Heft 222 März 2009
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Wahnsinn

Der alltägliche Wahnsinn

Sagen Sie mal ...


wahnsinn

… können Sie sich noch an die »gute alte« Radiozeit erinnern? Damals, als die Sender noch verschiedene Programme anboten, abgestimmt auf die Musikfarbe oder den Inhalt? Als man sofort und umfassend informiert wurde (»Radio – das schnellste Medium der Welt«), begleitet von einfallsreichen Moderatoren? Und als man sich wirklich noch Titel wünschen konnte und richtige Neuheiten auf’s Ohr gedrückt bekam? Und heute? Klar – man hat immer noch die Wahl. Aber leider nur noch zwischen Teeniewellen Marke Ein­heits­brei oder Ablegern von Radio »Scheintot«. Zappen sie doch mal durch. Die Morninghow des größten Privatsenders des Landes z. B. ist so armselig, dass sich die beiden (Möchtegern-) Moderatoren nicht einmal einen kompletten Namen leisten können. Dazu gibt’s Wischi-Waschi-News (»Dieter Boh­len hat Hämorrhiden – wie geht’s jetzt bei DSDS weiter?«), die stets gleichen sieben Super-Hits in der gefühlten 20 Minuten-Dauerrotation (als habe die Musikbranche all die Jahrzehnte im Koma gelegen) und jede Menge Gewinnspiele à la »Wie heißt unsere Kanzlerin mit Vornamen? Angela oder Klaus?«. Neun Live halt, nur ohne Bilder.

Das sieht bei den restlichen Privaten nicht viel anders aus. Andere Namen, gleiche Inhalte. Und was macht die öffentlich-rechtliche Konkurrenz? OK, ihre Teenie-Wellen bieten meist bessere Moderatoren und bessere News. Aber sonst? Genau, Mini-Musikauswahl, Maxi-Schwachsinnsspiele. Und die »Erwachsenenprogramme«? Gute und schnelle Infos, präsentiert allerdings offenbar nur für Hörer weit jenseits der 90. Stockkonservativ, langweilig, blutleer, ohne Pep. Dazu – natürlich – ebenfalls nur ausgewählte Titel (bloss keine Ausreisser, es könnte ja jemand abschalten) und – exakt – Gewinnspiele. Aber warum das Alles? Warum keine Auswahl, warum nur dieser Ohren-Müll? »Wir machen Mainstream-Radio«, heißt es zur Erklärung. »Radio für Alle«. Als ob jeder Schnitzel mit Pommes mag (und das auch noch jeden Tag, morgens, mittags, abends). Da mach ich mir – um mal beim Bild zu bleiben – mein Essen doch lieber selbst. Sprich: Ich greif zum CD- oder MP3-Player. Da hab ich Auswahl und erspar mir zudem auch noch das »Gewinne, gewinne, gewinne«-Geschrei. Von der Dauer-Werbeberieselung mal ganz zu schweigen.


In diesem Sinne – Bis zum nächsten Mal Ihr Rasta Mobi