Heft 225 Juni 2009
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Denkmal

Ein Vierbeiner für die Mainzer Zweibeiner

der Stadtpark-Esel


Das Denkmal der Stadtparkesel von Philipp Harth

Es gibt kaum einen Künstler, dessen Skulpturen so zahlreich in Mainz vertreten sind wie die von Philipp Harth. 1885 in Mainz geboren, studierte Harth bis 1906 an der Kunstgewerbeschule Bildhauerei. Anschließend zog es ihn quer durch die Republik an verschiede­ne Kunsthochschulen, bis er sich schließlich nach dem Zweiten Welt­krieg in Bayrisch Zell niederließ, wo Harth 1968 starb. Berühmt ist der Bildhauer vor allem für seine Tierdarstellungen aus Bronze. Dutzende davon finden sich allein im Landesmuseum, von Dromedaren und Kamelen über Löwen, Giraffen und Elefanten bis hin zu Pelikanen, Störchen und Reihern. Die in Mainz bekanntesten Harth-Plastiken sind mit Sicherheit der Tiger am Rheinufer und die Wolf-Chimäre vor dem Naturhistorischen Museum. Eine dritte Freilicht-Skulptur dürfte vor allem regelmäßigen Stadtparkbesuchern geläufig sein: ein 1,25 Meter hoher Esel, der direkt auf der Rückseite der Favorite, vor dem Eingang zum Biergarten, steht. Erschaffen hat Harth das Grautier aus Bronze 1964/1965. Es war seine letzte große Arbeit. Im Stadtpark aufgestellt wurde sie 1975. Warum ausgerechnet dort? Eine tiefere Bedeutung schien die Wahl dieses Standortes nicht gehabt zu haben. Außer vielleicht, dass der Esel bis heute für kleinere Stadtpark-Besucher eine schöne Klettermöglichkeit bietet. Der damalige Kulturdezernent der Stadt, Anton Maria Keim, fand aber noch einen weiteren Grund, weshalb der Standort gerade für einen Esel sehr passend sei, so schräg oberhalb des mittlerweile freigelegten Römischen Theaters. In seiner Ansprache zur Einweihung der Skulp­tur sinnierte Keim: bestimmt seien in diesem Theater zu Römerzeiten auch einmal die Worte des Dichters Plautus gefallen: »Es gibt auch viele zweibeinige Esel.« Angesichts der Tatsache, dass Plautus vor fast 2200 Jahren das Zeitliche gesegnet hat, ist es allerdings mehr als unwahrscheinlich, dass er bei diesen Worten die Besucher des Mainzer Stadtparks vor Augen gehabt haben könnte...


Ilona Hartmann