Heft 223 April 2009
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Titelstory

Herr über Manuale, Pedale und Register im Dom:

Domorganist Albert Schönberger


Domorganist Albert Schönberger

Eine kleine unscheinbare Tür führt über eine Wendeltreppe hinauf ins »Cockpit« des Domorganisten. Der Vergleich mit dem Arbeitsplatz von Piloten ist sofort ersichtlich: Die Instrumentenansammlung von Registern, Klaviatur und Pedalen ist auf engstem Raum begrenzt. Einzig über Monitore ist das Geschehen unten im Kirchenraum zu verfolgen. Wie im Blindflug »steuert« der Domorganist die Orgelpfeifen durch den Gottesdienst. Präzise Technikkenntnisse, handwerkliches Können, Verantwortung und Kreativität sind gefragt, um einen für alle und in allen Situationen harmonischen Ablauf zu gewährleisten.

»Meine alte Dame« nennt Albert Schönberger liebevoll und fast ehrfürchtig das Instrument, auf dem er seit 1981 den Dom zum Klingen bringt. Sie habe schon »Lungenentzündung« gehabt, manchmal plage sie die »Gicht« und immer gelte es ihre jeweilige »Stimmung« zu testen, um sie angemessen bespielen zu können. Unterschiede in der Raumtemperatur (»zwischen Ostchor und Westchor in der Regel 2 Grad«), den Raum füllende Gottesdienstbesucher, ein »verschnupftes« Ventil hier und ein verklemmter Kontakt da – das komplizierte Gefüge unterschiedlichster »Instrumente« fordert vom Organisten, sich immer wieder neu einzulassen. Nicht nur auf die Orgel. Auch auf den sie umgebenden Raum.

Instrument und Architektur

Domorganist Albert Schönberger
Domorganist Albert Schönberger

Mit Klaviatur, Registern und Pedalen lässt Albert Schönberger die Klänge von den Pfeifen im Que rhaus herunter, um das frei schwebende Kreuz im Altarraum herum fließen, sich mit dem Tönen der Westchor-Pfeifen verbinden, gegen die Pfeiler prallen, zurück rollen und sich in neuer Klang fülle auf ihrem Weg durchs Mittelschiff binden, die Töne der Ostchorpfeifen aufnehmen und bis in die Türme hinauf jubilieren. Für die Zuhörer ein Ganzkörper-Klangerlebnis. Hervorgerufen von den Händen, Füßen, dem Kopf des Domorganisten, einer Begeisterung für dieses Spielen, die nicht zu überhören ist – und »veredelt« von der Kathedrale.

Jedes Orgelensemble kann der Domorganist getrennt voneinander bespielen, von kaum hörbar bis bombastisch laut. Vom Hall der Eigernordwand, über deren Felsrauschen bis zum Schneekriseln – die Orgel ist zu fast allen Ton-/Klangkombinationen in der Lage. Mithin bestens geeignet für die von Albert Schönberger so sehr geschätzten Improvisationen: Auftrumpfend wie ein Orchester und sich reduzierend auf eine einzige Posaune, lassen sich die unterschiedlichsten Stimmungen erzeugen.

Das macht auch den Orgeleinsatz im Gottesdienst so bedeutsam: Die Liturgie begleiten, sie un terstützen, die Aussagen hervorheben, ihnen den rechten Klang verleihen. Der Domorganist sieht in diesem komplizierten Zusammenwirken eine stetige Herausforderung, das einer guten Vor bereitung bedarf – beispielsweise für den Höhepunkt im Kirchenjahr, die Messe in der Osternacht. Detailliert plant die Liturgie- Kommission, in der Domdekan, Dompfarrer, Bischöflicher Kaplan, Domorganist, Domkapellmeister, Domkantor und Domküster zusammenwirken, den gesamten Ablauf.

Diese Verbindung zwischen Pastorale und Musik ist Schönberger zufolge noch nicht lange so selbstverständlich. Erst der »Geist des Konzils« habe der Musik im Gottesdienst ihre eigene Rolle zugeführt. Monsignore Heino Schneider, dem Albert Schönberger 1985 als Domorgansit nachfolgte, sei es zu verdanken, dass die Domorgel aus ihrem Schattendasein hinter dem Chorgestühl her vorgeholt und im Kirchenraum sichtbarer wurde.


Bistum und Dom sind immer dabei


Er sei »ein Musiker der pastoral denkt«, sagt Albert Schönberger von sich selbst. Anders könne ein Domorganist seine Rolle auch nicht erfüllen: die Gemeinde in und mit der Musik zusammen führen. Kirchenmusik lehrte der, in Regensburg und München ausgebildete, Organist als Dozent am Bischöflichen Institut für Kirchenmusik und der Mainzer Universität bis 1994. Seine musikalische Profession lebt der 59-Jährige, außer im Orgelspiel, in seinen Improvisationen, beim Dirigieren und Komponieren, sowie in der Zusammenarbeit mit (z.B.) dem Mainzer Kammerorchester und dem Figuralchor.

Für den Kardinal, dem er in herzlich-bewundernder Freundschaft verbunden ist, komponierte er anlässlich dessen 25-jährigem Bischofsjubiläums ein Credo. Schönberger konzertiert im Mainzer Dom und in anderen Gotteshäusern, begleitet in schlichten Meditationen und in Pontifikalämtern: »Als Domorganist vertrete ich immer auch das Bistum und den Hohen Dom«, umschreibt Schönberger einen durchaus werbewirksamen Aspekt seines vielfältigen Wirkens.


Trompeten für den Kardinal

Dom Trompete

Immer wieder fällt der Blick auf diesen kleinen roten Schalter am Spieltisch des Domorganisten – Albert Schönberger strahlt regerecht, als er ihn betätigt: im nördlichen Querhaus, seinem »Cockpit« gegenüber liegend, öffnen sich die Fenster der Glöcknerstube und zum Vorschein kommen »Trompeten «. »Zum 20-jährigen Bischofsjubiläum haben wir unserem Kardinal diese 58 ‚Trompeten’ dort oben einbauen lassen, sie begrüßen ihn seither, wenn er in die Kirche einzieht. Und der Volksmund hat sie direkt ‚Kardinalstrompeten’ getauft.«

SoS

Infos:

Die Messe in der Osternacht
findet an Karsamstag, 11. April,
um 21.30 Uhr statt.
Musik im Mainzer Dom:
www.bistummainz.de
Stichwort: Kultur
CD-Einspielungen von Albert Schönberger:
www.albertschoenberger.com