Heft 226 Juli 2009
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Hechtsheim

Weinfest mit Ausblick

Idyllisch und lecker


Kirche

»Traditionen pflegen und gleich - zeitig in die Zukunft schauen.« so fasst ein Autor zusammen, wie sich der Mainzer Stadtteil Hechtsheim heute nach außen präsentiert. Traditionen: Da ist an erster Stelle der Weinbau zu nennen, der mindestens bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann. 14 aktive Weingüter sind heute im Winzerverein Hechtsheim organisiert. Sie bewirtschaften rund 150 ha Anbaufläche und haben ein jährliches Produktionsvolumen von ca. 1.350.000 Litern. Im letzten Jahrhundert hat sich die Zahl der Stöcke in der Gemarkung allerdings fast halbiert dort stehen nur noch rund 15 ha. Der Rest befindet sich in den umliegenden Gemeinden. Die einzige Hechtsheimer Lage ist das Kirchenstück (der Name deutet daraufhin in wessen Besitz früher diese Weinberge waren) hier wurden traditionell Riesling und Silvaner angepflanzt. Inzwischen wird auch mit neuen Sorten gearbeitet auch Spätburgunder und Dornfelder sind jetzt hier zu finden.

Weinfest im Kirchenstück


Aus einer Initiative der Hechtsheimer Winzer ist das »Weinfest im Kirchenstück« entstanden, dass in diesem Jahr zum 24. Mal stattfindet: wie immer am ersten Wochenende im Juli (3.-6. Juli 2009). Man hat bewusst ein idyllisches Ambiente gewählt »ohne Musiklärm, Kerbe-Krach und rauschendem Rummel«. In den ortseigenen Weinbergen in den Westhängen treffen sich die Freunde des Rebensaftes, um in Ruhe die Weine genießen zu können. Um eine gute »Grundlage« muss sich niemand Sorgen machen die Winzer bieten an ihren Ständen viele leckere und auch ausgefallene Spezialitäten aus der Küche an. Wer erst nach Einbruch der Dämmerung kommt, muss sich keine Sorgen machen, das Weinfest zu verfehlen: Die lange Lichterkette führt direkt in die Hän ge. Wobei der Besuch bei Tageslicht allein wegen des wunderschönen und weiten Ausblicks in die Rhein hessenlandschaft unbedingt zu empfehlen ist. Sie haben leider am am ersten Juliwochenende keine Zeit? Dann merken Sie sich das erste Septem - ber wo chen ende vor: vom 5.-8.9. findet die Kerb im alten Dorfkern statt. Dann öffnen auch die Weingüter ihre Tore, genau wie eine Woche später zu den Hechtsheimer Winzertagen . Abgerundet wird dieses Veranstaltungsprogramm durch die jedes Jahr im Frühjahr stattfindenden »Hechtsheimer Weinprobiertage « im Bürgerhaus. Diese Veranstaltung nutzen seit einigen Jahren auch die lokalen Künstler und Künstlerinnen, um auf ihre Werke aufmerksam zu machen. Selbstverständlich sind die Win - zer des Ortes auch bei den großen Festen in Mainz und zum samstäglichen Marktfrühstück regelmäßig vertreten. Viele Winzerfamilien bieten darüber hinaus eigene Veranstaltungen an. Wer sich für diese Daten interessiert oder mehr über ein Weingut und seine Produkte erfahren möchte findet im Internet ausführliche Informationen. (wwww.winzer-in-hechtsheim.de)

Hecht oder Hehit


Was, fragt sich so mancher Besucher, hat dieser Mainzer Stadtteil eigentlich mit dem »gleichnamigen « Raubfisch zu tun. Und auch visuell wird man vom Wappen aus - gleich dreifach mit dem Esox Lucius konfrontiert. Werfen wir einen kurzen Blick in einige der zahlreichen Artikel, die zur 1200-Jahrfeier von Hechtsheim im letzten Jahr erschienen sind. Damals, am 17. Mai 808 schenk - te ein gewisser Vodilpraht dem 744 im Auftrag von Bonifatius gegründeten Kloster Fulda ein Grund - stück aus der Gemarkung die älteste Urkundliche Erwähnung von Hehhidesheim. Es wird angenommen, dass Hechtsheim auf eine Gründung der Franken zurückgeht. Der Ortsname »Hehith«-heim = »Heim des Hehith« weist darauf hin auch frühe Grabfunde werden entsprechend interpretiert. »Luxuriöse« Gegenstände, z.B. ein Silberlöffel, lassen sogar den Schluss zu, dass hier nicht nur einfache Bauern sondern auch Mitglieder der fränkischen Oberschicht gelebt haben. Und der Hecht? Der fränkische Ursprung des Namens und seine Übersetzung machen allerdings auch deutlich, dass der Name des Ortes mit dem Raubfisch nichts zu tun hat, obwohl er bereits 1566 im Gemeindesiegel vorkommt und heute sogar dreifach auf dem Wappen zu finden ist sternförmig. In früheren Zeiten bildeten die drei Fische ein »H«. Wir haben es hier mit einem sogenannten »sprechenden Wappen« zu tun: Ein gleich lautender Begriff (»Hecht«) wird als Wappenzeichen genommen, um einen Eigennamen (Hehith) annähernd »phonetisch richtig« darzustellen. Eben so ging man übrigens auch in Bretzenheim (»Brezel«) und Gonsenheim (»Gänsefuß«) vor, die das Heim eines »Britto/Bretzo« bzw. »Gunzo« waren. Aber das ist alles Geschichte: Heute lässt Hechtsheim keine Fische mehr für sich sprechen sondern seinen Wein.


(-mdl-)