Heft 215 August 2008
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Denkmal

Die Mainzer Gutenberg-Skulpturen, Teil 2

Die Trilogie

Gutenberg-Denkmal des dänisch-stämmigen Bildhauers Bertel Thorvaldsen auf dem Gutenbergplatz

Der zweite Teil unserer Gutenberg- Trilogie ist dem berühmtesten Gutenberg-Denkmal in Mainz gewidmet: dem des dänisch-stämmigen Bildhauers Bertel Thorvaldsen. Seit 1837 steht es unübersehbar auf dem Gutenbergplatz, gegenüber des Theaters, im Rücken den Mainzer Dom. Das Thorvaldsen- Denkmal ist nicht nur eine Würdigung des größten Sohnes der Stadt Mainz. Es hat auch eine große symbolische Bedeutung. Wie bereits im letzten Heft erwähnt, war es für die damalige Zeit nämlich noch ganz und gar unüblich, einem Bürgerlichen wie Gutenberg ein Denkmal zu errichten. Zu solchen Ehren kamen nur Adelige, wie Könige oder Fürsten. Dass dem einfachen Buchdrucker Gutenberg ein öffentliches Denkmal gebaut wurde, geschah auf Drängen des Mainzer Bürgertums, das die Skulptur auch bezahlte. 1832 sandte Thorvaldsen einen Entwurf für seine Statue nach Mainz und erntete viel Lob. Der zuständigen Kommission gefielen die schönen und kräftigen Formen und Gutenbergs Gesicht mit einem »Ausdruck des tiefen Ernstes, doch nicht ohne deutsche Gutmütigkeit «. Als die Skulptur schließlich im August 1837 feierlich enthüllt wurde, schloss sich daran ein drei Tage währendes Volksfest an. Es blieb weiß Gott nicht das einzige, das der Bronze-Gutenberg in den vergangenen knapp 200 Jahren erlebt hat. Es folgten Dutzende von Rosenmontagszügen, Johannisnächten, Deutsch-Amerikanischen Freundschaftsfesten, Weinfesten und vieles mehr. Ob der Buchdrucker auch einen Sinn für Sport hatte? Dann dürfte der 23. Mai 2004 einer der Höhepunkte für ihn gewesen sein. Zum geglückten Aufstieg des FSV Mainz 05 in die Erste Fußball-Bundesliga bekam das Gutenberg-Denkmal von begeisterten Fans kurzerhand ein 05- Trikot in Übergröße samt Narrenkapp verpasst. Kein Wunder, dass der ehrwürdige Mainzer Bürger nach so viel Trubel ein wenig Standfestigkeit eingebüßt hat. Mitte Mai wurde die Gutenberg- Skulptur erstmals in ihrer Geschichte vom Sockel gehoben, auf Schäden untersucht und derzeit restauriert. Bis der Gutenberg-Platz seinen Gutenberg wieder bekommt, werden vermutlich noch ein paar Monate ins Land gehen.


Ilona Hartmann