Heft 224 Mai 2009
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Domgeschichten

Weithin sicht- und hörbar:

Die Domuhr


Die Domuhr

Wer in der Nähe des Doms lebt, könnte gut auf eine Uhr verzichten – zumindest von 6 Uhr morgens bis Mitternacht. Im Fünfzehnminutentakt verkünden die Glocken, was die vier Zifferblätter auf dem Westturm anzeigen. Jedes der Zifferblätter hat einen eigenen Motor, die Steuerungsuhr in der Sakristei sorgt dafür dass der Schlagauslösende Hammer auf die Glocke im Einklang mit den Uhrzeigern funktioniert. Ihre »Zeitsignale« bekommt die Domuhr von Mainflingen bei Frankfurt: Der Langenwellensender der Deutschen Telekom sendet seine Zeitinformationen an alle Funkuhren im Umkreis von 2 - 2.500 Kilometern.

Elektrisch bewegt und mittels Funk gesteuert klettert längst niemand mehr hinauf, um die Uhr von Hand aufzuziehen. Schon bei der Domwiederherstellung 1925-1927 waren elektrische Motoren eingebaut worden, die das Aufziehen automatisch besorgten. Das alte Uhrwerk ließ sich das allerdings nicht gefallen und versagte den Dienst. 1930 wurde die Uhr in der Werkstatt des Uhrmachers Tiefel überholt – und anschließend wieder mit der Hand aufgezogen. Uhrmachermeister Ludwig Tiefel, mit seinem Geschäft in der Leichhofstraße ansässig, hatte diese Aufgabe bis zum Einbau der elektrischen Motoren täglich erledigt: „Wir durften als Buben manchmal mit auf den Turm und haben die drei großen Sandsteingewichte runtergezogen, die dafür sorgten, dass die Uhr 24 Stunden lang lief“, erinnert sich Konrad Schué . Sein Vater führte den Titel »Domhandwerksmeister«, die Firma Schué , 1882 gegründet, war und ist für die elektrischen Installationen im Dom zuständig.

Nachdem die Dom-Dächer infolge der Luftangriffe vom August 1942 fast völlig zerstört waren, wurde der tägliche Gang zum Aufziehen ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen: der Weg zur Domuhr führte über hunderte Stufen der Osttreppentürme durch das gesamte Mittelschiffsdach über weitere Stufen hinauf in den Westturm. Heutzutage muss kein Uhrmachermeister oder Bub mehr allmorgendlich hinauf klettern: Im Oktober 1966 elektrifizierte die Ulmer Turmuhrenfabrik Philipp Hörz GmbH die Mainzer Domuhr und betreut seither deren richtigen Gang.


SoS