Heft 220 Januar 2009
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Theater

Auf großen und kleinen Bühnen:

Ehrungen für Zuckmayers Vermächtnis

Fröhlichen Weinberg
Theaterspieler der Carl-Zuckmayer-Geselleschaft in einer Szene aus dem »Fröhlichen Weinberg«


Mit Carl-Zuckmayer lässt sich auch 2009 Theater machen: Zum einen im Mainzer Staatstheater als Namensgeber eines Kultur-Preises und zum anderen als Autor und Impulsgeber für das Spiel historischer und zeitkritischer Stücke vom Nackenheimer Laien-Theater der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft.

Verdienste um die deutsche Sprache


Am 20. Januar ist es wieder soweit. Dann wird im Mainzer Staatstheater der Literaturpreis des Landes Rheinland Pfalz, die Carl-Zuckmayer Medaille, zusammen mit einem 30 Liter Fass Nackenheimer Wein an einen Promi aus der Kultur- und Medienszene verliehen. In die Schar der Preisgekrönten darf sich dann der Filmemacher Volker Schlöndorff einreihen und sich für seine »Verdienste um die deutsche Sprache und um das künstlerische Wort«, wie das Motto des Preises lautet, zuprosten lassen.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem der Rockmusiker Udo Lindenberg (2007), der Schriftsteller Bodo Kirchhoff (2008) und der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch (1989). Vor sechs Jahren teilten sich Monika Maron (die neue Mainzer Stadtschreiberin) und der Journalist Wolf von Lojewski Fass und Medaille.

In diesen Reigen der deutschen Top-Kulturschaffenden scheint der in Wiesbaden geborene Schlöndorff bestens zu passen, zählt er doch mit zu den erfolgreichsten deutschen Regisseuren. Berühmt geworden ist er mit seiner Verfilmung des gesellschaftskritischen Romans »Die Blechtrommel« von Günter Grass, für die er 1980 einen Oskar bekommen hat.

»Bei hoher Werktreue setzt Volker Schlöndorff Sprache und Literatur in Bilder und Filme um. Damit begeistert er nicht nur ein deutsches Publikum für internationale Literatur, sondern auch ein internationales Publikum für deutsche Literatur«, begründet Ministerpräsident Kurt Beck die Entscheidung für den Autorenfilmer und betont, dass Schlöndorff in seinen Filmen, ganz im Zuckmayerschen Sinne, Außenseiter in den Focus rücke, die durch soziale, gesellschaftliche oder politische Umstände benachteiligt oder im Leben schlecht weggekommen seien.

Szene
Schreck lass nach: Szene aus »Der eingebildete Kranke« – der leben-diger ist, als es seiner Frau lieb ist.

Amateure - keine Laien!


Wesentlich konkreter wird das Zuckmayer’sche Erbe am Geburtsort des Dichters weiter geführt: Seit 1972 bringen die Amateur-Theaterspieler der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft mit großem Erfolg nicht nur Teile des Zuckmayerschen Oeuvres auf die Büh­ne, sondern auch andere gesellschaftskritische Dramen.

Auf dem Spielplan 2009 stehen eine englische Komödie, zwei Mundartstücke und eine Kabarett- und Schlagerrevue. Ein zirka 50-Kopf starkes Team präsentiert die von Mitte Mai bis Ende August stattfindenden Aufführungen zumeist auf der Freilichtbühne im Weingut Gunderloch in Nackenheim, aber auch in der Mainzer Zitadelle.

Den Auftakt bildet das englische Erfolgsstück »Bunbury« von Oscar Wilde, das unter dem Motto »Cool Britannia« des Kultursommers Rheinland-Pfalz aufgeführt wird. Turbulent und doppeldeutig geht es in dieser Komödie um echte und falsche Identitäten, die sich zwei Lebemänner zulegen, um ihrer Alltagswelt zu entfliehen. Schnell werden sie jedoch von der Realität wieder eingeholt, wenn es um die große Liebe geht.

Nach der Persiflage der englischen Prüderie und des snobistischen Lebensstils des viktorianischen Zeitalters folgt Anfang Juni eine Kabarett- und Schlagerrevue mit Musik der 1920er und 1930er Jahre. »Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da!«, versprechen »Pomaden-Exzentriker« Denis Wittberg und seine Schellack-Solisten, die formvollendet in Frack und Feder-Boa zusammen mit der Fernsehmoderatorin und Diseuse Ulrike Neradt Schlager und Couplets der Golden Twenties präsentieren.

Mundartlich geht es weiter durch den Sommer, wenn »Der eingebildete Kranke« von Molière in der Adaption von Heinz-Otto Grünewald auf »rhoihessisch« leidet und auf Rettung mittels des richtigen Schwiegersohns hofft. Um die Frage nach dem rechten Bräutigam geht es ebenfalls in der mit derbem rheinhessischem Humor gespickten Lokalposse »Der fröhliche Weinberg« von Carl Zuckmayer. Das Stück wird nicht nur in Nackenheim, sondern (in Kooperation mit der Initiative Zitadelle Mainz) zweimal in der Mainzer Zitadelle aufgeführt – ganz nah am einzigen innerstädtischen Mainzer Weinberg.

Infos und Termine
der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft:
www.carl-zuckmayer.de

Garek