Heft 215 August 2008
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Festival

Viel Farbe auf nackter Haut

German Bodypainting Festival in Mainz

Kerstin Bülows Werk vom German
Bodypainting Festival 2007
Kerstin Bülows Werk vom German Bodypainting Festival 2007

Am 9. und 10. August verwandelt sich die Zitadelle in Mainz in ein Mekka der Körperkunst. Zum ersten Mal gastiert das German Bodypainting Festival in der Landeshauptstadt. Als Festival der Künstler für Künstler hat es sich in den vergangenen vier Jahren zu einem echten Event der Szene gemausert. Mit dem Umzug von Ingelheim nach Mainz wollen die Veranstalter jetzt noch mehr kulturbegeisterte Menschen erreichen. »Glänzend, aufwendig, bunter und größer als je zuvor“ soll das German Bodypainting Festival in der Mainzer Zitadelle werden. Das haben sich die Macher, das Künstlerehepaar Petra und Peter Tronser (der Ende Juli zum Weltmeister in der Kategorie »Special Effects Make up« gekürt wurde), Organisator Jörg Tronser und die Marketingagentur K.M.R., fest vorgenommen. Entsprechend sind die Themen für die Wettbewerbe. »Entdecker/ Neue Welten« heißt die Herausforderung, der sich internationale Face-Painter und Special-Effects- Künstler samstags stellen müssen. Ab 12 Uhr können Sie das live verfolgen. Sonntags sind kreative Ideen auf nackter Haut zum Thema »Technik/Erfinder« gefragt. Um 11 Uhr fällt der Startschuss für Pinsel, Schwämme und Airbrushpistolen. An beiden Tagen präsentieren sich die lebenden Kunstwerke um 18 Uhr auf einer Bühne, anschließend kürt die Jury den jeweiligen Deutschen Meister. Mehr als 40 Bodypainter aus sechs verschiedenen Ländern zeigen ihr Können, darunter Kerstin Bülow aus Mörfelden- Walldorf und Sabrina Beerbalk aus Guldental.

EINE »LEINWAND«, DIE HERAUSFORDERT
Kerstin Bülow

Die 37-jährige Kerstin Bülow ist Stammkünstlerin beim German Bodypainting Festival. Von Anfang an war die Spezialistin für Airbrush- Paintings dabei, landete immer auf den vorderen Plätzen. Der Sonntag ist ihr Wettkampftag. Zum Motto »Technik/Erfinder« hat sie sich schon seit längerem Gedanken gemacht: »Wie die eine Hälfte des Körpers aussehen wird, das weiß ich schon. Ich verrate es aber nicht“, schmunzelt die 37-Jährige. Fünf Stunden Zeit haben sie und die anderen Künstler, dann muss alles fertig sein. Ein Assistent wird sie wahrscheinlich unterstützen. Beim German Bodypainting Festival zähle vor allem der olympische Gedanke, sagt Bülow: »Es handelt sich um einen freundschaftlichen Wettstreit. Man kennt sich untereinander. Es herrscht ein ganz besonderes Flair.« Beim Mainzer Festival geht es in erster Linie um die Ehre, ein Preisgeld gibt es nur auf der Weltmeisterschaft. In ihrem »normalen« Leben ist Bülow Mama einer 8-jährigen Tochter, arbeitet Teilzeit als Sekretärin. Kunst habe immer schon in ihr drin gesteckt, erzählt sie. Vor sieben Jahren tauschte sie den Pinsel gegen die Airbrush-Pistole. Warum Bodypaintings statt Leinwand? Bülow bekommt ein Strahlen in die Augen: »Der Körper ist eine Leinwand, die einen Künstler besonders herausfordert: Sie atmet, zappelt, hat Hunger und muss aufs Klo. Ich muss meine Kunst im Zusammenspiel mit den Körperformen entstehen lassen. Der Reiz liegt darin, dass ich dem Model eine Kleidung anlege, die eine Geschichte erzählt.«

HISTORISCH, BUNT UND LEUCHTEND
»Pirates of the Caribbean« von Sabrina Beerbalk
»Pirates of the Caribbean« von Sabrina Beerbalk

Die 23-jährige Sabrina Beerbalk kam aus Jux und Dollerei zum Bodypainting: »Ich habe auf Kerben Kindergesichter geschminkt. Irgendwann dachte ich, das könntest du mal am ganzen Körper probieren. Ich habe meine Freundin als Model geschnappt und mich beim Bodypainting Event Rheinhessen in Ingelheim, so hieß das damals noch, angemeldet.« Das war 2005. Seitdem hat Beerbalk Blut geleckt: »Bodypainting macht süchtig.« Und so tritt die Mainzer Biologie-Studentin an beiden Wettkampftagen an. Samstags in der Disziplin »Special Effects«, sonntags mit Pinsel und Schwamm. »Special Effects« gilt in der Bodypainter- Szene als Königsdiziplin. Kein Wunder! Das hat weniger mit malen, als vielmehr mit Maskenbildnern zu tun. Aus Latex und anderen Materialen fertigen die Künstler Masken und Formen, die auf den Körper gesetzt und mit den bunten Farben zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzen werden. »Das ist sehr vorbereitungsintensiv. Schon lange vor dem Wettbewerb muss ich `ne Idee entwikkeln, nach einem Körperabdruck vom Modell Schablonen anfertigen, die Plastiken ans Modell anpassen und bemalen«, erklärt die 23-Jährige. Was sie genau in Mainz zaubern wird, will auch sie nicht verraten. Nur so viel: Es wird historisch, bunt und leuchtend. Das German Bodypainting Festival ist auch für Beerbalk weniger ein Wettkampf, eher ein Familientreffen der Painter. Trotzdem hat sie in diesem Jahr ein Platz auf dem Treppchen anvisiert.


Ucg

Infos:
www.german-bodypainting-festival.de
Eintrittspreise: Tagesticket: 7 Euro,
Kombiticket: 12 Euro, Kinder bis 12
Jahre haben freien Eintritt.