Heft 215 August 2008
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Andersen-Interview

Nullfünf-Trainer Jörn Andersen:

»Fakt ist: Wir werden angreifen«


Andersen

Mainz 05 ohne Jürgen Klopp was lange Zeit unvorstellbar schien, wurde durch den verpassten Aufstieg des Fußballzweitligisten in der vergangenen Saison traurige Wirklichkeit. Doch die Abschiedstränen sind schon lange getrocknet, jetzt macht sich ein Neuer daran, dem Klub seinen hoffentlich erfolgreichen Stempel aufzudrücken. Jörn Andersen heißt der Coach, der die 05er zurück in Liga Eins führen soll und dem der MAINZER genau deshalb auf den Trainer-Zahn gefühlt hat.

Herr Andersen letzte Saison noch in Offenbach für die sportlichen Belange verantwortlich, nun in Mainz. Auf der Landkarte ist das kein wirklich großer Sprung, was die Voraussetzungen für ihre Arbeit angeht, aber wohl schon. Wo sehen Sie die gravierendsten Unterschiede zwischen beiden Klubs?


Andersen: Ja gut, dadurch, dass Mainz 05 in den vergangenen Jahren entweder an der Spitze der Zweiten oder sogar in der Bundesliga zu finden war, sind die Strukturen einfach weiter, als in Offenbach, ganz klar. Hier gibt es deshalb ganz andere finanzielle Möglichkeiten. Zudem hat die Mannschaft eine ganz andere Qualität und Mainz ist ein über Jahre gewachsener Verein, Vorstand und Management arbeiten schon seit Ewigkeiten zusammen. Das ist vielleicht der größte Unterschied.

Als bekannt wurde, dass Sie der neue Mann auf der Mainzer Trainerbank werden, gab es unter den Fans doch einige Diskussionen. In wieweit haben Sie das mitbekommen? Und was ging Ihnen dabei durch den Kopf?


Andersen: Natürlich bekommt man das mit. Aber ich wusste, jeder der nach Jürgen Klopp kommt, hat es schwer. Das war auch in Freiburg bei Volker Finke so oder bei Otto Rehhagel in Bremen. So ist Fußball nun mal. Von daher war Jörn Andersen vielleicht nicht der Name, den der ein oder andere gerne gehabt hätte. Ein Abstiegstrainer aus Offenbach, den man nicht wirklich kennt das kann schon ein paar negative Vorstellungen mit sich bringen. Inzwischen aber glaube ich schon, dass die Fans voll hinter mir stehen. Schließlich habe ich bei der Saisoneröffnung einen Superempfang bekommen. Aber letztlich zählen sowieso nur die Ergebnisse, daran werde ich gemessen.

Jetzt war ja die Unterschrift unter ihrem Vertrag noch nicht richtig trocken, da standen auch schon alle Neuzugänge fest. Tatsächlich alles Ihre Wunschspieler oder doch Altlasten Ihres Vorgängers?


Manschaft Andersen: Außer Florian Heller, der vorher schon verpflichtet war, haben wir alle Spieler zusammen geholt. Das ist bei Mainz 05 so. Da entscheidet nicht allein der Trainer. Oder der Manager. Das wird gemeinsam gemacht. Wir haben uns zusammengesetzt, überlegt, wo ist noch Bedarf und dann haben wir uns für diese Spieler entschieden. Dass ich mit dem ein oder anderen schon zusammengearbeitet habe, war aber natürlich nicht von Nachteil.

Von dem Team, das in der vergangenen Saison nur knapp am Aufstieg gescheitert ist, hat nur Neven Subotic den Verein verlassen. Dafür haben Sie ein halbes Dutzend Neue geholt. Heißt: Da kann ja dieses Mal nix mehr schief gehen, oder?!


Andersen: Wenn Sie das so sagen wollen. Fakt ist: Wir werden angreifen. Wir wollen vorne mitspielen. Wir werden versuchen aufzusteigen. Das ist unser Ziel, ganz klar. Wir haben einen guten Kader, fast alle Positionen sind doppelt besetzt. Von daher

Wen sehen Sie auf dem Weg dorthin als die härtesten Konkurrenten an?


Andersen: Duisburg und Nürnberg werden sehr stark einzustufen sein. Und Rostock möchte bestimmt auch wieder hoch. Dazu, denke ich, wird Fürth eine gute Rolle spielen. Augsburg wird sehr stark sein. Aachen. Dazu vielleicht noch eine Überraschungsmannschaft. Also insgesamt, glaube ich, werden neben uns noch sechs bis acht Mannschaften um den Aufstieg mitspielen.

Schauen wir auf Ihr Team. Sie haben es schon gesagt: Die meisten Positionen sind doppelt besetzt. Toll für den Trainer, aber möglicherweise auch ein kleines Pulverfass. Wie wollen Sie Zoff verhindern?


Andersen: Mit Gesprächen und Erklärungen. Grundsätzlich aber wissen die Jungs, dass wir den Konkurrenzkampf brauchen, um die beste Leistung herauszukitzeln. Deshalb glaube ich auch nicht, dass wir da Probleme bekommen.

Mangelhaftes und zu langsames Spiel über die Flügel,fehlende Konsequenz nach einer Führung und fehlende Ideen gegen defensiv eingestellte Gegner das waren in der vergangenen Saison die häufigsten Kritikpunkte am Spiel der 05er. Wie wollen Sie die abstellen?


Andersen: Mit harter Arbeit. Wir trainieren das jeden Tag, üben das schnelle Spiel über die Außen, machen taktische Spielformen, damit wir diese Schwächen abstellen können. Und ich habe auch keine Bedenken, dass uns das gelingt.

Mit Aristide Bancé und Felix Borja haben Sie zwei klassische Mittelstürmer im Kader. Kann man zwei so ähnliche Spielertypen überhaupt zusammen auflaufen lassen? Und wenn ja, wie?


Andersen: Ich sehe das nicht so, dass die beiden ähnliche Spielertypen sind. Beide sind zwar kopfballstark, aber das wars dann auch schon. Bancé ist körperlich robust, hat einen Mordsschuss und kommt auch gerne mal aus der Tiefe. Borja dagegen kann auch mal zwei, drei Gegner stehen lassen, auf die Flügel ausweichen Das passt schon. Und mit Baljak, Ruman und Jovanovic dahinter, glaube ich, haben wir eh eine der besten Angriffsreihen der Liga.

Der Wechsel mit all seinen Anforderungen, die Neuverpflichtungen und dann auch noch die EM als Pflichtprogramm haben Sie überhaupt schon Zeit gehabt, sich Ihre neue Heimat etwas genauer anzusehen?


Andersen: Eigentlich nicht. Bislang habe ich mich fast ausschließlich rund ums Stadion aufgehalten, bin höchstens Mal essen gegangen. Von Mainz als Stadt habe ich deshalb noch nicht viel mitbekommen. Aber ich kenne das Rhein-Main-Gebiet ja durch meine Arbeit in Offenbach und meine Zeit als Spieler in Frankfurt und mir gefällt es hier. Und genügend Zeit, und um mir all die Sehenswürdigkeiten hier anzuschauen, werde ich hoffentlich auch noch haben.

MAINZER: Das wünschen wir Ihnen und danke für das interessante Interview.


Mario Bast