Heft 216 September 2008
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ASV Mainz 88

Die 88ER blicken nach Vorn:

Auf geht´s in die Meisterschaftsendrunde


Andersen

Wenn die erste Ringerbundesliga am zweiten Septemberwochenende in die neue Saison startet, dann will der ASV Mainz 88 ein gutes Stück höher hinaus, als vor einem Jahr. Play-off-Platz statt Abstiegskampf heißt das Motto der Männer rund um Trainer Baris Baglan. Für den MAINZER allemal Grund, um mit dem Coach der 88er zu plaudern.

fragezeichen 15 Jahre zum Teil Ringer- Niemandsland, dann der Aufstieg und jetzt – nach nur einer Saison in Liga Eins - soll es für Ihr Team wieder Richtung Meisterschaftsendrunde gehen. Klingt wie ein Sportmärchen. Das wie Wirklichkeit wird?


Baris Baglan: »Das soll insofern Wirklichkeit werden, dass wir im Vorfeld schon viel gemacht haben. D. h., wir sind in unserem Kader breiter geworden, was die Quantität angeht, aber auch die Qualität. Zudem achten wir seit Jahren darauf, dass bei den Kämpfen keine Zweckgemeinschaft auf der Matte steht, sondern eine Mannschaft, die nach Siegen zusammen feiert und nach Niederlagen gemeinsam bedröppelt in der Kabine sitzt. Diesen Teamgeist hat auch das Publikum honoriert. Dementsprechend suchen wir unsere Neuzugänge aus. Und wir arbeiten daran, wie auch unser Teambuilding-Camp Ende Juli bewiesen hat. Aber was natürlich das absolute A und O ist, ohne das geht gar nichts, ist Training, Training, Training. «

fragezeichen Hartes Training allein reicht für den Sprung unter die Topteams Deutschlands aber nicht aus. Dementsprechend wurde der Kader ordentlich verstärkt, Sie haben es angedeutet. Ein paar Worte zu den Neuen …


Baris Baglan: »Da sind in erster Linie Stefano Gheorgita und Daigoro Timoncini zu nennen, unsere beiden Olympiateilnehmer. Dazu Enis Ferchichi, mehrfacher Medaillengewinner bei deutschen Einzelmeisterschaften. Und in der oberen Gewichtsklasse, Markus Hamann, der die Olympiaqualifikation nur knapp verpasst hat. Nicht zu vergessen Dominik Engel, immerhin deutscher Juniorenmeister 2006, im griechisch-römischen Stil. «

fragezeichen Die beiden Pekingstarter dürften ihnen zwiespältige Gefühle verursacht haben. Einmal der Stolz und die Freude, zum anderen die Unruhe und Ungewissheit. Stichwort: Integration und Erholung.


Baris Baglan: »Das stimmt. Auf der einen Seite schlägt das Sportlerherz und man freut sich, dass die Jungs es geschafft haben, an den Spielen teilzunehmen, was schon aller Ehren wert ist, weil da die Besten der Besten sind. Dazu kommt aber auch ein weinendes Auge, weil man nie weiß, wie die da rauskommen, was die Form angeht. Oder noch schlimmer, eine Verletzung. Und das wäre dann bitter. «

fragezeichen Internationale Spitzenathleten kosten normalerweise auch ein bisschen Geld. Von dem hatte der ASV in der Vergangenheit eher zu wenig. Wie ist das zu erklären?


Baris Baglan: » Ja, also, Geld haben wir immer noch nicht genug, das ist klar. Wir können noch immer jeden potenziellen Sponsor gebrauchen. Aber es ist schon so, dass wir inzwischen von unserer erfolgreichen Arbeit profitieren. Und das nicht nur auf der Matte, sondern vor allem auch auf Vorstandsseite, wo gut und seriös gewirtschaftet wurde. Dazu kommt noch, dass die Presse häufig und durchweg positiv über uns berichtet. Das macht natürlich die Runde und kann den Weg zu dem einen oder anderen Gönner ebnen.«

Die Ringer vom ASV Mainz 88

fragezeichen Italiener, Iraner, Bulgaren, Rumänen, Schweden, Mainzer – Ihre Mannschaft gleicht einer Weltauswahl. Wie bringt man so viele Charaktere, mit so vielen Unterschieden in Kultur, Religion, Temperament unter einen Hut?


Baris Baglan: »Was uns alle verbindet, ist der Sport. Allein von daher pflegen wir einen respektvollen Umgang miteinander. Egal ob einer erste Mannschaft ringt, oder zweite. Oder nur hobbymäßig zu uns kommt – jeder ist bei uns willkommen und als Persönlichkeit respektiert. Ganz unabhängig von Rasse, Kultur, Religion. Das ist ein Fundament, auf dem sich sehr gut arbeiten lässt und das Spaß macht. Denn man kann von allen Seiten etwas lernen und diese Vielseitigkeit auf allen Ebenen bereichert uns. «

fragezeichen Zuletzt gab es immer wieder Diskussionen um die Turnhalle der Neutorschule, Ihrem Trainingsgelände. Die sollte geschlossen und der Verein umgesiedelt werden. Was ist der aktuelle Stand?


Baris Baglan: »Dass wir raus müssen, steht fest, nur noch nicht genau wann. Das dürfte sich noch ein halbes bis dreiviertel Jahr hinziehen. Und das tut uns natürlich weh. Das ist ein Stück ASVGeschichte, das war UNSERE Halle. Ich selbst bin als Sechsjähriger schon hingegangen. Und was wir uns alles aufgebaut haben: die Sauna, unsere eigene kleine Hallof- Fame, mit den zahlreichen Bildern, Pokalen und Erinnerungen. Aber der Blick geht nach vorne. Wichtig ist, dass wir einen Platz finden, an dem wir professionell arbeiten können. Und da bin ich guter Dinge, denn die Zusammenarbeit mit der Stadt klappt hervorragend. «

fragezeichen Zum Abschluss noch ein kurzer Blick Richtung Auftaktgegner TV Aachen- Walheim. Wie stark ist die Mannschaft einzuschätzen? Und wie, glauben Sie, geht das Ganze aus?


Baris Baglan: »Aachen ist jetzt erst aufgestiegen, hat sich aber mehr als ordentlich verstärkt. Zudem gibt es gerade vor einem Auftaktkampf unheimlich viele Unbekannte. Wie kommen die Olympiateilnehmer zurück? Wie verläuft die Vorbereitung weiter? Von daher ist eine Prognose schwer und generell auch eigentlich nicht mein Ding. Aber wer einen Play-off-Platz anstrebt, der möchte einen Aufsteiger schlagen. Und mit dem Publikum im Rücken, und wenn wir gut aus der Vorbereitung kommen, dann erhoffe mir einen spannenden Kampf und einen Sieg. «

Mario Bast