Heft 226 Juli 2009
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Brückengeschichte

Schwerlastverkehr auf der Theodor-Heuss-Brücke

Wer kann, fährt einfach


LKW auf der Theodor-Heuss-Brücke

Fast 90 Millionen Euro kostete die Generalsanierung der Theodor-Heuss-Brücke, die 1995 abgeschlossen war. 400.000 Euro kostete die letzte Hauptuntersuchung im Herbst 2006. 150.000 Euro sind jedes Jahr fällig, um das Bauwerk auf Herz und Nieten zu prüfen. Dazu kommen im Dreimonats- Abstand Sichtprüfungen – ziemlich aufwendig und teuer die Unterhaltung dieses Brükkenbauwerks. Die Kosten für Untersuchungen und Unterhaltung tragen zu zwei Dritteln Wiesbaden, bzw. AKK und zu einem Drittel Mainz.

Mitten auf der Brücke lässt sichs ohne Anstrengung schön wippen: Jedes Mal wenn ein Bus oder ein LKW vorbei fährt, schwingt die Brücke mit. Genau aus diesem Grunde wurde sie nach der Generalsanierung für den Schwerlastverkehr gesperrt: die dynamische Belastung durch Brems- und Beschleunigungsvorgänge wirken auf die Stahlkonstruktion ein und bringen sie zum Schwingen. Je weniger Schwingung, desto weniger Materialermüdung: Die auch nachts ins rechte Licht gerückte Straßenbrücke soll noch lange erhalten werden, so der einhellige Wunsch beiderseits des Rheins. Die Beschilderung an den Brückenauffahrten auf hessischer und rheinland-pfälzischer Seite ist eindeutig: Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen. Das Container- Fahrzeug mit dem niederländischen Kennzeichen schert sich genauso wenig um dieses Verbotsschild, wie der LKW mit den Toilettenhäuschen huckepack, die Speditionsfirma aus dem Hunsrück und die Reisebusse aus dem Main-Taunus-Kreis. Im Dezember 2008 hatte der Kasteler Ortsbeirat eine Anfrage an den Wiesbadener Magistrat nach Kontrolle des LKW-Verkehrs auf der Theodor-Heuss-Brücke gestellt. Hintergrund: Den Wiesbadener Anteil an den Kosten für die jährlichen Untersuchungen zur Beschaffenheit der Brücke trägt allein der AKK-Haushalt. Immerhin 100.000 Euro pro Jahr. »Wir wollen die hier ansässigen Unternehmen, die aus betrieblichen Gründen die Brücke passieren müssen, nicht verprellen. Aber wir haben festgestellt, dass viele LKWs und Reisebusse ohne Genehmigung die Brücke nutzen. Das sollte durch entsprechende Kontrollen eingeschränkt werden«, fasst Margot Schäfer, Ortsvorsteherin von Mz-Kastel zusammen. Das Kontroll-Begehren des Kasteler-Ortsbeirat wurde abschlägig beantwortet. Grund für die Ablehnung war laut Frank Sand, Referent der Wiesbadener Ordnungsdezernentin Birgit Zeimetz, dass bei Stichprobenkontrollen um den Jahreswechsel 08/09 keine Fahrzeuge OHNE Ausnahmegenehmigung festgestellt worden seien. DieTatsache, dass zahlreiche LkW’s mit fremden Kennzeichen die Brücke nutzen, erklärt er damit, dass diese Fahrzeuge durchaus als Subunternehmer im Auftrag der Unternehmen mit einer Ausnahmegenehmigung unterwegs sein könnten. Sand verweist außerdem auf die schwierige Verkehrssituation: Die Einrichtung einer Kontrollstelle auf der Brücke, Anhalteaktionen mit der Polizei zusammen, führten zu Verkehrsbehinderungen und kosteten Geld. Unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit müsse deshalb gefragt werden, ob sich der ganze Aufwand lohne. Zumal die LKWFührer beim Auffahren auf die Brücke aufgrund ihrer hohen Sitzposition die Kontrollstelle einsehen könnten. Dennoch werde derzeit geprüft, ob eine Lasergesteuerte Blitzanlage auf Wiesbadener Seite aufgestellt werden kann. Bis Ende des Jahres soll die Prüfung abgeschlossen sein.

Ausnahmen bestätigen die Regel


Mehr LKW auf der Theodor-Heuss-Brücke

Für die Erteilung der Ausnahmegenehmigungen auf Wiesbadener Seite ist die Straßenverkehrsbehörde, angesiedelt im Dezernat von Prof. Dr. Joachim Pös (FDP), zuständig. Dort heißt es: »Es werden an zwei Firmen Ausnahmegenehmigungen für je ein Fahrzeug und an zwei Firmen Genehmigungen für alle Fahrzeuge ausgestellt. Voraussetzung ist, dass der Firmensitz in Kostheim oder Kastel liegt, die Genehmigungen werden jeweils befristet für ein Jahr ausgestellt. Von der Stadt Mainz wurden unserer Kenntnis nach Ausnahmegenehmigungen ausgestellt und zwar insgesamt vier Genehmigungen für Firmen und vier Einzelgenehmigungen. « Aufgrund der Tatsache, dass die mit Ausnahmegenehmigung bedachten Unternehmen Treibstoff und Zeit sparen, scheint die Frage angebracht, ob sie für diese Genehmigungen zahlen. Antwort: Für das Ausstellen der Ausnahmegenehmigungen würden neben den Verwaltungsgebühren keine finanziellen Beiträge für die Unterhaltungsarbeiten des Brückenbauwerkes oder für Bauwerksprüfungen erhoben. Auf Mainzer Seite ist die Polizei für die Kontrolle auf der Brücke zuständig – und führt »keine geplanten LKW-Kontrollen auf der Theodor- Heuss-Brücke durch«, so Polizeisprecher René Nauheimer. Begründung: Es lägen keine Beschwerden über unberechtigten Fahrverkehr vor, es gebe keine Unfallhäufung und zudem verfügten so viele Firmen über Ausnahmegenehmigungen, dass Kontrollen nicht lohnten. Auf Nachfrage heißt es zu den Ausnahmegenehmigungen seitens des Mainzer Amts für Verkehrswesen: »Außer Feuerwehr, MVG oder Stadtwerke (Wartung der Beleuchtung) gibt es von der Abteilung Verkehrswesen KEINE Dauerausnahmen für Speditionen und dergleichen.«

Lösung in Sicht


Noch mehr LKW auf der Theodor-Heuss-Brücke

Dass die Wiesbadener nicht immer wissen, was die Mainzer machen und umgekehrt, gehört zu den Normalitäten im Verhältnis der beiden Landeshauptstädte. Dass die Mainzer Polizei anderes zu tun hat, als LKWs zu kontrollieren, leuchtet ein. Dass die Aussagen zu den Ausnahmegenehmigungen, trotz wiederholtem Nachfragen, nicht zusammen passen, ist bedauerlich. Sicher ist allerdings, dass die Steuerzahler nicht nur das viele Geld für die vielen Untersuchungen aufbringen, damit die Brücke uns alle noch lange trägt. Auch die Beseitigung der Schäden werden von den Bürgern beglichen. Und die Verwaltung wird dafür bezahlt, dass sie Verbotsschilder – sogar an den Autobahnabfahrten - anbringen und Ausnahmegenehmigungen erteilen lässt. Die nix nutzen, wenn niemand ihre Einhaltung kontrolliert. Vielleicht hoffen alle Beteiligten darauf, dass sich das Thema von selbst erledigt, wenn die Stadt Mainz die gesamte Rheinschiene für den LKW-Verkehr sperren lässt: das Amt für Verkehrswesen prüft im Auftrag der (alten) Stadtratsmehrheit seit Anfang Mai dieses Ansinnen und will bis Ende des Jahres zu einem Ergebnis kommen. Würde dem stattgegeben, dürfte auch kein mit Wiesbadener Ausnahmegenehmigung bedachter Frankenbach-LKW mehr vom Kasteler Petersweg in den Mainzer Zollhafen fahren. Auf das Ergebnis dieser Prüfung sind wir gespannt!


SoS