Heft 221 Februar 2009
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Digitale Medien

Nicht nur eine Kostenfrage:

Hauptsache die Technik stimmt!


Gundal
Michael Gundall, Fernsehtechnik-Ingenieur, von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz

Die Zeichen stehen auf Digitalisierung, das gilt auch für die Fernsehlandschaft. Welche Formen des digitalen Fernsehens gibt es? Hat der analoge Fernsehanschluss noch eine Zukunft und wo sind die Stolperfallen bei der Umstellung auf digitales Fernsehen? Aufklärung verspricht die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: Michael Gundall, studierter Fernsehtechnik-Ingenieur, bringt für den MAINZER Licht in den vermeintlichen Dschungel der digitalen Fernsehformen.

Früher genügte eine einfache Hausantenne und schon flimmerten bunte Bilder über den Fernseher. Analoge Terrestrik heißt diese Form der Fernsehübertragung, die seit Dezember 2008 in Deutschland der Vergangenheit angehört. Das heißt aber nicht, dass es kein terrestrisches Fernsehen mehr gibt, dieses ist mittlerweile nur nicht mehr analog, sondern digital: im Fachjargon nennt sich das Ganze DVB-T.

»Das T steht für die terrestrische Übertragung. Das Kürzel DVB steht indes für Digital Video Broadcasting, also für digitale Fernsehausstrahlung allgemein«, erklärt Gundall und fügt hinzu: »DVB kann man sich bildlich sehr schön als Container vorstellen, die Bilder, die zu Hause auf den Fernsehschirmen ankommen sind die jeweilige Ladung. Jetzt kann allerdings das Transportmittel variieren: also entweder via Antenne, sprich DVB-T, via Satellit, also DVB-S oder via Kabel also DVB-C.«

Der Stand der Dinge


Während die Terrestrik schon komplett auf digitale Übertragung umgeschwenkt ist, besteht bei Kabel und Satellit noch Digitalisierungsbedarf. Dazu Gundall: »Vergleicht man die Zahlen, so wird schnell deutlich, dass die meisten Kabelfernsehnutzer analog bedient werden: Nur 20 Prozent emp­fangen ihre Programme digital. Bei den Satellitenanlagen haben wir hingegen eine Digitalisierungsquote von 70 Prozent.« Ein Ende der analogen Satellitenübertragung ist daher abzusehen. Voraussichtlich 2011 soll das Satellitennetz komplett digitalisiert sein. »Es ist für die Fernsehanstalten einfach zu teuer so viele verschiedene Übertragungstechniken gleichzeitig zu betreiben«, erklärt Gundall. Probleme bei dieser Umstellung wird es kaum geben, denn: »Sowohl für analoges als auch für digitales Satellitenfernsehen braucht der Verbraucher einen Receiver. Welcher Art dieser Receiver ist, macht in der Nutzung kaum einen Unterschied.«

Ist der Ruf erst ruiniert...


Bleibt das vermeintliche Problemkind Kabelfernsehen. Ein Grund für die schlechte Bilanz des digitalen Kabelfernsehens liegt laut Gundall darin, dass die meisten Kabelanschlüsse in Mehrparteienhäusern zu finden sind: »Hier liegt es am Vermieter die sogenannte Hausverteilung für den digitalen Anschluss zu modernisieren, da nur im Idealfall auch ohne jegliche Modernisierung des Kabelnetzes der digitale Empfang möglich ist. Will der einzelne Mieter auf digitales Fernsehen umsteigen, ist das oft mit Mehrkosten verbunden.« Denn: Häufig sind die Kosten für den analogen Kabelanschluss in den Nebenkosten enthalten. In einem solchen Fall bedeutet der Wunsch nach digitalem Fernsehen den Abschluss eines Zusatzvertrages, das Konto wird monatlich noch einmal mit 3 bis 5 € zusätzlich belastet. Diese Zusatzkosten sind laut Gundall wahrscheinlich dafür verantwortlich, dass der Digitalkabelanschluss den Ruf hat teuer zu sein. Daher ist es Gundall wichtig zu betonen: »Prinzipiell ist bei Einzelnutzerverträgen ein digitaler Kabelanschluss nicht teuerer als ein analoger«, fügt jedoch warnend hinzu: »Es gibt aber Fallen, die es zu umschiffen gilt.«

Digitale Medien Ist die Kabelanlage modernisiert, können in der Regel die unverschlüsselten öffentlich-rechtlichen (etwa 30 Fernsehsender) und die öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogramme empfangen werden – wenn ein entsprechender Receiver zur Verfügung steht; den gibt es im Fachhandel zu kaufen (ab 40 € je nach Qualität bis zu 100 €).

Für den Empfang der grundverschlüsselten Privatsender (Pro 7, SAT.1, RTL etc.) ist jedoch ein Zusatzvertrag für die Entschlüsselung erforderlich der zwischen 3 € (für die Smartcard) bzw. 5 € für (Smartcard und Miet-Receiver) pro Monat zu Buche schlägt.

Bei diesen Zusatzverträgen gilt es das Kleingedruckte genau zu lesen, da sie, so Gundall, zu Kostenfallen werden können: »Diese Zusatzverträge enthalten meist schon ein Probeabo für ein Pay-TV Angebot mit rund 30 zusätzlichen Programmen, das nach Ablauf der kostenlosen Testmonate jedoch weitere Kosten verursacht. Will man das vermeiden, muss dieses Abo explizit gekündigt werden. Versäumt man diese Frist, hat man die nächsten neun Monate entsprechende Mehrkosten von rund 12 € zu tragen.« Kurz gesagt, versuchen die Kabelnetzbetreiber mit diesen Sonderpaketen den Verbrauchern das Pay-TV schmackhaft zu machen.

Bleibt die Frage, ob auch für den analogen Kabelanschluss, wie für das analoge Satellitenfernsehen, ein Ende absehbar ist? Gundall gibt Entwarnung: »Wann das Kabelfernsehen komplett digitalisiert sein wird, ist noch nicht abzusehen. Ich tippe auf 2020 oder 2025.«

           Katrin Henrich

Infos:
Telefonische Beratungsgespräche der Verbraucherzentrale: 01805 60756060
Terminabsprache für persönliche Beratungsgespräche: 06131-284820


Konkret

Digitales Fernsehen via Kabelanschluss –
ein Problem für Mieter?

In Mietwohnungen ist nur im Idealfall der digitale Empfang ohne Modernisierung der Hausverteileranlage möglich – wenn der entsprechende Receiver vorhanden ist! Wer, außer den unverschlüsselten Öffentlich-Rechtlichen Sendern, zusätzliche Programme schauen will, muss mit dem Kabelnetzbetreiber einen Zusatzvertrag abschließen.

Meistens ist für den digitalen Empfang in einer Mietwohnung eine geeignete Hausverteilanlage erforderlich, deren Modernisierung ist Sache des Eigentümers, da der Kabelnetzbetreiber nur bis zu dem so genannten Hausübergabepunkt verantwortlich ist. Diese Modernisierungskosten werden in der Regel über die Nebenkostenabrechnung auf die Mieter umgelegt, sofern im Mietvertrag vorgesehen – wobei noch darüber gestritten wird, ob das rechtlich zulässig ist: Ist die Bereitstellung eines digitalen Kabelempfangs tatsächlich eine Maßnahme zur »Erhaltung und Verbesserung der überlassenen Räume«, lautet eine noch nicht eindeutig geklärte Frage und die zweite: Bedarf es einer Zustimmung der Mieter für diese »Modernisierung«, da die nachfolgenden Kosten meist um ein Vielfaches über den bis dato mit den Betriebskosten abgerechneten Kabelkosten liegen.

Außerdem braucht, wer nicht nur digital zahlen sondern auch digital schauen und hören möchte, auf jeden Fall einen entsprechenden Receiver – und wer, außer den unverschlüsselten Öffentlich-Rechtlichen Sendern zusätzliche Programme schauen will, muss einen Zusatzvertrag mit dem Kabelnetzbetreiber abschließen.

Übrigens: Anders als bei Strom oder Gas können Verbraucher ihren Kabelnetzbetreiber nicht aussuchen. Dennoch kann nicht von einer Monopolstellung im Kabelnetz die Rede sein – aufgrund der Alternativen DVB-T, Satellitenempfang oder IPTV. Glücklich ist, wer sich selbst die Art des Empfangs aussuchen kann.

SoS