Heft 216 September 2008
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Jubiläum ÖPNV

Öffentlicher Personennahverkehr in Mainz

Von der Pferdebahn zum Verkehrsverbund

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Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Mainz feiert in diesem Monat Geburtstag: 125 Jahre hat er auf dem Buckel Herzlichen Glückwunsch! Was 1883 mit einer von Pferden gezogenen Bahn begann, hat sich bis heute zu einem komplexen, modernen Verkehrsverbund entwickelt, der weit über die Grenzen von Mainz und Wiesbaden hinausreicht. Allein auf dem Gebiet der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) fahren heute pro Tag 160.000 Menschen mit insgesamt 123 Bussen oder 26 Straßenbahnen. »Kaum vorzustellen, was für ein Chaos in Mainz herrschen würde, wenn diese Menschen alle mit dem Auto ankämen«, scherzt Jochen Erlhof, der, zusammen mit seinem Kollegen Gunter Rebahl, als Geschäftsführer die MVG managt.

Zusammenarbeit


Erlhof Die MVG wurde 2001 gegründet und betreibt als Tochter der Stadtwerke Mainz AG die Busse und Bahnen in Mainz sowie in den Wiesbadener Stadtteilen Amöneburg, Kastel und Kostheim. Erlhof schmunzelt: »Mag es sonst viele Sticheleien zwischen Mainz und Wiesbaden geben, im Nahverkehr arbeiten wir seit vielen Jahrzehnten hervorragend zusammen.« Diese Zusammenarbeit wurde 1975 im Verkehrs-Verbund Mainz-Wiesbaden (VMW) besiegelt. Von da an hat sich der Nahverkehr laut Erlhof »mit den Bedürfnissen der Menschen weiterentwickelt«, und die wurden immer umfangreicher: Viele pendelten aus dem rheinhessischen Umland zur Arbeit nach Mainz, von dort viele nach Frankfurt und umgekehrt viele in der Freizeit zum Beispiel an die Nahe. So wurde es sinnvoll das Verbundnetz weiter auszudehnen: »Seit 1995 kooperiert der VMW mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), seit 1999 mit dem Rhein Nahe Nahverkehrsverbund (RNN) und wir kooperieren auch mit dem Omnibusverkehr Rhein-Nahe (ORN)«, erklärt Erlhof.

»Strecken wie Mainz Marburg oder Mainz Neubrücke (Nahe) sind heute mit nur einem Ticket drin«, verdeutlicht Erlhof die Dimensionen der Verbünde: »Was viele gar nicht wissen: Sie können das Ticket für's gesamte RMV- und RNN-Gebiet zum Beispiel in Mainz beim Busfahrer kaufen, auch wenn es anschließend mit dem Zug weitergeht.« Gleiches gilt für die Beratung: Im MVG-Verkehrscenter am Bahnhof gibt es auch Infos über RNN und RMV-Strecken mit der U-Bahn oder dem Zug.

Einfach und komplex


bahn Vorteile für die einen, Herausforderungen für die anderen: »Je einfacher ich es dem Fahrgast machen möchte, desto komplexer werden die Systeme, die im Hintergrund laufen müssen«, erklärt Erlhof. Dazu gehöre zum Beispiel das Tarifangebot: »Erst seit ein paar Jahren gibt es in allen Verbünden einen einheitlichen Termin für Tariferhöhungen. Außerdem hat der RMV keine Sammelkarten, im VMW gab es das schon immer. Er nimmt da weiterhin eine Sonderrolle ein: Deshalb hängen in Mainzer und Wiesbadener Bussen und Straßenbahnen auch Entwerter«, erläutert Erlhof. Darüber hinaus müssen die MVG-Planer auch die Fahrpläne intern und mit den Kollegen von RMV und RNN aufeinander abstimmen: »Unsere Planer ermitteln, welche Umsteigeverbindung für wie viele Leute wichtig ist. Dementsprechend werden Anschlussverbindungen eingerichtet. Zum Beispiel bringen Busse die Leute morgens zur S-Bahn, abends ist es eher umgekehrt«, erklärt Erlhof. Weitere Herausforderung ist laut Erlhof die gerechte Aufteilung der Fahrgeldeinnahmen: »Wenn jemand von Mainz nach Frankfurt fährt, benutzt er eventuell den Bus, die S-Bahn, die U-Bahn und die Straßenbahn. Das Geld für diese Strecke muss leistungsgerecht an die beteiligten Unternehmen verteilt werden. Dahinter stecken aufwendige Berechnungen.«

Hinter den Kulissen


bahn neu Ob Tickets, Taktung oder Einnahmenaufteilung: Mit speziellen Computersystemen stimmen die Verkehrsplaner hinter den Kulissen alles miteinander ab. »Darüber hinaus überwachen sie die Touren mit Betriebsleitsystemen. Dabei helfen wir uns gegenseitig: Bei Engpässen übernehmen auch MVG-Busse Fahrten für ESWE-Verkehr oder die ORN und umgekehrt«, so Erlhof. Weiterer Vorteil des Betriebsleitsystems ist die Echtzeitinformation. An vielen Haltestellen in Mainz können Fahrgäste mittels digitaler Anzeigetafeln minutengenau verfolgen, wann ihr Bus oder ihre Straßenbahn kommt. In diesem Hightech liegt laut Erlhof auch das nächste Ziel: »Wir wollen es in den nächsten Jahren ermöglichen, dass der Fahrgast die Echtzeitinfo übers Handy abfragen kann. Damit Bus und Bahn fahren in Mainz in Zukunft noch komfortabler wird.« Die MVG feiert das 125. Jubiläum des ÖPNV mit einer Festwoche vom 22. bis 27. September. Infos dazu unter www.mvg-mainz.de


ucg