Heft 224 Mai 2009
Sonnenmarkt


Sonnen-Markt  auf dem Gutenbergplatz
Sonnen-Markt auf dem Gutenbergplatz

Zahlreiche Anbieter rund um das Thema »Solarenergie« präsentieren sich am 16. Mai von 10 bis 16 Uhr auf dem Gutenbergplatz. Neben Energieberatungen, Informationen zum Solaratlas und über Wärmedämmungsmaßnahmen gibt es Photovoltaikanlagen, Solarspielzeug Solarthermische Anlagen, Pellet-Öfen, Schichtenspeicher und vieles mehr zu sehen. Dazu gibt es ein unterhaltsames Bühnenprogramm und viele Fachvorträge. Für Kinder und Jugendliche bis 13 Jahre veranstaltet die SCHOTT AG einen Malwettbewerb unter dem Motto »Sonnige Ideen für Mainz«.
Ausgezeichnet werden die schönsten Bilder und originellsten Ein­fälle am 16. Mai um 15 Uhr im Rah­men des Sonnenmarkts auf dem Gutenbergplatz. Einsendeschluss ist der 11. Mai (Adresse: SCHOTT AG, Abteilung CPR/Matthias Reinig, Hattenbergstr. 10, 55122 Mainz), alle Arbeiten werden auf dem Sonnenmarkt-Stand von SCHOTT Solar ausgestellt. Der Gewinner erhält vier Eintrittskarten für den neuen Abenteuer Wissenspark Odysseum in Köln inklusive Zugtickets von Mainz nach Köln. Die Plätze zwei bis fünf werden mit je einem hoch­wertigen Solar-Bastelset belohnt.
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Titelstory

Prof. Dr. Ing. Udo Ungeheuer zur Nutzung der solarenergie:

»Wir brauchen deutlichere signale«

Prof. Dr. Ing. Udo Ungeheuer, Vorstandsvorsitzender der Schott AG
Prof. Dr. Ing. Udo Ungeheuer, Vorstandsvorsitzender der Schott AG

Am16. Mai steht der Gutenbergplatz ganz im Zeichen der Sonne: Die Stadt Mainz beteiligt sich erneut an der bundesweiten Aktion zur Woche der Sonne und die Lokale Agenda 21 organisiert den »Mainzer Sonnenmarkt«. Mit dabei ist die Mainzer Schott AG, deren Tochtergesellschaft Schott Solar AG ihren Unternehmenssitz von Alzenau nach Mainz verlagerte. Im Gespräch mit dem MAINZER erörtert Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer, Vorstandsvorsitzender der Schott AG und im Vorstand u.a. für Schott Solar zuständig, die Rahmenbedingungen zur Nutzung von Solarenergie – auch in Mainz. In der ganzen Diskussion um das Kohleheizkraftwerk ist die Ankündigung von OB Beutel im Jahre 2005, Mainz solle bei der Nutzung der Solarenergie zu einer der führenden Städte Deutschlands werden, untergegangen.




fragezeichenWar das eine »sonnige Eintagsfliege«?


Ungeheuer: Generell sind Solarenergie und Photovoltaik in Deutschland etwas schwierigere Themen – das hat ganz natürliche Ursachen, schließlich beträgt die Sonnenscheindauer in Deutschland im Durchschnitt 950 Stunden pro Jahr in der Sahara sind es 4.200 Stunden im Jahr. Außerdem zielen die Lobbyaktivitäten der großen Energieerzeugungs-Unternehmen in Deutschland auf andere, vor allem die traditionellen Energieträger – was sich allerdings angesichts der Klimadiskussion und der für alle sichtbaren Auswirkungen allmählich wandelt. Hinzu kommen uralte Vorurteile: die Solarenergie sei zu teuer, zum Beispiel. Obwohl es, Dank enormer technologischer Entwickelungen, kaum einen anderen Energieträger gibt, der sich schneller amortisiert. Wir haben bei unseren Aktivitäten festgestellt, dass die Bevölkerung über die Nutzungsmöglichkeiten der Solarenergie zu wenig aufgeklärt ist – es mangelt an fundierten Informationen. Als Unternehmen informieren wir umfassend - aber wir können damit nicht alle erreichen. Dazu bedarf es einer dezidierten politischen Unterstützung.


fragezeichen Hat Solarenergie in Mainz keine Lobby?


Ungeheuer: Schott Solar unter dem Fallschirm der Schott AG ist durchaus bekannt und das nicht erst seit dem beabsichtigten Börsengang und der Verlagerung unserer Solaraktivitäten nach Mainz – das ist eine ganz bewusste Entscheidung unseres Unternehmens und wir schließen langfristig nicht aus, dass in diesem Bereich hier Produktionsstätten entstehen können. Es gibt in Mainz viele überzeugte Bürger und überzeugte Unternehmer, die bewusst auf Solarenergie setzen, die auch das geschäftliche, das wirtschaftliche Po­tenzial erkannt haben: viele Arbeitsplätze auch im Handwerk sind entstanden, Dachdeckerbetriebe, Installationsfirmen – sie haben die Solarenergie als neue, als zusätzliche Geschäftsfelder entdeckt. Allerdings brauchen wir auch von den politisch Verantwortlichen klare Signale – nehmen wir unseren Solarproduktionsstandort Alzenau: Das Landratsamt Aschaffenburg-Alzenau wollte mit Schott ein 100-Dächer-Solarprojekt auflegen - das war nach zwei Wochen ausgebucht! Jetzt legen wir gemeinsam ein 500-Dächer-Programm auf. Uns zeigt das, wo die Politik klar sagt ‚Wir wollen die Solarenergie nutzen’ und das mit entsprechenden Angeboten untermauert, nehmen es die Bürger auch an.

fragezeichen Was erwarten Sie konkret von der hiesigen Politik?


Ungeheuer: Klare Richtlinien, deutliche Empfehlungen, deutlichere Signale als bisher! Wenn beispielsweise für ein Baugebiet festgelegt wird, dass hier Solaranlagen erwünscht sind, dann muss die Marketingstrategie dieses Ziel auch wiedergeben – es reicht nicht, zu behaupten, wir wollen Solaranlagen, es muss dafür etwas getan werden, es bedarf einer konsequenten Marktbearbeitung, d.h. Überzeugungsarbeit. Dazu gehören entsprechende Verordnungen: den Bauherren wird so vieles vorgeschrieben, warum nicht in unserer aller Interesse eine Verordnung für Solaranlagen? Die Stadt Marburg hat es vor gemacht, es ist eine Frage des politischen Willens und wenn in der Presse getitelt wird, es handele sich hier um den Einstieg in eine »Öko-Diktatur« muss ich wiederholen: Wir leben doch nicht in einem Verordnungsfreien Gemeinwesen, von der Müllabfuhr bis zu den Kanalanschlussgebühren das sind alles keine Kann-Bestimmungen, das muss so gemacht werden, warum kann hier nicht eine Verordnung hinzugefügt werden, die eindeutig der Umwelt und damit allen Menschen und zukünftigen Generationen dient?«



SoS

von Alzenau nach Mainz
Umzug nach Mainz: Die SCHOTT Solar AG hat im September 2008 ihren Unternehmenssitz nach Mainz verlagert, etwa 100 hoch qualifizierte Mitarbeiter aus Management, Marketing und Vertrieb sind an den neuen Unternehmenssitz in Mainz auf dem Werksgelände des SCHOTT Konzerns an der Hattenbergstraße umgezogen. Damit wird einerseits in Alzenau Platz geschaffen für weiteres Wachstum der SCHOTT Solar AG. Zum anderen wird ein so wichtig gewordenes Geschäft wie Solar am Hauptsitz des SCHOTT Konzerns verankert. Zusätzliche Vorteile entstehen mit der Nutzung gemeinsamer Ressourcen durch die räumliche Nähe von SCHOTT Solar zu Konzernfunktionen der SCHOTT AG. Mittelfristig sollen durch das geplante Wachstum weitere Arbeitsplätze in Mainz geschaffen werden.