Heft 225 Juni 2009
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Mogunzius

Mogunzius

Atemlos verfolgen die Mainzer und selbstverständlich auch DER MAINZER die täglichen Nachrichten. Kein Tag vergeht ohne eine neue Wendung rund um den Niedergang der Wohnbau – die vielleicht größte Krise ihrer Art im Nachkriegs-Mainz: Millionen-Schulden, Umwälzungen in der Geschäftsführung und im Aufsichtsrat, anonyme Anzeigen, der Staatsanwalt wird wohl ermitteln. Die stadtnahe Gesellschaft schlägt nicht nur dem Mainzer aufs Gemüt, der in einer der Wohnbau-Wohnungen lebt. Sie kennen die Glückspielautomaten auf den vielen Kerben und Messen: Man wirft eine Glücksspielmünze ein, die fällt, und wenn man Glück hat, sorgt ein rhythmischer Schieber dafür, dass Ihre Münze und einige andere Münzen gleich mit, nach vorne in den Auswurf geschoben werden. 13.500 Wohnungen sorgen regelmäßig mit den monatlichen Mieteinnahmen für ein gut gefülltes Konto. 13.500 Wohnungen sind im Eigentum der Wohnbau und bildeten jahrzehntelang eine immense Sicherheit. Eine solche Firma kann man nicht in eine finanzielle »Schieflage« bringen. Dachten alle. Es ging aber doch, wie wir jetzt erfahren. Es wäre zu einfach, jetzt alles dem mittlerweile zurückgetretenen Geschäftsführer Rainer Laub in die Schuhe zu schieben. Natürlich hat er vollmundig für sein Mainz gekämpft und mit der ihm eigenen Dynamik die Projekte lautstark durchgepeitscht. Wer im Weg stand, hatte halt Pech gehabt und spürte ab und an schon Laubs robuste Art der Argumentation. Viele waren allerdings froh darüber, dass hier etwas bewegt wurde und haben sich bei den Eröffnungen mit auf das Rednerpodest gedrängt, um teilzuhaben am rauschenden Erfolg in Sachen Stadtarchitektur. Mit ihren Projekten Proviantamt, Südbahnhof und Markthäuser setzte die Wohnbau Zeichen, die kein anderer setzen konnte und wollte. Die Wohnbau war in Mainz viele Jahre konkurrenzlos, weil ein Mitbewerber längst ab- statt aufgebaut hatte. Feder Die Stadt Mainz ist verschuldet bis in alle Ewigkeiten. Die cleveren Herren im Rathaus haben es schon vor vielen Jahren geschafft, an der Kontrolle der vorgesetzten Behörde (ADD in Trier) vorbei, eine städtische GmbH zu betreiben, in der man anscheinend schalten und walten konnte wie in einst besseren Zeiten, als noch Geld im Haushalt war. Was im offiziellen städtischen Haushalt nicht möglich war, das musste die Wohnbau machen. Schattenhaushalt nennt man so etwas. Und damit das immer so weitergeht, schicken die größten Parteien ihre Vertreter in die Geschäftsführung. Das nennt man dann einen kurzen Draht: Telefon oder Zügel? Und wie üblich, wenn die Politik ihre Aufgaben mal wieder nicht gemacht hat, sollen die Bürger die Zeche zahlen. Dieses Mal heißt das: Grundsteuer B. Wenn Sie ihr Auto an die Wand fahren, müssen Sie selbst den Schaden bezahlen. Keiner käme auf die Idee, dass die Be­wohner, die hinter der Wand leben, für den Schaden haftbar wären! Dieses Mainzer Modell ist endgültig gescheitert. Aber in jeder Krise steckt auch ein Funken Hoffnung. Hoffnung auf einen Anfang unter neuen Vorzeichen. Man kann nur hoffen, dass diese Chance jetzt genutzt wird: Transparenz heißt das Gebot – auf allen Ebenen. Die Geschäftsführer sollten nicht nur nach dem Parteibuch ausgesucht werden, Wirtschaftsprüfer sollten jedes Jahr wechseln (denn nur ein gutes Testat sichert den Auftrag für das nächste Jahr), Aufsichtsräte sollten Ihre Aufgabenstellung kennen und über entsprechende Kenntnisse verfügen. Und ganz wichtig: Politik, Geschäftsführer, Aufsichtsräte, Verwaltung müssen wieder lernen, dass das Ämter auf Zeit sind, die sie treuhänderisch für die Bürger verwalten. Und für sonst niemanden. Für alle Mainzer und besonders für die Fastnachter gibt es noch eine bittere Erkenntnis: Die oft verspotteten Wiesbadener haben ihren Haushalt saniert, auch dank eines eisernen Sparkurses. Mainz ist davon Lichtjahre entfernt. Mogunzius