Heft 218 November 2008
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Interview

Interview mit dem Unterhaltungskanzler Lars Reichow

»Mehr Narrhalla für alle!«



Der Unterhaltungskanzler Lars Reichow
Herr Unterhaltungskanzler, warum stellen Sie sich zur Wahl?

Reichow: Schauen Sie, mit Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier haben wir zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland die Situation, dass wir zwei Kandidaten haben für das Kanzleramt, deren Mundwinkel beide nach unten zeigen. Guido Westerwelle will Bundeskanzlerin werden, Peter Sodann möchte Staatsratsvorsitzender sein und wer weiß, wen die Grünen noch aus der Jute-Tasche rausholen. Ich verstehe mich als Gegenentwurf zu einer depressiven und ineffektiven Tagespolitik. Mit mir wird nicht alles leichter, aber ganz sicher etwas unterhaltsamer!

Einen besonderen Schwerpunkt wollen Sie mit Ihrer Politik in Mainz legen. Wo brennt es in unserer Stadt?

Reichow: Nirgendwo! Das ist ja das Problem: Die Wohlfühl-Regierung, die sich in Mainz dank der XXL-Koalition gebildet hat, kümmert sich rührend um alles, was anliegt. Trotzdem stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit solcher Maßnahmen: Wir brauchen mehr Streit, mehr Feuer und Leidenschaft, mehr Gut und Böse in der politischen Auseinandersetzung. Entweder kommt jetzt ein Atomkraftwerk oder ein Sonnenkollektor – aber bitte kein Kohlekraftwerk mit einem Filter, der fast alle Schadstoffe festhält.

Ist die große Koalition in Mainz am Ende?

Reichow: Im Gegenteil: Die Mainzer Runde lebt von gefühlten Erfolgen. Wenn Politiker gegensätzlicher Position jahrelang zusammen Wein trinken und Fleischwurst essen, dann haben sie irgendwann vergessen, wo genau der Gegensatz liegt. Man einigt sich über vieles, vor allem aber darüber, dass man auch nach der nächsten Wahl wieder miteinander zusammensitzen will.

Warum gibt es so wenige gläserne Aufzüge in Mainz?

Reichow: Aufzüge kosten Geld. Viel mehr Geld als Umzüge. Ich kann mir einen »Gläsernen« am Staatstheater nur in Verbindung mit einem Eintrittsgeld für den Rosenmontagszug vorstellen. Also eher nicht. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit mit einer Abschussrampe, mit deren Hilfe die Gäste ins Restaurant geschossen werden und eben – wenn’s daneben geht – im Theater landen.

Wird die Fastnacht das nächste Opfer der Finanzkrise?

Reichow: Im Gegenteil! Die Fastnacht profitiert antizyklisch, d.h. je schlechter die Stimmung im Land, desto besser wird die Kam-pagne. Ich bin sicher, dass sowohl Büttenvortrag als auch Gardetanz von der Krise profitieren werden. Eins ist klar: Wir müssen in Zukunft den Schwellkopf enger schnallen!

Welche Perspektiven sehen Sie für die Stadt Mainz?

Reichow: Wir brauchen mehr Narrhalla für alle! Die Ausweitung von Mainz über Finthen hinaus ist eine Möglichkeit, aber ich sehe auch Chancen jenseits des Rheins. Neulich geriet ich versehentlich in ein Gespräch mit einer Gruppe von Wiesbadenern. Die Leute haben mir glaubhaft versichert, dass sie lieber heute als morgen Mainzer wären. Es kann nicht sein, dass wir die Menschen im Kaukasus ernster nehmen als die in Amöneburg, Kastel und Kostheim. Alle warten auf den Einmarsch ... äh eine Einigung. Ich sehe aber auch gute Chancen, zusätzlich die Vororte Biebrich, Schierstein und Dotzheim einzugliedern – meinetwegen in der Übergangsphase als »Wiesbainzer«.

Welche Lösung sehen Sie für den Flugverkehr über Mainz?

Reichow: Den »Himmel über Mainz« darf man – und da bin ich mir einig mit Kardinal Lehmann – nicht den Flugzeugen überlassen. Die Mainzer, insbesondere in Drais, auf dem Lerchenberg, dem Großberg, in Bretzen- und Laubenheim, haben ihre Schuldigkeit getan. Längst ist die Zeit reif für eine Umgehungsfluglinie. Ich bin sicher, dass die großen Jets ohne Probleme auch über Wiesbaden absacken können, um dann mit einem Schwenk über die Villengebiete im Taunus in aller Ruhe auf der Startbahn West zu landen.

Welche Chancen sehen Sie für Mainz im Bereich Ausbildung?

Reichow: Neben der Gesamtschule muss auch endlich eine »Ganztagsnarrenschule« her. Wir brauchen mehr Nachwuchs im Unterhaltungsbereich, insbesondere Experten aus den Fachberufen »Diplom-Marketenderinnen« und »Tresen-Ingenieure« werden händeringend gesucht. Ich bin sehr glücklich, dass jetzt wieder laut über die Ausbildung zum »Kfz-Funkenmariechen« und »Zugplakettchen-Fachverkäufer« nachgedacht bwz. gelacht wird. Wir brauchen mehr Tiefgang: Mit dem Kulturdezernenten Prof. Dr. Krawietz bin ich im Gespräch über die Errichtung eines vierzügigen Narrenschiffs am Winterhafen.

Haben Sie eine Vision?

Reichow: Oh ja. Wir leben in einer der schönsten Städte Europas. Wir haben die besten Brezeln der Welt, die längsten Fleischwürste und den härtesten Straßenbelag der Welt (am Höfchen). Was kann uns passieren? Die Fastnacht ist nicht nur unsere Vergangenheit, vor allem aber ist sie die Zukunft: Eine Finanzkrise, eine Klimakatastrophe und auch fehlende Aufzüge an Staatstheatern, so etwas kann man auf Dauer nur verkraften, wenn man sich selbst nicht mehr ernst nimmt. Mein Traum wäre, am Rosenmontag in einem Prunkwagen der Mainzer Verkehrsbetriebe über die Theodor-Heuß-Brücke zu fahren. Und danach ins Freibad.

Herr Unterhaltungskanzler, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

(-mdl-)

Termine

Lars Reichow & Lalelu, Der Unterhaltungskanzler mit der sensationellen A Capella Gruppe Lalelu.
9. November – Frankfurter Hof
Karten unter 06131-220438 und
lachland ltd. 06131-602535-0

Lars Reichow – Der Unterhaltungskanzler. Das neue Programm.
1. - 6. Dezember – unterhaus Mainz
Karten unter 06131-232121

Lars Reichow – Himmel und Hölle. Das neue Weihnachtsprogramm.
21. Dezember – Frankfurter Hof
Karten unter 06131-211500 und
lachland ltd. 06131-602535-0