Heft 220 Januar 2009
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Showbühne Mainz:

Vorhang auf für individuelle Kleinkunst


Sebastian W. Wagner: Betreiber der Showbühne, Pro­du­zent, Autor und Schauspieler.
Sebastian W. Wagner: Betreiber der Showbühne, Pro­du­zent, Autor und Schauspieler.

Der Spielplan der Showbühne Mainz erstaunt angesichts seiner Vielfalt. Von Kabarett und Komödie über Musical und Revue bis zu monatlich wechselnden Musikveranstaltungen aus dem Genre Jazz und Chanson. Mit viel Kreativität und Engagement betreibt das Ehepaar Sebastian Wolfram Wagner und Daniela Wagner seit über zweieinhalb Jahren die Klein-Kunst-Bühne an der Großen Bleiche. Doch noch immer lässt der große Besucheransturm auf sich warten. »Obwohl wir jeden Monat sehr viel Werbung machen, ist unser Bekanntheitsgrad in der Stadt zu gering«, erklärt der 28-jährige Wagner, der in Personalunion Intendant, Theaterleiter und Produzent ist. Dabei braucht das Bühnenprogramm in Auswahl und Angebot den Vergleich mit anderen Bekannten der Klein-Kunst-Szene nicht im Geringsten zu scheuen. Regelmäßig treten die Musical Factory und der Kabarettist Frank Fischer mit seiner populären Satire »Deutsch als Fremdsprache« auf, und neben eingekauften Unterhaltungsstücken zeigt das Theater Sebastian Wagners Eigenproduktionen mit wechselndem Ensemble. Auch Nachwuchskünstler erhalten in verschiedenen Aufführungen die Möglichkeit, ihr Können und Talent darzustellen. »Gerne würden wir Lars Reichow bei uns auf der Bühne sehen. Leider ist er vertraglich an das Unterhaus gebunden und darf somit nicht in anderen Häusern in Mainz spielen«, sagt Wagner, der selbst in vielen Vorstellungen mitspielt und als erfahrener Schauspieler jahrelang bei den Märchenfestspielen in Hanau, den Mainzer Kammerspielen und den Städtischen Bühnen Lahnstein auftrat.

Auch ohne Steuergelder: Gutes Programm


Theaterstücke und Revuen, die von Sebastian W. Wagner geschrieben 
werden, tragen zum individuellen Klein-Kunst-Charakater bei.
Theaterstücke und Revuen, die von Sebastian W. Wagner geschrieben werden, tragen zum individuellen Klein-Kunst-Charakater bei.

Die Idee, einen Teil des ehemaligen CC-Kinocenter in ein Theater zu verwandeln, entstand spontan als ein Schauspielkollege dem studierten Musiker und seiner Frau, einer Musikpädagogin, die leer stehenden Räumlichkeiten zeigte. »Der Kinosaal ist absolut geeignet für unser Bühnenkonzept. Der Anfang war jedoch sehr schwer, denn wir mussten mit geringem Eigenkapital das Projekt starten, da uns keine Bank einen Kredit geben wollte«, erzählt der Showbühnen-Leiter, »und wir sind das einzige Theater in Mainz, das nicht von öffentlichen Stellen gefördert oder von Sponsoren subventioniert wird. Alle unsere Anträge und Anfragen wurden bisher abgelehnt.« Erklären kann sich der Hofheimer die Umstände nur damit, dass er noch nicht über die für Mainz so wichtigen politischen Verbindungen zu den Stellen verfüge, die die Verteilung von Fördermitteln an Kulturprojekte verantworten. Dass das junge Künstlerpaar dennoch kostendeckend arbeitet, obwohl die über 120 Vorstellungen pro Jahr keinen Gewinn einbringen, verdanken sie der großen Unterstützung ihrer Familienmitglieder, die sich um Webauftritt, Bühnen-Technik und sonstige organisatorische Dinge rund um die Bühne kümmern. Trotz der schwierigen Situation sieht Sebastian Wolfram Wagner optimistisch in die Zukunft: »Für uns ist es wichtig ein gutes und vielseitiges Unterhaltungsprogramm auf die Beine zu stellen, und das wird auch die Besucher überzeugen. Wir sind stolz darauf, dass wir die Showbühne schon so lange ohne fremde Hilfe halten konnten. Jetzt machen wir erst recht weiter!«


Ursula Spengler

Infos:
Showbühne Mainz
Große Bleiche 17, 55116 Mainz,
Tel.: 06131 - 2116444 (auch Tickets)
www.showbuehne-mainz.de

Die Theaterkasse der Showbühne ist eine Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet.