Heft 219 dezember 2008
Werbung




Mainzer Köpfe

Katharina Knap:

»Ich spiele für Kinder, nicht für Kritiker«


Knap

Nervös ist sie, mehr als sonst vor Premieren, denn: »Es ist eine riesige Herausforderung, schließlich schaut mir das kritischste Publikum zu, das es überhaupt gibt.« Die Schauspielerin Katharina Knap hat schon einige Premieren mit Bravour hinter sich gebracht, zuletzt als Ophelia in Hamlet; wieso ausgerechnet so viel Lampenfieber als »Kleine Hexe« im Weihnachtsmärchen des Mainzer Staatstheaters? »Dieses Publikum besteht aus kleinen ehrlichen Leuten, die genau spüren, ob ich meine Rolle ernst meine.« Andererseits, wenn es ihr gelingt, die Kinder zu bannen, ist der »Kleinen Hexe« überschwänglicher Dank und Freude sicher: »Wer morgens um 9 Uhr schon von 900 Kindern beklatscht wird, der schwebt auf Wolken durch den Tag«, ist die 26-Jährige sicher.

Ärztin oder Schauspielerin?

Seit 2006 gehört Katharina Knap zum Mainzer Ensemble, Intendant Mathias Fontheim hatte sie zum Umzug von Graz nach Mainz bewegt. »Der Rhein, die Mainspitze, hier ist alles weiter, nicht so eng wie in Graz. Im Sommer abends am Flussufer sitzen – das gefällt mir alles sehr gut, ich fühle mich hier zu Hause«, sagt sie mit einem überzeugenden Strahlen in den Augen und: »Hier ist immer etwas los auf den Straßen, Stände, an denen man sich trifft oder einen Sonntag lang einkaufen zu können, wie kürzlich beim Mantelsonntag – man ist nie alleine!« Die große Entfernung zu den Eltern in Wien wird Katharina Knap durch die geringe Distanz zu ihrer Schwester und dem kleinen Neffen versüßt: »Die leben in Dortmund und da bin ich von Mainz aus in nur zwei Stunden.« Nach Graz kam die gebürtige Wienerin um Medizin zu studieren – Ärztin lautete der Berufswunsch. In ihr drin war aber noch etwas anderes, das beim Anblick der Grazer Universität für Musik und Darstellende Kunst klar sagte: »Da gehst Du jetzt rein und erkundigst Dich.« Eine gute Idee, der die bestandene Aufnahmeprüfung und das Schauspiel-Studium folgte, dazu drei Spielzeiten in Graz und in Mainz spielt Katharina Knap nun auch schon die dritte Saison.

Knap

Alles irgendwie verhext

Auf dem aktuellen Spielplan steht Katharina Knap auch als Ophelia, die wimmernd über die Bühne strauchelt – gibt es eine Verbindung zu der lustig durch die Theaterluft fliegenden »Kleinen Hexe«? »Die Grenze zwischen Realität und Nichtrealität, auch die Magie, die in den Figuren und Geschichten steckt, das verbindet diese Rollen, dazu zählt auch noch die Michaela Klinger in ‚Requiem’ (Mainz, Spielzeit 2006/07, Anm.d. Red.) und mich interessieren diese Figuren, zumal ich ihnen mit innerer Freiheit, mit einer gewissen Distanz begegnen kann.« Außerdem gehören Hexen seit ihren Kindertagen zum Leben, mit Bibi Blocksberg im Ohr schlief sie gerne ein. Unter den von ihr gespielten irgendwie mystisch, magischen Figuren, sticht die »Kleine Hexe« auf jeden Fall als die »Gute« hervor und sie erfordert ganzen Körpereinsatz: »Ich fliege, ich singe mit einer Liveband auf der Bühne, ich habe richtig Zaubern gelernt und mir dazu selbst ganz viele Formeln aus den Merseburger Zaubersprüchen ausgewählt.« Und die anfängliche Skepsis gegenüber dem »altbackenen« Text (Ottfried Preußlers Kinderbuch stammt von 1957, Anm.d.Red) wandelte sich in Wohlgefallen: »Ein schöner Kontrast zum grell-punkigen Spielgeschehen.« Katharina Knap freut sich sichtbar auf das Weihnachtsmärchen und dass die 35 Vorstellungen ihren Lebensrhythmus durcheinander wirbeln, macht nichts: Um 7 Uhr aufstehen, um 8 Uhr in die Maske und um 9 Uhr auf die Bühne, nachmittags Proben für das neue Stück »Radio Unfertig – der Film TV« das am 23.Januar Premiere hat. Überzeugt ist Katharina Knap dass sie die ganz besondere Nervosität rundum die »Kleine Hexe« in den Griff bekommt: »Ich empfinde es als ein großes Abenteuer, den kleinen und großen Zuschauern zeigen zu können, was ich alles - extra für sie – gelernt habe. Außerdem spiele ich für die Kinder, nicht für die Kritiker.«

Knap Info:
»Die kleine Hexe« von Otfried Preußler, Inszenierung Marcus Mislin; Spielplan unter: www.staatstheater-mainz.com
Kartenbestellung: Tel: 06131/2851-222, Fax: 06131/2851-229
kasse@staatstheater-mainz.de : online Tickets (nur mit VISA oder MasterCARD möglich), oder direkt an der Theaterkasse:
Mo bis Fr: 10 bis 19 Uhr | Sa: 10 bis 15 Uhr


SoS