Heft 220 Januar 2009
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Kunst & Kinder

Nicht nur für Grundschulkinder:

Spielerischer Zugang zur Kunst


Kinder in der Mainzer Kunsthalle

Die im letzten März neu eröffnete Mainzer Kunsthalle hat sich Kunstvermittlung für Kinder und Jugendliche groß auf die Fahnen geschrieben. Was heißt das und wie funktioniert das? Der MAINZER hat zusammen mit der Klasse 4a der Theodor-Heuss-Schule recherchiert. Am Mittwoch, den 26.11.08, war es endlich soweit. 25 Schüler und Schülerinnen aus Hechtsheim nehmen am »Forscherspiel für Grund­schulklassen« der Mainzer Kunsthalle teil. Der Titel lautet: »Von Filmkulissen, Luftschlössern und Raumgespinsten...«. Doch was steckt dahinter? Kind mit Kunst Diplom-Pädagogin und Kunsthistorikerin Angelika Klessinger lässt die Kinder die Antwort dazu selber finden. In großer Runde beginnt eine wilde Diskussion. Jeder lässt seiner Phantasie freien Lauf, bis Emil es auf den Punkt bringt: »Man denkt, es gibt einen Raum, aber es gibt ihn gar nicht.« In kleinen Arbeitsschritten geht es weiter. Eine erste Vorstellung über nicht vorhandene Räume gibt es vorerst als Fotokopie. Zu sehen ist darauf ein sakrales Deckengemälde. Aber wo gibt es so was, wer hat so was schon mal gesehen, wer kann es beschreiben? Unauffällig spannt die Kunstpädagogin ein Netz aus Fragen in die Diskussion, an das sich die Kinder entlang hangeln und es begeistert weiterspinnen. Anderes Kind mit Kunst Weiter geht es zum ersten Ausstellungsobjekt: eine schwarz-weiße Rauminstallation von Christine Rusche. Geschickt macht Klessinger die Kinder auf Besonderheiten aufmerksam. So stellt Theresa fest, dass die Beleuchtung bei dieser Darstellung dreidimensionaler Effekte sehr wichtig sei, während Leo die linearen Fluchtlinien hervorhebt. »Schau mal, das sieht wie ein Haus aus, das nach außen geht«, setzt er an, wird aber von Mattea unterbrochen, die findet, dass es sich doch wohl eher zur Seite neige. Oder vielleicht auch nach innen? Kann man das so genau sagen? Kann man so etwas als Luftschloss bezeichnen? Die nächste Station ist die Installation einer Küche des Drahtkünstlers Frinz Panzer. Von weitem wirkt das Kunstwerk wie eine Zeichnung im Raum, entpuppt sich jedoch bei näherer Betrachtung als Skulptur. Ein Raumgespinst sozusagen, umgeben von Luft und Leere und nicht so richtig von dieser Welt. Geschaffen wie für Geister und Gespenster, finden Benjamin und Nele. Noch ein anderes Kind mit Kunst Doch die Zeit rast. Rund 1,5 Stunden sind für die Führung vorgesehen. Angelika Klessinger dirigiert die Kinder in den dritten Stock des markanten Museums-Turms. Allein das Treppenhaus ruft Schwindelgefühle hervor, oben im Ausstellungsraum wirkt die Schräge jedoch weniger bedrohlich. Das Auge hat hier genügend Fixpunkte, um sich festzuhalten. Die Exponate von »Heike und Toni« scheinen jedoch nichts mehr mit dem Titel des Forscherspiels zu tun zu haben, denn als Filmkulisse sind sie nicht zu verifizieren. Der Aspekt Filmkulisse fällt aus Zeitmangel unter den Tisch. Das Programm wird nonchalant gekürzt. Zumal die Kinder nach jeder ausführlichen Besprechung der Exponate die Gelegenheit bekommen haben, selbst künstlerisch aktiv zu werden: Ob malerisch oder literarisch, das Repertoire ist weit gesteckt. Das kostet Zeit, aber die braucht man auch. »Zeitgenössische Kunst ist oft schwere Kost«, räumt Klessinger ein. Da braucht man Pausen, um alles zu verdauen. Trotz des Ausfalls der »Filmkulissen« sind fast alle Kinder vom Besuch der Kunsthalle begeistert, Mattea fand es »wundervoll« und Lea spricht zum Schluss im Namen aller aus: »Frau Klessinger hat die Kinder und mich sehr gut in die moderne Kunst eingeweiht.«


Garek