Versionen nicht mög - lich, wie Klaus Bechtold berichtet, der das Portal www.GPSies.de betreibt, wo man sich GPS-Routen herunterladen kann. Teilweise könnten dies die Geräte technisch nicht leisten, zum anderen lägen ihm die Informationen über die Baustellen gar nicht alle vor. Dies bestätigt auch ADFC-Vize Vortanz: Voraussetzung für eine Erwähnung in den vom ADFC angebotenen GPS-Tracks sei, dass die Informationen über die Baustellen überhaupt bekannt und schon in die Datensammlung eingepflegt worden seien. Was keinesfalls selbstverständlich ist, denn die ADFC-Helfer erledigen letzteres ehrenamtlich in ihrer Freizeit.


Christoph Barkewitz

Infos über Baustellen/Umleitungen auf Radwegen:
www.adfc.rlp.de
Tourenvorschläge, auch GPS-Tracks, z.B.:
www.radwanderland.de,
www.radroutenplaner.hessen.de,
www.GPSies.de