Heft 223 April 2009
Werbung




Kunst

Offen für alle Kunstrichtungen und passend für alle Räume:

Hauptsache Kreativ


Kunstodysseey1
Studenten-Kunst auf langen Irrfahrten vorübergehend gelandet
im Wohnheimkeller

Vielleicht ist es die ungewöhnliche und eigenwillige Umgebung, die die Bewohner des Studentenwohnheims Gonsenheim zu kreativen Höchstleistungen auflaufen lässt. Vielleicht ist es auch schlicht und ergreifend die Liebe zur Kunst. Egal. Fest steht: Raum für Kunst gibt es überall, und sei es in ehemaligen Rumpelkammern.

Das jedenfalls dachte sich im Frühjahr 2008 eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe aus Kunst­studenten, Filmwissenschaftlern, Wohnheimsbewohnern und Kunstinteressierten. Ihre Idee: Die bisher ungenutzten Räume des Gonsenheimer Wohnheims in Ausstellungsräume umwandeln. Soweit die grobe Vorstellung. Beim Studentenwerk stieß die Idee auf offene Ohren; die skurile Ansammlung schrottreifer Fahrräder, die bis dato die Kellerräume okkupierte, flog binnen kürzester Zeit raus.

Das kreative Schaffen konnte beginnen und eine neue Projektgruppe mit dem klangvollen Namen »Kunstodyssey« war aus der Taufe gehoben. »Wir haben uns bewusst für diesen Namen entschieden«, erklärt Kunststudentin und Mitgründerin Malin Wichter und fügt hinzu: »Am Anfang hatten wir nur die Räumlichkeiten und wussten noch nicht so genau wo das Ganze hinführen soll.«

Kunstodysseey2 Eine Irrfahrt durch die Welt der Kunst, bei der man nie weiß, was als nächstes kommt. Und gerade das macht sie so dynamisch, denn, so Wichter: »Eine Maxime stand von vornherein fest: Wir wollen für alle künstlerischen Ausdrucksformen offen sein und uns auf keine bestimmte Kunstgattung festlegen.

Auch in der Art der Darstellung sind wir für alle Vorschläge offen.« Will heißen: Nicht alles muss in Form einer klassischen Ausstellung über die Bühne gehen, auch Festivals oder einmalige Videoinstallationen können Teil der »Kunst­odyssey« sein. Ob Kunstfilm, bildende Kunst, Fotografie oder Performance, wenn es passt, finden Künstler bei den Studenten der »Kunstodyssey« immer offene Türen. Das bestätigt auch Johannes Geiermann, Mitinitiator und langjähriger Wohnheimsbewohner: »Wer eine tolle Idee hat kann sich einfach an uns wenden. Dazu muss man kein Kunststudent oder renommierter Künstler sein.«

Plattform und Verbindungselement


Kunstodysseey3

Doch Talenten eine Plattform geben ist nur ein Steckenpferd der Studentengruppe. Ein weiteres Anliegen ist ihnen der Kontakt zur Mainzer Bevölkerung. Dazu Wichter: »Natürlich bewegt sich die Kunstodyssey bislang zum größten Teil im studentischen Milieu.

Das liegt wohl daran, dass sich die Ausstellungsräume in einem Studentenwohnheim befinden.« Dennoch sucht die Gruppe ihr Publikum auch außerhalb der Wohnheimsmauern: »Am liebsten würden wir alle Bevölkerungsschichten und Altersklassen mit unserem Projekt erreichen«, fasst Geiermann das langfristige Ziel von »Kunstodyssey« zusammen.

Wie realistisch dieses Vorhaben ist zeigt ein Blick auf die letzte Veranstaltung: »Im Januar hatten wir eine Ausstellung mit Malerei, Kunstfilm und Fotografie. Wir haben uns dabei total gefreut, dass auch Schulkinder mit ihren Eltern vorbei kamen und sich das Ganze angesehen haben«, erinnert sich Wichter.

Das Gros der nicht-studentischen Besucher kam dabei aus Gonsenheim. »Wir haben große Plakate in Gonsenheim aufgehängt und Flyer in Schaukästen verteilt. Die Kinder sind wahrscheinlich auf ihrem Weg zur Schule auf die Plakate aufmerksam geworden und haben so ihren Weg ins Wohnheim gefunden«, spekuliert Geiermann.

Die Gonsenheimer Bevölkerung scheinen die Studenten also schon erreicht zu haben. Zur nächsten Ausstellung wünschen sie sich aber noch mehr uni-externe Besucher: »Natürlich wäre es schön, wenn wir alle Mainzer erreichen könnten. Schließlich suchen wir immer neuen Input und den bekommt man nicht, wenn man im eigenen Saft schwimmt«, erläutert Geiermann und Wichter fügt hinzu: »Der Dialog ist uns wichtig. Und es ist uns ebenso wichtig, Menschen die Schwellenangst vor der Kunst zu nehmen. Hier ist jeder willkommen.«

Wie lange das allerdings noch explizit für das Wohnheim in Gonsenheim gilt, steht in den Sternen. »Schon seit Jahren hört man immer wieder Gerüchte über die Schließung des Wohnheims«, weiß Geiermann. Der Kreativität der Studenten scheint dies aber keinen Abbruch zu tun, obwohl die Ungewissheit um das Wohnheim den ein oder anderen ein bisschen wehmütig stimmt: »Einige Installationen aus vergangenen Ausstellungen haben wir einfach in den Räumen gelassen.

So bleibt wenigstens etwas von dem Potenzial dieses Wohnheims sichtbar«, meint Wichter. Doch Schließung hin oder her: Die »Kunstodyssey« wird es auch geben, wenn das Wohnheim seine Tore irgendwann einmal schließen sollte. Wo ist noch ungewiss, aber was wäre eine Irrfahrt mit bekanntem Ziel?

Infos:
http://kunstodyssey.cwsurf.de

Katrin Henrich