Heft 223 April 2009
Werbung




Der alltägliche Wahnsinn

Der alltägliche wahnsinn

Sagen Sie mal ...


Wahnsinn

… sind Sie auch so froh, dass es all die Schönen und die Reichen gibt? Also die Promis (und solche, die sich dafür halten) dieser Welt? Vor allem die Deutschen? Ganz ehrlich, ich find sie Klasse. Und damit meine ich nicht etwa, ihre künstlerischen, sportlichen, politischen oder was-weiß-ich-für Leistungen. Nö, viel wichtiger für uns Normalos sind doch die aktuellen Lebenshilfen, die uns unsere Idole so gönnerhaft überlassen. Meist nett verpackt in einer multimedialen Werbebotschaft, manchmal aber auch nur einfach so. Wie zum Beispiel Ex-Tennis-Hero Boris Becker. Zuerst zeigt uns das Bobele, wie man in Hightech-Zeiten mit seiner Einstmals-Herzensdame Schluss macht (nämlich per SMS, wie genial) und dann, nur wenige Tage später, macht der Vorzeige-Privatier seiner neuen, alten Gespielin (Lilly, Trulli, Schnappi, oder wie sie heißt) einen Heiratsantrag auf dem Wetten-Dass-Sofa. Da will man sich doch gleich selbst ins Abenteuer Ehe stürzen. Oder nehmen wir Dieter Bohlen.

Der DSDS-Didi futtert einfach ein paar Wochen lang ne bestimmte Margarine und – schwupps – ist sein einstmals lebensbedrohlicher Blutfettwert wieder »im grünen Bereich«. Ja wofür denn dann noch zum Arzt rennen? Der Supermarkt ist doch viel näher und billiger. Zudem kurbeln wir die Wirtschaft an (wichtig) und sparen Gesundheits-Ulla noch ein paar Euro (noch wichtiger). Wenn das nicht Lebenshilfe pur ist?! Und davon gibt´s noch mehr: Superweib (und einstige Pralinen vernichtende Lehrer-Doktor-Specht-Sekretärin) Veronica Ferres, die uns erklärt, warum die Bild-Zeitung so toll ist. Oder Feldbusch-Anhängsel Franjo Pooth, der medial vorgemacht hat, wie man (fast) straffrei Steuern hinterziehen, Schulden machen und Pleite gehen kann und trotzdem weiter Porsche fährt. Toll, oder?! Was jetzt noch fehlt? Vielleicht Alibi-Boxer Axel Schulz, der uns zeigt, wie toll ein Leben als menschlicher Sandsack ist (gut z. B. für alle Opelaner, wenn die millionenschwere Chefetage mit der Kündigung oder der Lohnkürzung wedelt). Oder Kohl-Mädel und Kanzlerin Angela Merkel als persönliche Motivationshilfe (»glücklich auch mit hängenden Mundwinkeln«). Hach, das wär´s. Dann wäre unser Leben noch schöner. Denkt doch mal drüber nach, liebe Promis. Ihr würdet uns und unserem Land einen echten (Bären-)Dienst erweisen. Als Dankeschön gibt´s dann auch das Bundesverdienstkreuz. Oder – wenn gewünscht – nen neuen Werbevertrag.



In diesem Sinne – Bis zum nächsten Mal.
Ihr Rasta Mobi