Heft 224 Mai 2009
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Energie und Umwelt

Mainzer Schneckentempo beim

Umschalten auf die Energien der Zukunft


Windrad
108 Meter hoch ist der Stahlbetonturm, der Rotordurchmesser von »Enercon E-82« beträgt 82 Meter, 6 19,5 Umdrehungen pro Minute schafft der Rotor und produziert 2.000 Kilowatt Strom; in Ebersheim betreibt Rio-Energie seit Ende 2006 zwei dieser Windkraft-Anlagen, mit deren Jahresenergieertrag von ca. 8,5 Millionen Kilowattstunden der Jahresenergieverbrauch von etwa 2.500 Haushalten gedeckt werden kann.

Sie scheint noch in den Kinderschuhen zu stecken die Nutzung erneuerbarer Energien in Mainz. Denn ein Blick auf die Zahlen verrät: Nur zwei Prozent des jährlichen Strombedarfs der Stadt werden nach Angaben des Umweltamtes aus regenerativen Energieformen gewonnen. Immerhin verzeichnet das Umweltamt bezüglich der Nutzung nachhaltiger Energien eine Tendenz nach oben. Doch statt den Blick auf eine unbestimmte Zukunft zu richten, soll hier zunächst der Ist-Zustand in Mainz beleuchtet werden.

Unverzichtbar:der Mainzer Wind


Wichtigster Stromlieferant im Bereich der erneuerbaren Energien ist für die Stadt Mainz die Windenergie. Acht Windräder bei Mainz-Ebersheim produzieren jährlich 13.500 Megawattstunden (MWh) Strom. Vergleicht man diese Zahl mit dem jährlichen Stromverbrauch der Stadt, der bei 1,4 Millionen MWh eingependelt hat, mutet die Leistung der Windräder eher bescheiden an. Ein ähnliches Fazit ließe sich auch über die Nutzung der Sonnenenergie ziehen: Photovoltaikanlagen sind in diesem Fall das Stichwort. Auf Privathäusern, gewerblich genutzten Industriehallen, oder landwirtschaftlichen Gebäuden angebracht, wandeln die insgesamt 399 Anlagen pro Jahr die Energie der Sonne in 5.200 MWh Strom um. Rund 30 dieser Anlagen befinden sich auf städtischen Gebäuden, wie Schulen, dem Staatstheater oder dem Taubertsbergbad. In den meisten Fällen werden diese Anlagen jedoch von Investoren betrieben, die Stadt stellt lediglich die nötigen Dachflächen zur Verfügung. Laut Gebäudewirtschaft Mainz (GWM) soll dieses Konzept auch in Zukunft beibehalten werden: unter anderem sind neue Anlagen auf der Hauptfeuerwehrwache in Bretzenheim und auf dem Haus der Jugend geplant.

Doch nicht nur aus Sonne und Wind lässt sich Energie erzeugen, auch Gestank lässt sich in Strom umwandeln. In Mülldeponien und Kläranlagen entstehen unweigerlich Gase, die mit der richtigen Technik nicht ungenutzt abgegeben werden müssen. So auch auf dem Gelände der ehemaligen Mülldeponie in Budenheim: Zwar wurde die Deponie still gelegt, doch der dort gelagerte Hausmüll entwickelt weiterhin energiereiche Faulgase, die noch 20 bis 30 Jahre als regenerative Energieform genutzt werden können. Das Gas wird abgesaugt und zu Motoren weitergeleitet, mit deren Hilfe Generatoren für die Stromerzeugung betrieben werden. Rund 6.000 MWh Strom können so jährlich ins Mainzer Netz eingespeist werden, zusätzlich versorgt sich der Betrieb mittels dieser Technik selbst mit dem nötigen Strom. Ähnlich funktioniert auch die Klärgasanlage im Zentralklärwerk. Das in den Faultürmen der Anlage anfallende Gas wird mittels eines Blockheizkraftwerkes in Energie umgewandelt. Die jährlich entstehenden 5.000 MWh liefern so 50 Prozent des Strombedarfs des Klärwerks. Außerdem nutzt der Betrieb die vom Blockheizkraftwerk abgegebene Wärme mittels Kraft-Wärme-Kopplung zur Beheizung der Gebäude und Faultürme.

Sonnenlicht für warmes Wasser


Neben Strom kann also auch Wärme regenerativ erzeugt werden. Genutzt wird diese Wärme in den meisten Fällen zur Warmwasserbereitung. Eine Möglichkeit dies zu realisieren besteht durch sogenannte Solarthermieanlagen: Mit Hilfe von Kollektoren wird die Wärme der Sonne absorbiert und mittels einer Trägerflüssigkeit in einen Wärmespeicher transportiert. Ein Blick auf den »Solaratlas von Mainz« zeigt, dass einige dieser Anlagen im Stadtgebiet zu finden sind; genaue Zahlen liegen dem Umweltamt jedoch nicht vor. Doch nicht nur die Sonne birgt eine enorme Wärme; auch unter der Erdkruste geht es heiß her. Die Universitätsdruckerei Schmidt in Hechtsheim macht sich diese Wärme zu Nutze und hat im vergangenen Jahr eine sogenannte Geothermieanlage bauen lassen. Zu diesem Zweck wurden insgesamt sechs Löcher 100 Meter gebohrt, in die U-förmige Rohre verlegt wurden. Durch diese Rohre wird mit einer wärmeleitenden Flüssigkeit versetztes, kaltes Wasser ins warme Erdreich geschickt. Dieses Wasser wird auf circa 14 Grad erwärmt und wieder an die Erdoberfläche befördert, wo es zur Kühlung der Druckmaschinen benutzt und durch die dort abgegebene Wärme weiter erhitzt wird. Mittels dieser Wärme, kann das dreistöckige Gebäude der Druckerei im Sommer und Winter konstant auf circa 25 Grad temperiert werden die Unabhängigkeit von herkömmlichen Energieträgern für Heiz- und Kühlanlagen ist erreicht. Auch für Einfamilienhäuser lassen sich Geothermieanlagen einrichten, allerdings ist dies noch sehr kostenintensiv.


Katrin Henrich

Info:

die Daten stammen aus dem »Endbericht Energiekonzept Mainz 2005-2015: Energie und Verkehr«, erstellt im Auftrag der Stadt Mainz von: ifeu Institut für Energie und Umweltforschung Heidelberg GmbH