Heft 221 Februar 2009
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Mainzer Köpfe

Sportbegeisterte Tänzerinnen oder Tanzende Sportlerinnen?

Die Antwort heißt: »Fun & Dance«!


Schneider

Was wäre eine Fastnachts-Sitzung ohne »Ballett«? Ohne die Damen die ihre Beine im Takt und synchron hoch und noch höher werfen können? Hinter diesen Künsten steckt jede Menge Arbeit und Disziplin – nicht nur während der Kampagne. Und eine Leiterin mit Ideen und Sinn fürs Tanzbare: Elke Schneider (Foto) leitet »Fun & Dance«, die Showtanzgruppe des Turnvereins Hechtsheim.

Am 9. Januar war Premiere: Fun & Dance wirbelte erstmals als »Hexemer Hexe« beim Gesangsverein Cäcilia über die Bühne. Seither geht es Schlag auf Schlag, mindestens 20 Auftritte legen die 14 Frauen an den Kampagnen-Wochenenden hin, allein zehn bei den »Bohnebeitel«. »Drei Auftritte an einem Abend schaffen wir, bei vieren rennt uns meist die Zeit davon, denn kaum eine Fastnachts-Sitzung bleibt im geplanten Zeitrahmen.«

Elke Schneider bereitet sich und ihre Mädels seit 2006 mit immer neuen Choreographien auf die anstehende Kampagne vor und kennt die Tücken des fastnachtlichen Zeitmanagements. Genauso wie die Nervosität insbesondere bei der Aufzeichnung der »Bohnebeitel-Sitzung« fürs SWR-Fernsehen: »Wir sitzen vor dem Auftritt immer zusammen, besprechen noch einmal die einzelnen Abläufe und versuchen uns gegenseitig das Lampenfieber auszureden – ganz klappt das aber selten.«

Vier Wochen nach dem die »Moskauer Nächte« gut 30 Mal auf den Bühnen der Kampagne 2008 getanzt worden waren, begannen bereits die Proben für die »Hexemer Hexen«: »Das Thema ist für uns Hechtsheimerinnen ideal und wir sind schon zwei, drei Jahre dran, aber es war schwierig, die passende Musik zu finden.«

Klatschbar


Musik, Choreographie und aufsehenerregende Kostüme: alles muss ineinander greifen. »Klatschbar« lautet die Devise für die Musikauswahl, auf keinen Fall zu langsam aber auch kein fortdauerndes Stakkato – die Mädels müssen beim Tanzen noch Luft holen können. Aus dem Rhythmus entwickelt Elke Schneider die einzelnen Figuren, die unter Einsatz von Showtanz-Elementen zu einem Ensembles zusammen geführt werden – und irgendwo zwischendrin zeigen die Frauen mindestens einmal ihr akrobatisches Können und bauen sich zu einer Pyramide auf.

Alles mit viel Schmackes, schnell und präzise. Dahinter steckt ordentlich körperliche Fitness: »Wir trainieren, unabhängig von der Showtanzgruppe, alle Aerobic, Funktionsgymnastik und ähnliches, sonst könnten wir die rhythmischen Abläufe in diesem Tempo nicht durchhalten.« Übrigens: Die Leiterin tanzt selbstverständlich selbst mit!

Diplomsport-Lehrerin ist Elke Schneider und als solche in Teilzeit beim TV Hechtsheim fest angestellt. Die Anfänge von »Fun & Dance« kommen denn auch nicht aus Ballett- sondern aus Aerobic-Kursen: Rhythmische Gymnastik mit Musik, zuerst bei Vereinsinternen Festen dargeboten, recht flott über Hechtsheim hinaus bekannt und schließlich in die Showtanzgruppe mündend. »Mittlerweile tanzen auch unsere Teenies in der ‚Fun & Dance Girls’ und haben immer mehr Auftritte.«

Statt Showtanz-Events besucht Elke Schneider lieber Aerobic-Workshops und holt sich dort Anregungen für ihre Choreographien: »Natürlich gehören auch Elemente aus dem Gardetanz, insbesondere das Beine Werfen dazu, schließlich treten wir hauptsächlich an Fastnacht auf.«

Drei- bis viermal je zwei Stunden in der Woche treffen sich die gestandenen Frauen zum Proben – wenn es nicht anders geht auch sonntags. Und alles für »umme«. Heißt: Die Auftrittsgagen reichen hoffentlich und geradeso für die Kostüme und die Requisiten, sonst muss unter den Tänzerinnen wieder die Spendendose kreisen. Den Sprit für die Fahrerei von Auftritt zu Auftritt zahlen sie sowieso selbst. Oder ihre Männer.

Familienspaß

Gruppe
Echte »Hexemer Hexe« bei den Mumbacher Bohnebeitel: Fun & Dance

»Ohne unsere Männer würde das gar nicht funktionieren«, gibt Elke Schneider zu. Die Herren tüfteln und basteln die Requisiten, sorgen für technisch-einwandfreie Abläufe, fahren ihre Weiblichkeiten von Auftritt zu Auftritt und hüten zwischendurch und mittendrin die Kinder.

Voraussetzung für diese Art von fastnachtlichem Familienleben sind ein tolles Gefühl bei den Auftritten und ganz viel Spaß – der an Rosenmontag seinen Höhepunkt erreicht: Dann werden Männer und Kinder in Kostüme gesteckt, die zu denen der tanzenden Frauen passen, ein Anhänger wird gewienert, geschmückt, mit Musikboxen, Ess- und Trinkbarem beladenden und ab geht’s mit dem närrischen Lindwurm. Den ganzen langen Zugweg in den luftigen Kostümen? »Kein Problem«, wischt Elke Schneider frierende Bedenken beiseite, »kalt wird uns bestimmt nicht, wir tanzen doch die ganze Strecke.«

Infos:
www.tv-hechtsheim.de

SoS