Heft 226 Juli 2009
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Berühmte Persönlichkeiten

Ein »Vater des Deutschen Wirtschaftswunders«

Dr. Erich Schott


Dr. Erich Schott
Dr. Erich Schott

Er war der Mann, der die Schott Glaswerke AG nach dem zweiten Weltkrieg nach Mainz brachte und zu einem weltweit tätigen Unternehmen ausbaute. Und doch war er scheinbar ein Mann, der sich eher im Hintergrund hielt. Diesen Eindruck kann jedenfalls bekommen, wer sich auf Spurensuche nach Erich Schott begibt, denn Informationen über sein Leben in Mainz sind eher spärlich gesät. Am 24. Juli jährt sich sein Todestag zum 20ten Mal. Grund genug, sein langes Leben Revue passieren zu lassen und ein bisschen tiefer in der Mainzer Geschichte zu graben. Geboren wird Erich Schott am 29. März 1891 in Jena als Sohn von Catharina und Otto Schott. Letzterer hatte sechs Jahre zuvor zusammen mit Ernst Abbe und Carl Zeiss das Jenaer Glaswerk Schott und Genossen gegründet. Obwohl die Labore und Fabrikhallen des Glaswerks für den Jungen zu einem zweiten Zuhause werden, hat er zunächst kein Interesse, das Unternehmen seines Vaters zu übernehmen. Sein Herz schlägt vielmehr für die Wissenschaft. Nach dem Abitur zieht ihn daher sein Forschertrieb in die Welt hinaus. Zum Studium der Physik und Chemie geht er zuerst nach Cambridge, dann nach Freiburg, schließlich nach Prag und schlussendlich zurück nach Jena. Der Beginn des ersten Weltkrieges zwingt ihn dann aber seine wissenschaftlichen Ambitionen an den Nagel zu hängen und den Laborkittel gegen eine Armeeuniform zu tauschen. Nach zwei Jahren Kriegsdienst darf er die Front auf Grund einer Erkrankung verlassen und wird an eine Forschungsstelle für Funkgeräte in Berlin und Jena abkommandiert. Doch der nächste Schicksalsschlag lässt nicht lange auf sich warten: Sein älterer Bruder Rolf, der als Nachfolger von Otto Schott in der Unternehmensleitung des Konzerns vorgesehen war, fällt Erich nimmt daraufhin die Rolle des Erben an. 1921 wird ihm zwar in seiner Heimatstadt Jena noch die Doktorwürde verliehen, doch spätestens jetzt ist klar, dass eine akademische Karriere für Erich nicht mehr in Frage kommt.

Feuerfest und kunstvoll gestaltet


1927 übernimmt er den Posten seines Vaters in der Vorstandsleitung des Konzerns und macht sich durch die Entwicklung der Haushaltsgeschirrmarke »Jenaer Glas feuerfest« einen Namen. Neben den besonderen hitzebeständigen Materialien, die diese Marke auszeichnen, ist auch ihre künstlerische Gestaltung einmalig: Als einer der ersten Industrievertreter beauftragt Erich 1930 den Bauhauskünstler Wilhelm Wagenfeld mit einem Designentwurf für seine Geschirrmarke. Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs tritt Erich auf Anraten des örtlichen Gauleiters der NSDAP bei. Während des Krieges ist ihm somit der Posten als Leiter der Wirtschaftsgruppe Glasindustrie sicher. Das Kriegsende 1945 wird dann zum Wendepunkt für Erich und den gesamten Konzern, denn nun heißt es Abschied nehmen von Jena. Amerikanische Truppen nehmen kurz nach Kriegsende 41 Glasmacher des Jenaer Unternehmens, darunter die gesamte Geschäftsleitung und ausgewählte Spezialisten, mit in den Westen an ihrer Spitze: Erich Schott. Thüringen wird kurz darauf der sowjetischen Besatzungszone zugeteilt im Zuge dessen wird der Konzern 1948 enteignet und in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt.

Pionier des deutschen Wirtschaftswunder


Im Westen heißt es hingegen: Zeit für einen Neustart. 1950 fällt die Entscheidung für den neuen Standort des Unternehmens auf Mainz - zum Einen wegen der guten infrastrukturellen Lage, zum Anderen auf Grund der Bedeutung als Universitätsstadt. Mit dem neuen Sitz halten auch neue Entwicklungen Einzug in das Mainzer Unternehmen. Durch den stetig ansteigenden Fernsehkonsum der Deutschen legt Erich einen Schwerpunkt der Produktion auf die Herstellung von Mattscheiben und Fernsehkolben mit dem Ergebnis: Volle Auftragsbücher. Weiteren Auftrieb erhält das Unternehmen durch die internationale Ausrichtung, die Erich vorantreibt. So wird bereits 1954 die erste Schott Produktionsgesellschaft außerhalb Deutschlands in Betrieb genommen in Rio de Janeiro. Ihr folgen während Erichs Vorstandstätigkeit Vertriebsgesellschaften in Süd- und Westeuropa, Japan und den USA. Das einstige Jenaer Unternehmen wird somit zu einem weltweit anerkannten Konzern und Erich Schott ein klassischer Vertreter des deutschen Wirtschaftswunders. 1968 erklärt Erich seinen Rückzug aus dem Geschäftsleben, nicht jedoch aus der Öffentlichkeit: Am 12. Dezember 1984 wird ihm die Ehrenwürde der Stadt Mainz verliehen. Am 24. Juli 1989 stirbt er im Alter von 98 Jahren und findet auf dem Mombacher Waldfriedhof seine letzte Ruhestätte.


Katrin Henrich