Heft 222 März 2009
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Denkmal

Tanzende Schönheiten ohne Wagner-Bezug

Die Rheintöchter


Die Rheintöchter

Wellgunde, Woglinde und Floßhilde heißen die drei Rheintöchter, mythische Naturwesen, die im Wagnerschen Dreiteiler »Der Ring des Nibelungen« als Hüterinnen des Rheingoldes auftreten. Hilflos müssen sie zunächst zusehen, wie der Zwerg Alberich den kostbaren Schatz stiehlt, nachdem sie ihn als Werber abgewiesen haben.

Erst ganz am Ende der Nibelungensage bekommen sie ihr Gold zurück. Eine spannende Geschichte – zweifellos – die bis heute Schatz­sucher umtreibt und nach dem sagenhaften Rheingold forschen lässt.

Was das Kunstwerk von Karlheinz Oswald am Mainzer Rheinufer angeht muss man allerdings feststellen: mit den Rheintöchtern der Nibelungen hat es außer dem Namen nichts gemein. Das zeigt auch der vollständige Titel der Figurengruppe: »Jul Kir An – Die Rheintöchter«. »Jul Kir An« statt »Wellgunde, Woglinde und Floßhilde«? Statt für mythische Wasserwesen stehen diese Namensfragmente für ganz reale Personen, nämlich Julie Thirault, Kirsty Ross und Ana Mèndez Lago: drei Tänzerinnen des Mainzer Ballett-Ensembles.

Hintergrund ist die enge Verbundenheit des Künstlers Karlheinz Oswald mit dem Mainzer Ballett. Tanz ist ein ganz zentrales Thema in dem Werk des Bildhauers. Immer wieder hat Oswald sich durch Bewegungsstudien am Mainzer Ballett für seine Kunstwerke inspirieren lassen. Ein Ergebnis sind die »Rhein­töchter«.

Aufgestellt wurden sie im Frühjahr 2004 im Rahmen der Vorgaben für »Kunst am Bau«. Auftraggeber waren die »Mainzer Aufbau Gesellschaft« MAG und die Firma Gemünden als Bauherren des Fort Malakoff-Parks. Fast schwerelos schweben die drei Bronzefiguren vor dem massiven Fort mit Blick auf den Rhein und die Mainmündung.

Nicht, um einen möglichen Schatz in den Fluten zu bewachen, sondern eher traumverloren und selbstvergessen im Tanze. »Das alte Rheingold ist längst verloren, die Rheintöchter haben nichts mehr zu bewachen, aber das stört sie nicht, sie sind sich selbst genug.« Dieser Satz von Hermann Kurzke steht auf der Tafel zu dem Kunstwerk. Und so bezeichnet auch Oswald selbst seine »Rheintöchter« nicht als Hommage an Richard Wagner, sondern vielmehr als Hommage an Martin Schläpfer, den langjährigen Mainzer Ballettdirektor.

Ilona Hartmann