Heft 221 Februar 2009
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Männersache

Kampf dem archaischen Rollenverständnis:

Das Leben in Balance bringen


Jean van Koeverden
Jean van Koeverden, geb. 1958, Wirtschaftsinformatiker, Tanzpädagoge, Tanzsozialtherapeut, Kreativer Leibtherapeut, Systemische Paar-, Familien- u. Sexualtherapeut, Dozent im Institut für Kreative u. Systemische Therapien, Coaching u. Beratung

»Fragen sie einmal einen Mann, wie viele Gefühle er aufzählen kann. Im Durchschnitt kommt er gerade einmal auf drei«, Familientherapeut Jean van Koeverden hat seine eigene Spezies lange beobachtet und ist zu dem Schluss gekommen: »Mit zunehmendem Alter verarmen Männer immer mehr.« Seine 14-tägig stattfindenden Männergruppen sollen diesem Phänomen entgegenwirken, dienen gewissermaßen als Anlaufstelle für ausgebrannte Männer.

Der ein oder andere wird sich jetzt gewiss fragen: Männergruppen? Wofür? Emanzipiert sind sie, verdienen meist mehr als ihre weiblichen Kollegen und sind in den Chefetagen zahlenmäßig besser vertreten. Wo ist also das Problem? »Darum geht es nicht«, meint Koeverden und verweist direkt auf des Pudels Kern: »Männer neigen dazu in der Extreme zu leben; mit der Folge, dass sie seelisch ärmer werden.«

Schuld am Dilemma der Männer ist seiner Meinung nach immer noch das recht archaische Rollenverständnis des Mannes: »Der Mann sieht sich weiterhin in der Rolle des Ernährers. An dieser subjektiven Empfindung hat auch die Emanzipation der Frau und die Tatsache, dass in vielen Fällen beide Partner verdienen noch nichts geändert«, berichtet Koeverden.

In der Folge bedeutet das: »Der Mann will seine Familie finanziell absichern und neue Anschaffungen ermöglichen.« Die Konsequenz: Der Job, der diese materiellen Grundlagen ermöglicht, gerät immer mehr in den Vordergrund und nimmt fast die gesamte Zeit des Mannes in Anspruch. Der Rest der Zeit wird auf die Familie verwendet. Bleibt summa summarum keine oder nur sehr wenig Zeit für Hobbys, Freun­de etc. »Und genau das meine ich mit verarmen«, unterstreicht Koeverden und fügt hinzu: »Mehr noch, die Männer verlieren an Attraktivität.

Denn genau die Dinge, die sie früher für die Partnerin interessant gemacht haben, wie etwa ein außergewöhnliches Hob­by oder der Spaß am Kochen, bleiben bei der Fixierung auf die Arbeit auf der Strecke.«

Doch ist das wirklich nur ein reines Männerproblem, immerhin gibt es auch genug Frauen, die viel arbeiten und dadurch zurück stecken müssen? »Natürlich«, nickt Koeverden, fügt aber relativierend hinzu: »Frauen haben allerdings eher die Fähigkeit ihr Leben in Balance zu bringen. Die Arbeit ist ihnen wichtig, verdeckt aber nicht das Bedürfnis soziale Kontakte zu pflegen oder Hobbys weiter auszuführen. Sie schaffen von sich aus einen Aus­gleich und sind dadurch automatisch reicher; seelisch betrachtet.«

Was Männer wollen


Das Leben der Männer ebenfalls in Balance bringen ist daher erklärtes Ziel seiner Männergruppe. So sollen die Teilnehmer dazu animiert werden wieder Zeit für sich zu investieren, für Hobbys oder ein tiefgründiges Gespräch mit Freunden. Den Männern einen Spiegel vorhalten ist daher die erste Handlung in den Männergruppen oder bei Männertagungen.

Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen: »Beim letzten Männertag haben wir große Poster an eine Spiegelwand geklebt und die Teilnehmer gebeten ihre Prioritäten zu ordnen.« Ergebnis: Der Beruf stand bei allen Teilnehmern an vorderster Stelle. Der nächste Schritt in der Männergruppe heißt daher reden. »Dabei ist es wichtig, dass die Männer einfach loswerden können, was ihnen auf der Seele liegt, ohne dass das Gesagte gleich bewertet wird«, weiß Koeverden.

Genau das ist seine Aufgabe: Er moderiert, dirigiert und gibt Tipps wenn diese erwünscht sind. Wenn nicht, hört er einfach nur zu und hat dabei schon einige interessante Beobachtungen gemacht: »Da sich die meisten Teilnehmer jahrelang nur auf ihren Beruf konzentriert haben, können sie sich auf diesem Gebiet gewählt und sicher ausdrücken. Für alltägliche Konversationen müssen sie gewissermaßen die Vokabeln wieder auffrischen. Wobei wir wieder beim Anfang wären: Während der Durchschnittsmann gerade mal auf drei Gefühle kommt, fallen der Durchschnittsfrau zwischen acht und zehn ein.«

Visionen und Träume


Doch die Alltagsvokabeln wieder aufzufrischen ist nicht das primäre Ziel der Männergruppe. Lang vergessene und vielleicht schon aufgegebene Wünsche und Visionen sollen wiederentdeckt und neu belebt werden. Denn, so Koeverden: »Jeder Mann hat doch in jungen Jahren gewisse Vorstellungen, die er gerne in die Tat umsetzen möchte. Viele gehen im Alltag verloren. In den Gesprächen kommen sie wieder zum Vorschein und werden ins rechte Licht gerückt.« Das müssen nicht gleich weltbewegende Sachen sein, bei einigen kommt die lang vergessene Kochleidenschaft wieder zum Vorschein. Fazit: »So hat auch frau etwas von den Männergruppen.«

Infos:
www.maenner-mainz.de
außerdem: Institut für Kreative und Systemische Therapien,
Praxis für Coaching und Beratung
Wallaustr. 74 55118 Mainz
Tel. 06131-618272
info@IKST.de
www.IKST-Mainz.de


Katrin Henrich