Heft 218 November 2008
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Bestattungen

Sozialbestattungen

Wenn die Stadt die Kosten übernimmt

Foto: djd
Foto: djd

»Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben«, heißt es im Volksmund. Bei manchen Menschen reicht das Geld aber nicht einmal zum Sterben dann muss die Kommune in die Bresche springen. Pro Jahr werden in Mainz an die 60 so genannte Sozialbestattungen durchgeführt. Normalerweise sind laut Gesetz die nächsten Angehörigen eines Verstorbenen in der Pflicht. Haben die aber zu wenig Geld, kümmert sich das Sozialamt um die Kosten entweder vor der Bestattung oder danach, wenn die Angehörigen einen entsprechenden Antrag einreichen. Gibt es gar keine Verwandten mehr, dann ist das Ordnungsamt zuständig.
Selbst auswählen können die Angehörigen den Bestatter nicht. Die Stadt hatte die Durchführung von Sozialbestattungen ausgeschrieben. Zurzeit ist das Mainzer Unternehmen Rech beauftragt. Das Sozialamt zahlt laut Stadtsprecherin Ellen König für eine Urnenbeisetzung circa 1.300 Euro. Wenn vom Verstorbenen keine Verbrennung erwünscht war, dann trägt sie die Kosten für eine Erdbestattung von rund 1.800 Euro. Ein schlichter Sarg samt Innenausstattung und Totenkleidern, die Todesbescheinigung, die Bestattung bzw. Einäscherung, Trauerfeier, ein Reihengrab und die Erledigung aller Formalitäten sind damit bezahlt. Nicht übernommen werden die Kosten für Todesanzeigen, die Bewirtung der Trauergäste oder besondere religiöse Dienstleistungen.
Beerdigt werden die Menschen bei Sozialbestattungen in der Regel in dem Stadtteil, wo sie gewohnt haben. Hat ein Stadtteil keinen Friedhof, wird in Mainz-Drais bestattet. »In machen Fällen äußert der Verpflichtete auch den Wunsch einer auswärtigen Beerdigung. In diesen Fällen beteiligen wir uns in der Regel mit den Kosten, die in Mainz für die Durchführung der Bestattung entstanden wären«, erklärt König. Lediglich in den Fällen, wo es keine Hinterbliebenen gebe, sei der Ort festgelegt: »Die Menschen werden in einem Urnen-Rasenreihengrab in Mombach bestattet. Eine Stele an diesem Grab verzeichnet die Namen und Standorte der einzelnen Urnengräber«, so König. Gibt es noch ein Familiengrab der Familie, aus der ein Verstorbener stammt, dann wird er darin beigesetzt. Im Unterschied zu Sozialbestattungen in anderen Städten gibt es in Mainz also keine anonymen Bestattungen. »Den Fall, dass die Identität eines Toten nicht geklärt wurde, gab es in Mainz noch nie«, sagt König.

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Letzte Ruhesstätten in Mainz

Friedhöfe: Gärten der Erinnerung

Der Mainzer Friedhof

Auch, wenn man sich gut auf ihn vorbereitet wähnt, der Tod kommt meist überraschend und unerwartet und ist für viele Angehörige ein Schock. Oft bleibt für die Trauer vorerst keine Zeit, denn der/die Verstorbene muss in der Regel innerhalb von sieben Tagen beerdigt werden. In kurzer Zeit müssen viele grundlegende und weit reichende Entscheidungen getroffen werden, wie zum Beispiel: Wo findet sich der geeignete Ort und das entsprechende Grab für die sterblichen Überreste, wenn sich der/die Verstorbene zu Lebzeiten nicht dazu geäußert hat? Welche Möglichkeiten hier in Mainz bestehen, hat der MAINZER recherchiert.

Welcher Friedhof?

Welcher Friedhof im Mainzer Stadtgebiet in Frage kommt, darüber gibt der städtische Wirtschaftsbetrieb Auskunft: So sind Verstorbene in der Regel da zu bestatten, wo sie zuletzt ihren Wohnsitz hatten. Doch es sind auch Ausnahmen zulässig. Dazu Jeanette Wetterling, Abteilungsleiterin Friedhofs- und Bestattungswesen: »Der Wirtschaftsbetrieb Mainz ist bemüht, unabhängig vom letzten Wohnsitz des Verstorbenen den Beisetzungsort entsprechend dem Wunsch der Angehörigen oder des letzten Willens des Verstorbenen zu ermöglichen.« In Mainz gibt es 14 kommunale und sieben jüdische Friedhöfe für 15 Stadtteile. Altstadt, Neustadt, Oberstadt und Hartenberg-Münchfeld verfügen über keine eigenen Friedhöfe. Verstorbene dieser Stadtteile finden in der Regel ihre letzte Ruhestätte auf dem Hauptfriedhof. Aus Zahlbach werden Verstorbene regulär in Bretzenheim und die vom Lerchenberg auf dem Friedhof West, der zwischen Drais und Finthen liegt, bestattet.

Welche Grabart?
Urnengräber

In der christlichen und säkularisierten Kultur hat man die Wahl zwischen Erd- oder Feuerbestattung. Reihen- oder Wahlgrab heißen die Möglichkeiten, die sowohl für Erd- als auch für Urnenbestattungen vorgesehen sind. Darüber hinaus können Urnen in Kolumbarienwände eingelassen oder auf dem Mombacher Waldfriedhof unter einem alten Kiefernbestand ihren letzten Ruheplatz finden. Ob individuell, anonym oder halbanonym, das Spektrum ist groß und ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Entwicklung nach einem persönlichen Gestaltungswillen. Unübersehbar geht der Trend zum pflegeleichten Urnengrab, wie an der Zunahme der Kolumbarien auf den Mainzer Friedhöfen zu erkennen ist.

Vorsorgegräber

Auf vielen Mainzer Friedhöfen können Nutzungsrechte an Wahlgräbern bereits zu Lebzeiten als Vorsorgegräber erworben werden. Diese Möglichkeit wird zunehmend in Anspruch genommen bei pflegeleichten Grabarten wie Kolumbarien und Urnengemeinschaftsgrabanlagen für Paare. Urnengemeinschaftsgrabanlagen für Paare sind für alle Formen von Lebensgemeinschaften ansprechend, da ein Grab für zwei Urnenbeisetzungen vorgesehen ist. Während der gesamten Laufzeit wird die Grabpflege von Gärtnern des Wirtschaftsbetriebs Mainz übernommen.

Besondere Gräber
Engelsche

In Mainz können nicht bestattungspflichtige Feten und Kinder, die vor ihrem sechsten Geburtstag gestorben sind, auf speziellen Plätzen ihre letzte Ruhestätte finden. Dafür vorgesehen sind sowohl der »Sternengarten« auf dem Hauptfriedhof als auch das »Kindernetz« auf dem Mombacher Waldfriedhof, mit einem antiken Fährschiff und der Skulptur eines Fährmanns als Monument. Wie wichtig ein Friedhof als Ort der Erinnerung ist, kann man auch an historischen und künstlerisch besonders wertvollen Gräbern ablesen. Da der Erhalt dieser Gräber besonders kostenintensiv ist und viele nicht mehr in Familienbesitz sind, kann man für sie eine Patenschaft übernehmen. Dabei übernimmt der Pate die Kosten für Sicherung und für eine evtl. anfallende Restaurierung. Im Gegenzug erwirbt er das Recht, sich mit eigener namentlicher Kennzeichnung darin beerdigen zu lassen.

Gräber anderer Kulturen

Friedhöfe sind immer auch ein Spiegelbild der Kulturen der verschiedenen Völker und Religionen und Ausdruck historischer Ereignisse und gesellschaftlichen Wandels. So gibt es u.a. auf dem Mombacher Waldfriedhof ein Ehrenfeld für die russischen Kriegsgefangenen des 2. Weltkrieges. Auch die Grabstätten der Sinti und Roma sind zu finden, ebenso seit 1978 die nach Mekka ausgerichteten Gräber für Angehörige des islamischen Glaubens. Sieben jüdische Friedhöfe sind in Mainz Zeugnis einer langen traditionsreichen Geschichte, besonders der am Judensand mit Grabensteinen aus dem 11. Jahrhundert wirkt wie ein Symbol von Ewigkeit.


Garek