Heft 222 März 2009
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Domjubiläum

Dom Geschichte(n)

Gewaltige Turmgruppen


Der Mainzer Dom, Aquarell
Aquarell von Hundshagen um 1820, im Landesmuseum Mainz, abgedruckt in Domblätter, Forum des Dombauvereins Mainz, 4/2002, S. 67

Für die Meisten ist er selbstverständlicher Mittelpunkt der Stadt - und doch in seinen vielen architektonischen und historischen Details unbekannt: der Mainzer Dom. Wissen Sie auf Anhieb, wie viele Türme den mächtigen Bau zieren?

Auf der Westseite (Richtung Ludwigstraße) und auf der Ostseite (Richtung Liebfrauenplatz, Fischtor, Rhein) recken sich jeweils drei in die Höhe, macht zusammen also sechs. Deren Aussehen hat sich in der tausendjährigen Geschichte ordentlich gewandelt: Brände, Beschuss in Kriegszeiten und Sanierungen waren Anlass für Neugestaltungen.

Das heutige Aussehen der Westgruppe ist im Wesentlichen Ergebnis des Brandes von 1767, genauer des Wiederaufbaus nach den Plänen des Ingenieurs Franz Ignaz Michael Neumann (Sohn von Balthasar Neumann) und entsprang dem Wunsch nach »Feuersicherheit«: steinerne tonnengewölbte Dächer mit direkt aufgelegtem Schiefer über den sichtbaren Gewölben des Innenraums. Neumann bediente sich spätromanischer und gotischer Elemente, ab 1845 wurden weitere spätbarocke Schmuckelemente entfernt.

Dennoch – und trotz weiterer Veränderungen infolge der Zerstörungen und des Wiederaufbaus von 1793 und von 1942/44 zählen diese Neumannschen Turmbekrönungen zu den fantasievollsten Lösungen des Barock und erinnern daran, dass Mainz nicht nur Schauplatz der mittelalterlichen sondern auch der barocken Kunst gewesen ist.

Der Mainzer Dom mit der Mollerschen Kuppel
Der Ostbau des Domes mit der Mollerschen Kuppel und »Probeturm« (Lebendiges Rheinland-Pfalz, Hrsg.: Landesbank Rheinland-Pfalz, II-IV/2001, S.12)

Und die »Ostgruppe«? Sie überstand den Brand von 1767 - um dann während der Beschießung von 1793 den Flammen zum Opfer zu fallen. Ein Aquarell von B. Hundshagen im Landesmuseum Mainz zeigt die drei Türme ohne Abschlüsse.

Ab 1828 begann die Wiederherstellung der drei Osttürme, wobei der Mittelturm mit einer gusseisernen Kuppel vom Hofarchitekten Moller bestückt wurde, die beiden Seitentürme blieben zunächst als Ruinen stehen.

1858/59 wird der nordöstliche Treppenturm in historisierenden Formen ausgebaut und eingedeckt, der südöstliche Turm bleibt Ruine.

Die Moller’sche Kuppel wird zusammen mit dem darunterliegenden gotischen Obergeschoss 1870/71 abgerissen und 1875 der zentrale Ostturm vollendet – so schaut er heute noch aus.

SoS

Textgrundlage:
Dr. Jürgen Kotzur, Domkonservator und Direktor Mainzer Dommuseum