Heft 225 Juni 2009
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Straße

Was es mit der Betzelsstraße auf sich hat

Haube oder Kosename


Betzelstraße

Für einen waschechten »Meenzer« ist die Herkunft des Straßennamens »Betzelsstraße« schnell erklärt. »Betzel«: das ist eine Haube oder eine Mütze. Gut möglich also, dass sich in dieser Gasse zwischen Fust- und Schusterstraße im Mittelalter ein Hutmacher niedergelassen hatte. Oder womöglich war hier zurzeit der Zünfte gleich eine ganze Reihe von Läden angesiedelt, in denen Frauen ihre Hauben kauften?

Dafür spricht auch, dass die Straße im französischen Straßenverzeichnis um 1800 zur »Rue de bonnet« wurde, also »Straße der Haube, Mütze oder Kappe«. Allerdings: Historiker gehen davon aus, dass der Name erst viel später im Volksmund zum Hauben-Betzel umgedeutet wurde.

Ihrer Ansicht nach hatte der Name Betzelsstraße ursprünglich eine ganz andere Bedeutung. Erstmals erwähnt ist die Gasse Mitte des 13. Jahrhunderts als »Bezelnesgassen«. Die frühesten Belege weisen dabei auf einen Personennamen hin. »Betz« oder »Betzelin« waren damals als Kurzformen für Männernamen gebräuchlich, die mit »Ber« anfingen, wie beispielsweise Berchthold, Bernard oder Bernfried. Aber auch andere Männernamen wurden damals entsprechend verniedlicht und so könnte es sein, dass die Koseform auf den Mainzer Bischof Bathodus zurückgeht. Bathodus lebte im 7. Jahrhundert zur Zeit der Frankenkönige und könnte alternativ auch Bothadus oder Bodardus geheißen haben. So ganz sicher überliefert ist aus dieser Zeit nicht viel.

Auch für diese Namen jedenfalls waren die Koseformen »Petilinus« oder »Bezelinus« gebräuchlich. Fest steht: die Betzelsstraße ist eine der ältesten in Mainz, die heute noch ihren ursprünglichen Namen trägt. Ob nun als Haube oder als Betzelinus-Verniedlichung eines Mainzer Bischofs.

Ilona Hartmann