Heft 217 Oktober 2008
Info


Von der Pike auf
Hans-Werner Diehl hat als Azubi bei der MVB begonnen, insgesamt 40 Jahre hat er für die Genossenschaftsbank gearbeitet, davon 21 Jahre als Vorstand. Mit seinem Namen ist ein vielfältiger Einsatz auch im kulturellen Bereich verbunden: der Dom, das Peter-Cornelius- Konservatorium, der Kunstverein Eisenturm und die Stiftung »Mainzer Herz« profitieren vom finanziellen Engagement der MVB. Außerdem stellt die Bank im Rahmen ihrer Bildungsoffensive Schulen bis zu 4.000 Euro aus den Ergebnissen des Gewinnsparens zur Verfügung. »Wir wollen mit all diesem Engagement auch die Eigeninitiative in Gang setzen, manchmal bedarf es einer Anschubfinanzierung oder das vorhandene Geld muss aufgestockt werden – wichtig ist, dass die Dinge in Gang kommen«, formuliert der 65-Jährige das Credo für diesen Einsatz. Am 30. September war der letzte Arbeitstag von Hans-Werner Diehl, einen Tag später übernimmt sein Nachfolger Uwe Abel den Vorstandsvorsitz.
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Titelstory

Hans Werner Diehl

»Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt!«

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Partner für den Mittelstand: »Großzügig ohne leichtsinnig zu sein – das war im Bankgeschäft schon immer eine Herausforderung!«

Das Gros der Feierlichkeiten rund um die Verabschiedung von Hans-Werner Diehl ist vorbei. Seine geschäftlichen Leistungen, seine menschlichen Fähigkeiten, sein Einsatz für seine Heimatstadt ist ausführlich dargestellt und umfassend gewürdigt worden. Eigentlich wäre all dem nichts mehr hinzuzufügen. Eigentlich! Es kommt anders, wie das Gespräch mit dem MAINZER zeigt.

fragezeichen Herr Diehl, Sie stehen seit vielen Jahren an der Spitze der Mainzer Volksbank eG. Und Sie haben die Bank zu DER Mittelstandsbank in der Region gemacht.Welche persönlichen Eigenschaften sind aus Ihrer Sicht unbedingt erforderlich für diesen Erfolg?

Diehl: Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Entscheidungsfreude, Beharrungsvermögen. Die Kunden müssen sich in allen Angelegenheiten auf uns verlassen können. Genauso wie unsere Mitarbeiter: sie müssen sichergehen, dass wir hinter ihren Entscheidungen stehen und alle Konsequenzen daraus gemeinsam tragen.

fragezeichen Welche Spielräume hat der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaftsbank MVB, um der heimischen Wirtschaft auch in schwierigen Zeiten unter die Arme zu greifen?

Diehl: Die Bandbreite unserer Handlungsmöglichkeiten entspricht in etwa der Bandbreite, die Sachverständige in ihrer Beurteilung anwenden. Wir haben es mit lebenden Organismen zu tun, das heißt mit Unternehmen oder mit Gesellschaften, die sich verändern und die von Menschen, von Individuen geleitet werden. Und wir haben es mit einzelnen Menschen zu tun, unseren Privatkunden – auch die sind Individuen. Ich unterstreiche das, denn die Kreditvergabe, beispielsweise, bleibt immer eine ‚persönliche Angelegenheit’ zwischen Geber und Nehmer und auf beiden Seiten stehen Menschen. Gegenseitige Achtung und gegenseitiges Vertrauen sind Voraussetzung, um zu einer Lösung zu kommen.

fragezeichen Muss die Chemie stimmen?

Diehl: Dabei kann auch die so genannte ‚Chemie’ zwischen den Handelnden eine Rolle spielen, aber die sollte nicht überbewertet werden.

fragezeichen Unter Ihrer Ägide hat die MVB eine Bildungsoffensive gestartet und stellt Schulen im Verbreitungsgebiet der MVB Geld zu Verfügung. Warum finanziert die Bank eine Bildungsoffensive?

Diehl: Weil wir leider feststellen mussten, dass die Qualität der Ausbildungsbewerber nachgelassen hat – auch was das Sozialverhalten und den Gemeinschaftssinn betrifft. Dazu haben wir uns während der Ausbildung bei uns übrigens etwas einfallen lassen: jedes Jahr, wenn der neue Azubi-Jahrgang seine Ausbildung startet, laden wir alle, auch die älteren Lehrlinge ein zum Kanu-Fahren auf der Lahn. In den Kanus sind die verschiedenen Jahrgänge schön gemischt – da können die schon mal üben, wie das ist, wenn alle gemeinsam in eine Richtung paddeln wollen.
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Hans-Werner Diehl und der Zusammenbruch von Lehmann Brothers: »Lieber bodenständig und klein, als großkotzig und pleite.«


fragezeichen Paddeln Sie mit?

Diehl: Selbstverständlich. Ich bin auch dabei, mir macht das riesigen Spaß. Außerdem kann ein gutes Vorbild nur sein, wer seine Überzeugungen vorlebt.

fragezeichen Im aktuellen MVB-Report hat Walter Weinkauf, der Präsident des Genossenschaftsverbandes Frankfurt e.V., sie als ‚knorrig, unverwechselbar, standfest, sturmerfahren’ bezeichnet.Werten Sie das als Kompliment?

Diehl: Ja, das sehe ich als Zustimmung! Ich kann es mir nicht leisten, ein ‚Weichei’ zu sein, das heißt, jemand zu sein, der nicht zu seinen Entscheidungen steht, jemand der andere für die eigenen Fehler gerade stehen lässt. Wir predigen hier nicht nur den Teamgeist, wir pflegen ihn. Bei uns ist jeder wichtig – was wäre der Vorstandsvorsitzende ohne seine Sekretärin?

fragezeichen In den Analysen, die sich mit der aktuellen Bankenkrise beschäftigen, heißt es, Volksbanken und Sparkassen seien vor derlei Zusammenbrüchen gefeit.Warum ist die MVB davon ausgenommen?

Diehl: Geschäftsbanken wie z.B. die viertgrößte amerikanische Bank, die Lehmann Brothers, müssen möglichst hohe Gewinne erwirtschaften, um die von den Eigentümern erwarteten hohen Renditen ausschütten zu können. Das kann zu einer Gewinnmaximierung auf Teufel komm raus führen. Nun sind die Zinsspannen, mit der hohe Renditen erwirtschaftet werden können, schon lange am Boden. Also sucht man nach Alternativen. Und dann kamen die sogenannten »Finanzinnovationen«. Da sind teilweise auch die Landesbanken darauf eingegangen, denn auch die stehen unter dem Druck Geld zu verdienen, zumal die Ministerpräsidenten die Landesbankgewinne in ihren Landesetats fest einplanen. Der Zwang, möglichst viel Geld verdienen zu müssen und vielleicht auch die Aussicht, selbst in Form von Provisionen an einem guten Ergebnis beteiligt zu werden, kann zu entsprechenden Risikoentscheidungen führen. Übrigens, als ich mich bei der Landesbank als Lehrling beworben hatte, wurde ich abgelehnt – die wollten mich nicht. (lacht…)

fragezeichen Haben die einen Fehler gemacht?

Diehl: lacht…

fragezeichen Und die MVB geht keine Risiken ein?

Diehl: Auch die MVB muss Geld verdienen, aber bei uns bekommen Sie als Genosse 5,25 Prozent als Dividende auf Ihre Anteile und nicht die oft avisierten 20 Prozent bei anderen Banken. Die Gier nach den höheren Renditen hat da wohl manche das Risiko vergessen lassen. Wir haben das immer abgelehnt. Die Volksbanken und Sparkassen sind keine spezialisierten Spartenbanken – wir sind für den Mittelstand und die Privatkunden vor Ort da. Unsere Renditen sind geringer aber verlässlich – und von dieser Verlässlichkeit profitieren auch unsere Kunden – gerade in turbulenten Zeiten.


SoS