Heft 217 Oktober 2008
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Denkmal

Der Gutenberg-Trilogie dritter Teil

»... dem Chaos abgerungen«

Gutenberg-Figur von Karlheinz Oswald

Die dritte und jüngste Mainzer Gutenberg-Figur unterscheidet sich deutlich von den ersten beiden. Während Scholl und Thorvaldsen den Erfinder der Buchdruckerkunst als Ehrfurcht gebietenden, würdevollen älteren Herren (mit Rauschebart) darstellen, drückt die Skulptur von Karlheinz Oswald vor allem eines aus: Anstrengung. Oswald zeigt uns den Handwerker Gutenberg, der nicht nur Geistes- sondern vor allem auch viel Körperkraft in seine Erfindung gesteckt hat. Nicht die viel bewunderte »Kunst« des Buchdruckens, sondern das ganz reale mühsame Bedienen der Druckerpresse ist das Thema seines Kunstwerkes. Um seine Darstellung Gutenbergs als bodenständigen, mit den Händen tätigen Mann zu unterstreichen, wählte Oswald als Material für seine Skulptur Eisen im bewussten Gegensatz zu dem Sandstein Scholls oder der Bronze Thorvaldsens. Ganz deutlich wollte der Künstler einen Kontrapunkt zu den bisherigen Gutenberg-Darstellungen setzen, ein neues Material und ein neuer Ausdruck sollten her. Als sehr passend empfand Oswald dabei auch den Standort für die Skulptur auf dem Karmeliterplatz. Genau zwischen Gutenbergs Geburts- und seinem Sterbehaus, seiner Tauf- und Pfarrkirche St. Christoph und dem Haus, in dem sich seine erste Druckerei befand. Durch die Skulptur sollte auch dieser Platz aufgewertet werden, als Milleniumsgabe von der Landesbank Rheinland-Pfalz an die Stadt Mainz. Anlass war das Gutenberg- Jahr 2000. Als sichtbares Zeichen auch über das Jubiläumsjahr hinaus wurde die Skulptur am 2. Oktober 2001 auf dem Karmeliterplatz feierlich enthüllt. Hermann Kurzke, Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität schrieb damals über das Kunstwerk: »Alle Kultur ist dem Chaos abgerungen und trägt schwer an diesem Erbe. Oswalds Gutenberg ist Teil der Erde ...«. Er nennt die Skulptur einen »eisernen Schmerzensmann ... gekrönt von einem Christusantlitz ohne Glorie«. Und tatsächlich: ein wenig erinnert das Denkmal wirklich an eine Darstellung Jesu mit Dornenkrone. Oswald selbst sagt: nein, eine Christus-Assoziation habe er nicht beabsichtigt. Was er zeigen wollte, war schlicht ein hart arbeitender Mann.


Ilona Hartmann